Der Filmblog
Spaß mit Uniformen: Mein bester Feind
Es ist die Geschichte einer sonderbaren Freundschaft, der vom Sohn des reichen jüdischen Kaufmanns, des reichen Kunstgalleristen Jakob Kaufmann (Udo Samel), und des Sohns der Haushälterin, Rudi (Georg Friedrich ), der dem Haus seit Kindheitstagen zugehörte. Rudi hat immer zu den armen Schluckern gehört, als Kind der Haushaltsfrau, Viktor Kaufmann (Moritz Bleibtreu) hingegen zur Welt der Begüterten und Begünstigten. Als die Nazis kommen, verkehrt sich das Verhältnis. Plötzlich sind die reichen Juden bedroht, und der Rudi steht in SS-Uniform im Türrahmen und kann kaum mehr der Freund der Familie heißen.
Er ist der beste Freund und beste Feind der Familie, mit diesem Wortspiel und der Erinnerung an den ewigen Fasching des Lebens, dass die zerlumpten Kleider, die wir heute tragen, schon morgen durch die Uniformen der Mächtigen ersetzt werden können, entlässt uns der Film von Wolfgang Murnberger ein wenig in Rätseln. Er ist spannend und frisch von der ersten bis zur letzten Minute und reicht an filmische Vorbilder wie Chaplins ‚Großer Diktator‘ hier und da durchaus heran. Aber ob seine Botschaft nun eine mehr tragische oder mehr komische ist, bleibt uns nicht recht Zeit zum Nachdenken.
Nach einem seligen gemeinsamen Besäufnis teilt Viktor Rudi mit, dass der Vater sich in Besitz eines teuren Originals einer Zeichnung Michelangelos befindet. Und zeigt sie ihm unvorsichtigerwese auch gleich noch am Abend. Wenige Tage später tauchen SS-Schärgen in der Wohnung des reichen Kunsthändlers auf und fordern die Zeichnung. Der alte Jakob Kaufmann bereut, dem Sohn überhaupt davon erzählt zu haben, aber nun ist es zu spät. Die Nazis haben sich in der Führungsspitze ein irrwitziges Geschenk Hitlers an Mussolini ausgedacht: Um die Entente cordiale zu festigen, möchte der Führer die Zeichnung Michelangelos, die der Papst seit Jahrhunderten zurückfordert, Mussolini bei einem Staatsbesuch überreichen.
Doch als die Zeichnung in Berlin angekommen ist, stellt sich heraus, dass sie eine Kopie ist. Quel malheur, für allem für die Nazis. Doch auch Viktor ist jetzt in Bedrängnis. Nur weil er nach dem Tod seines Vaters in einem der Lager der einzige ist, der wirklich noch wissen könnte, wo sich das Original befindet, wird er nicht gleich exekutiert. Auf einem Flug nach Berlin, auf dem ihn ausgerechnet wieder sein alter Freund Rudi, jetzt Obersturmführer, begleitet, kommt es zum Beschuss durch polnische Partisanen, und das Flugzeug zerschellt im Nirgendwo. Nur die beiden gerade überleben.
Jetzt übernimmt Viktor die Führungsrolle, denn er ist kaum verletzt, während Rudi keinen Schritt mehr laufen kann. Er trägt ihn zu einer nahe gelegenen Kapelle und verarztet den Schwerverwundeten. Kurzerhand zieht er jetzt die Uniform des Nazi-Offiiziers an und spielt für eine Weile den Nazi, den Bösewicht, weil er meint, auf diese Weise doch etwas ausrichten zu können. Vor allem wohl, seiner Mutter zu helfen, die akut in Lebensgefahr ist. Doch Viktor alias Sturmfüher Schekel findet auch ein wenig Gefallen an der Uniform. Der Film kostet jetzt die drolligsten Szenen aus, wie der verfolgte Jude den Nazi-Offizier imitiert, die ganze Schikanei, den Hitlergruß, das Spiel mit dem Tod.
Als der Krieg aus ist, siegt, nach manchen Turbulenzen, doch wieder der schlitzohrige Jude. Die Galerie hatte Rudi zwar durch Übertragungsgeschäfte an sich gerissen, doch das Bild des Vaters konnte er den Vorbesitzern nicht ausschlagen, das eben das Original enthielt.
Eine Geschichte wie aus einem jüdischen Märchengeschichtenbuch, die Wolfgang Murnberger mit sehr guten Schauspielern in Szene gesetzt hat.
Österreich/ Luxemburg 2010
Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Paul Hengge
Darsteller: Moritz Bleibtreu
Georg Friedrich
Udo Samel
Uwe Bohm
Ursula Strauss
Marthe Keller u. a.
109 Min.
Joe Schmidt / 01.03.11
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