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Jenseits der dreißig ist nichts: The Future

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Sophie (Mirinda July) und Jason (Hamish Linklater) ängstet die Zukunft. die Zeit zerrinnt ihnen in den Händen, sie leben lustlos in der Welt des Internet oder in ihren Berufen, aber es passiert nichts mehr.

Sie entschließen sich, eine kranke Katze zu adoptieren. Doch als die Tierärztin sagt, dass die Katze bei guter Pflege durchaus noch ein paar Jahre leben könne, bekommen sie wieder Angst vor der Zukunft und der Verantwortung. In neurotischer Manier zählen sie die Tage am Kalender ab, bis sie die Verantwortung für das kranke Tier wirklich übernehmen müssen. Überhaupt scheint das Leben kurz. Die beiden haben Angst vor dem Älterwerden. Die Vierzig, auf die sie zugehen, ist schon fast die Fünfzig, und das ist dann wohl der endgültige Tod. Fast.

Der Film umkreist das Thema, was kommt, was man die Dreißig überschritten hat und, frei nach Goethe, so gut wie tot ist. Er entwickelte jedoch unerhörte poetische Energien, die hinreißend sind. Während die Katze surrealer Gesprächspartner wird, nehmen sich Sophie und Jason sehr reale Dinge vor, ein Tanzprojekt sie zum Beispiel, lebendige Ökopolitik er, er verkauft Bäume an den Haustüren, um den Klimawandel aufzuhalten. Und macht sich zweifellos dabei lächerlich. Und sie geistert durch den Alltag wie eine Zaubernymphe auf Entdeckungsreise – vor allem zu sich selbst.

Beide geistern durch ihre Welt. Es sind streng genommen autistische Welten, die kaum vermittelbar sind. Nah an der Krankheit. Ein mit einem suggestiven Score untermaltes Erzählen, das immer wieder im scheinbar Bedeutungsleeren endet, entlohnt den Zuschauer mit großer innerer Spannung. Die Hauptdarstellerin und Regisseurin Miranda July sucht die leise Ekstase. Dass sie auf eine effektvolle Story verzichtet, bedeutet, dass das Augenmerk sich auf Unmerkliches richten kann. Eine Tanzlehrerin, die plötzlich verrückt wird, aus dem Fenster schreit, sich einen neuen Liebhaber sucht, nur um der inneren Wildnis treu zu bleiben, überspannt den Bogen und spannt ihn so erst eigentlich für uns. Auch Jason hört plötzlich die Stimme des Mondes durchs Fenster sprechen, wenn er allein ist. Wen oder was suchen wir, wenn wir verlassen sind? Und wen oder was suchen wir, wenn wir einen neuen Menschen gefunden haben?

Alles ist akzidentiell und bedeutungsgeladen und mit einer unerklärlichen Zukunft behaftet. „Ich fand es einfacher, diese irrealen Elemente in den Film einzuflechten, als die Probleme von Jason und Sophie direkt anzupacken“, sagte die Regisseurin zu ihrem Film lakonisch und beschenkte uns mit einem zarten Stück filmischer Poesie.

Regie: Miranda July
Drehbuch: Miranda July
Kamera: Nikolai von Graevenitz
Musik: Jon Brion
Produktion: Gina Kwon, Roman Paul
Gerhard Meixner
Darsteller: Miranda July
Hamis Linklaster
David Warshofsky
Isabella Acres
Kathleen Gätl u. a.

Joe Schmidt / 01.03.11

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