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Der Filmblog

Einmal durch halb Asien: Filmfest Hamburg Tag 4

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Mein heutiger Filmfesttag stand heute bis auf zwei kleine Ausnahmen ganz im Zeichen asiatischer Filme, die rein zahlenmäßig im diesjährigen Programm nicht so stark vertreten waren, wie in den vorigen Jahren, darunter auch einige „big names“ der Filmfestivalszene wie Changdong Lee aus Südkorea und Masahiro Kobayashi aus Japan. Zuerst begann der Film jedoch mit einem Pressescreening der englischsprachigen Produktion „The Good Heart“. Produziert von mindestens 5 Ländern, darunter Island, Dänemark und die USA, von einem isländischen Regisseur inszeniert, trumpft er mit der Besetzung der zwei tollen Akteure Brian Cox und Paul Dano auf. Cox spielt einen „grumpy old man“, der einen Obdachlosen unter seine Fittiche nimmt und ihm beibringt, wie man eine Bar führt. Der alte Mann ist herzkrank und rechnet damit, nicht mehr lange zu leben – weswegen der Obdachlose die Bar übernehmen soll. Eine aufgrund von Flugangst gefeuerte Stewardess, in die sich der von Paul Dano gespielte Charakter verliebt, verkompliziert alles. Der Film fängt gut an, die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt und hat recht viel Wortwitz parat. Leider ruiniert ein total mißratenes Ende den Gesamteindruck des Films und macht eigentlich alles bis dahin passierte ziemlich überflüssig.

Changdong Lee ist einer der berühmtesten Filmemacher aus Südkorea, wenn auch nicht so ein Exportschlager wie Chan-wook Park oder Kim Ki-duk – seine Filme laufen aber regelmäßig auf den Festivals, wo er auch schon mal Preise mitnehmen durfte, unter anderem auch einen Regiepreis in Venedig für seinen Film „Oasis“. Sein neuestes Werk „Poetry“ erzählt von der Mittsechzigerin Mija, die ein Interesse an der Poesie entdeckt und sich in einen Volkshochschulkursus einschreibt, wo sie etwas über Gedichte lernen möchte. Gleichzeitig erfährt sie aber, dass ihr Enkel in eine Straftat verwickelt war und bekommt Alzheimer diagnostiziert. Wie sich ihr Leben zwischen diesen Polen neu ausrichtet, wird sehr langsam und unaufgeregt gezeigt, ist dabei aber doch immer fesselnd geraten und vor allem in der Hauptrolle unglaublich gut gespielt.

Der japanische Regisseur Masahiro Kobayashi ist schon ein Stammbesucher beim Filmfest Hamburg. Stolz wird im Programmheft sogar verkündet, dass Kobayashi mittlerweile St. Pauli-Fan ist. Sein bisher größter Erfolg bei einem Festival, war der formal sehr anstrengende „Ai no yokan“ (The Rebirth), der 2007 in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet wurde. Der Film etablierte in einer kurzen Interview-Sequenz eine Tragödie, die sich zwischen den zwei Kindern der beiden Interviewten abgespielt hat, um dann nur noch den Alltag der beiden zu zeigen. Ohne Dramaturgie, über die allermeisten Strecken auch ohne Dialog und voller Wiederholungen von Banalitäten musste der Zuschauer versuchen, sich aus kleinen Mikroinformationsbrocken zusammensuchen, wie es den beiden Charakteren wohl geht, und was der Film jetzt überhaupt noch erzählen will. Anstrengenderen Kunstanspruch konnte man in den letzten Jahren kaum zu sehen bekommen. Der Nachfolgefilm „Where Are You?“ war da schon ein Stück weiter zugänglich, obwohl er genauso still, dialogarm und formal reduziert daherkam, dabei aber doch deutlich spürbarer eine Geschichte entfaltet.
Von daher war es fast überraschend, dass Kobayashis neuer Streifen „Haru’s Journey“ sogar mit Filmmusik und Melodramatik daherkommt. Von letzterer leider sogar etwas zu viel. Der Film schildert die Beziehung zwischen der 19-jährigen Haru und ihrem Großvater Tadao, bei dem sie aufgewachsen ist. Die Beziehung zwischen ihren Eltern hat damals nicht gehalten – der Vater ging weg und die Mutter nahm sich darauf hin das Leben. Tadao hat sein Leben lang als Fischer auf Hokkaido gearbeitet, hat jetzt aber ein lahmes Bein und muss von einer viel zu knappen Rente leben. Haru hat deshalb auch in der Cafeteria einer Schule gearbeitet. Die Schule wurde jedoch geschlossen und nun möchte Haru gerne in die Stadt ziehen, um dort Arbeit zu finden, was bedeuten würde, dass ihr Großvater alleine wäre. Deswegen ziehen die beiden los, und reisen die verbleibende Verwandtschaft ab, um zu schauen, ob Tadao nicht irgendwo dort leben könnte. Das ist bis zum letzten Akt sehr feinfühlig inszeniert. Als Haru jedoch dann ihren Vater aufsucht, wird der Film leider zu kitschig und zerstört leider auch hier ein bisschen den positiven Eindruck, den er hinterlässt. Vor allem der Einsatz der Filmmusik ist dort ungeschickt und zu dick aufgetragen.

Außerdem gab es noch einen Film namens „Tiger Factory“ zu sehen, der von der jungen Malaysierin Ping erzählt, die als Leihmutter arbeitet um nach Japan auszuwandern, vorher aber noch reichlich von ihrer Tante ausgebeutet wird. Der Film ist ziemlich konventionell und wenig fesselnd erzählt – der Exotikbonus (in Malaysia ist kaum eine Filmindustrie vorhanden) hat hier wohl zur Festivaleinladung geführt.

18. Filmfest Hamburg vom 30.09 bis 09.10.2010

Jan Boltze / 05.10.10

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