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Traumfabrik der Postmoderne: Inception

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Chris Nolan ist der Mann der Stunde. Nach dem riesigen Erfolg von „The Dark Knight“ (ein Einspielergebnis von über einer Milliarde Dollar) hat Warner Bros dem Briten völlige Narrenfreiheit gewährt, damit er auch ja einen dritten Batman-Film macht. Das Ergebnis dieser Narrenfreiheit ist fast schon ein Experimentalfilm geworden. Kaum ein anderer Regisseur auf hätte dafür jemals ein 160 Millionen Dollar-Budget bekommen. Doch Nolan schon.

Die Geschichte, für die der Regisseur schon vor etlichen Jahren die Ausgangsidee hatte, basiert auf der Prämisse, dass es möglich ist, die Träume von anderen Menschen zu betreten. Daraus entsteht eine Art Industriespionage, denn in seinen Träumen versteckt man auch seine allertiefsten Geheimnisse. Das Stehlen dieser Geheimnisse wird „Extraction“ genannt. Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist der beste in der „Kunst“ der „Extraction“. Geschäftsmann Saito (Ken Watanabe) heuert ihn an, allerdings für eine „Inception“ – dem Firmenerben Robert Fischer soll nichts gestohlen werden, sondern die Idee eingepflanzt werden, das Imperium, welches er bald von seinem sterbenskranken Vater erben wird, zu zerschlagen.
Damit dies gelingt, muss Cobb und sein Team (unter anderem Ellen Page, Joseph Gordon-Levitt und Tom Hardy) einen vertrackten Plan austüfteln, den man hier nicht genau darlegen kann ohne seitenweise Erklärungen voranzustellen. Nur so viel sei hier verraten: Kernbestandteil des „Inception“-Plans ist, einen Traum innerhalb eines Traums innerhalb eines Traums zu betreten. Nach einem bereits verblüffenden Anfang nimmt sich Nolan genügend Zeit um die Regeln seiner Traumsysteme und deren Wechselwirkungen untereinander zu erklären. Wie ihm das gelingt, ohne das der Film dabei aus dem dramaturgischen Tritt gerät, ist für sich genommen schon beachtlich. Wenn der Film dann aber den sorgfältig geplanten „heist“ durchspielt und an Tempo aufnimmt, wird es wahrhaftig unglaublich.

All dies klingt erst einmal nur nach einem komplizierten „Mindfuck“, wie man verwirrende postmoderne Filmspielereien in den USA gerne bezeichnet. Nolan erleichtert den Zugang zu dem Film aber für das Mainstreampublikum, in dem er viel Spektakel und Schauwerte in den Film einarbeitet, ebenso aber durch ein emotionales Zentrum. Cobbs Ehefrau ist unter tragischen Umständen ums Leben gekommen, woran dieser schwer zu knabbern hat. Leider hat dies auch Auswirkungen auf die Traumwelten, die er betritt. Im Laufe des Films gewinnt Cobb dadurch immer mehr Konturen eines tragischen Helden.
Das intelektuellere Publikum kann sich währenddessen an der postmodernen Selbstbespiegelung des Films erfreuen. Kollektive Träume oder ein Team an Leuten, das unter Einsatz verschiedener Mittel jemanden im Prinzip eine ausgefuchste Story inszenieren, kann man sehr wohl als Kommentar zum Kino an und für sich lesen. Erst recht die Anspielungen an James Bond und „heist movies“. So erscheint es nur folgerichtig, dass am Ende des Abspanns noch einmal der Edith Piaf-Klassiker „Je ne regret rien“ erklingt, den Cobbs Team im Film benutzt, um sich synchronisiert aus den verschiedenen Traumebenen aufzuwecken.

Auch dank eines herrlich doppelbödigen Endes, was zu endlos langen Diskussionen führen wird, ist „Inception“ der beste und cleverste Blockbuster seit dem ersten „Matrix“. In Kinosommern, die von Sequels, Remakes und Reboots geprägt sind, eine wahre Offenbarung. Bitte mehr Mut zur Innovation, Hollywood! 

USA 2010
Drehbuch: Christopher Nolan
Regie: Christopher Nolan
Kamera: Wally Pfister
Musik: Hans Zimmer
Schnitt: Lee Smith
Leonardo DiCaprio
Ken Watanabe
Joseph Gorden-Levitt
Ellen Page
Tom Hardy
Pete Postlethwaite
Marion Cotillard
Tom Berenger
Cilian Murphy
Michael Caine
Verleih: Warner Bros.
148 min

Jan Boltze / 18.08.10

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