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Striptease der Macht: The Ghostwriter

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Ghostwriter sind zarte Wesen, fällt einmal der Satz in dem Film. Doch sie sind in der Wirklichkeit so etwas wie heruntergekommene Schriftsteller, die Aufträge annehmen müssen, selbst wenn sie sie gar nicht wollen. Pikant, dass der Ghost des britischen Ex-Premier Adam Lang (Pierre Brosnan) zunächst kaum spürt, dass er einen furchtbaren Job machen soll. Er soll einem heruntergekommenen Premierminister die Memoiren fertigschreiben, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit dringend nach Reinigung verlangt. Erst bei Beginn seiner Arbeit, bei der eine hohe Gage in Aussicht gestellt ist, erfährt er, dass sein Vorgänger auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist.

Der Ghost (Ewan McGregor) nimmt jedoch unbeirrt seine Arbeit auf. Akzeptiert, dass er in den Sicherheitstrakt einer entlegenen Insel vor der Ostküste der USA fahren muss, auf der sich der in der Öffentlichkeit in Misskredit geratene Politiker zur Zeit aufhält. Die Familie behütet das noch unfertige Manuskript wie seinen Augapfel, das seitenstarke Manuskript ist in einem mit Alarmanlage geschützten Schreibtisch untergebracht, es darf nicht kopiert und aus dem Hause entfernt werden. Als der Ghost das Manuskript zu lesen anfängt, stößt er jedoch nicht auf das erwartete brisante politische Material, sondern auf ermüdende Nichtigkeiten. Umgekehrt wird er nicht nur im Alltag selbst beschattet und fühlt, dass er gefährdet ist. Als sich herausstellt, dass der Ex-Premier wegen zutage getretener Brutalitäten gegen politische Häftlinge im Irak-Krieg wieder in die Schlagzeilen gerät, muss er sogar öffentlich Partei nehmen für den Politiker, der ihm jeden Tag undurchschaubarer und unsympathischer wird.

Er meint sich jedoch Adam Langs Frau Ruth (Olivia Williams) anvertrauen zu können, die mit ihm sogar einen Flirt anfängt. Als Adam Lang zu einem Empfang nach New York fliegt, verbringt er, erst zögernd, dann lustvoll eine Nacht mit ihr, die darunter leidet, dass Adam mit seiner Sekretärin Amilia Bly (Kim Cattrall) eine Affäre begonnen hat. Der Ghost stößt jedoch in der Abwesenheit seines Kunden in der Wohnung auch auf Jugendfotos, die ihn irritieren müssen. Hier sieht man den späteren Spitzenpolitiker überzeugend als Universitätsschauspieler brillieren. Die Fotos führen ihn auch auf die Fährte von früheren CIA-Kontakten des britischen Politikers. Auf den Fotos taucht eine Schlüsselfigur auf, Professor Paul Emmett (Tom Wilkinson), der zeitlebens für die CIA arbeitete. Erklärt sich so der rasante Erfolg des britischen Politikers, der zeitlebens eine amerikafreundliche Politik betrieb? Als der Ghost Professor Hammett persönlich aufsucht und seine Vermutungen etwas naiv äußert, begibt er sich in Lebensgefahr…

Unbestreitbare Seele des Films ist der Ewan McGregor als der leicht zum Alkohol und zu liebenswerten Lässigkeiten neigende Ghost, der sich in dem Dickicht der Machtzusammenmhänge zu orientieren versucht und doch hoffnungslos darin verfängt. Mit seinem liebenswerten Charme lässt er die kalte Scharlatanerie der Macht, die die Chefetagen der Gesellschaft durchwirkt, amüsant und beklemmend zugleich erscheinen. Die kalte Eleganz, mit der Ex-Bond Darsteller Pierce Brosnan den Premierminister wiedergibt, um den herum das Machttheater summt, wirkt durchaus passend. Da keiner hier, der nicht die unverschämten Gesetze genau kennt, ohne herbe Einbußen davonkommt, entlässt einen der Film mit dem Trost der menschlichen Trostlosigkeit: ein Meisterwerk.

Welche bizarre Duplizitzät der Ereignisse im übrigen, dass der Kultregisseur Polanski selbst im Geißeln der Laster harte Prügel einstecken musste. Wegen seiner Jugendsünden ließ ihn die Großmacht USA die letzten Regiearbeiten am Film bekanntlich mit elektronischer Fußfessel am DVD-Pult verrichten…

Deutschland/ Frankreich/ Großbritannien 2010
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Robert Harris
Roman Polanski
Produktion: Alain Sarde
Roman Polanski
Robert Benmussa
Darsteller: Ewan McGregor
Pierce Brosnan
Olivia Williams
Kim Cattrall
James Belushi
Tom Wilkinson
Timothy Hutton
Eli Wallach
Robert Pugh u. a.
Verleih: Kinowelt Filmverleih
128 Min.

Joe Schmidt / 08.04.10

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