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Ein Verlorenes Land: In The Valley Of Elah

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Die Fratze des Bösen findet viele Maskierungen. Anders als in ‘No Country for Old Men’ stellt sich der meisterhafte Tommy Lee Jones in diesem teils mehr dokumentarischen Film als der alternde Militärpolizist Hank Deerfield einer Herausforderung, in der er nicht nur Beobachter und Kommentator eines bedrohlichen Geschehens ist, sondern selbst mit emotionaler Stärke in die Strudel des Grauens hinein gerissen wird. Ein Mann, dessen Wertekanon von Patriotismus und militärischen Tugenden geprägt ist, muss entdecken, dass der Krieg das Maß des Entsetzlichen in unvorstellbarer Weise sprengt. Sein Sohn Hank (Jonathan Tacker), ein vorbildlicher Soldat, der vermisst wird gerade in dem Augenblick, als er aus dem Irak-Krieg heimkehrt, offeriert ihm ungewollt eine Schicksalslektion, die jede Coolness bei ihm erdrückt. Der Vater, der stolz war auf seinen Sohn, recherchiert die Kriegserlebnisse des Vermissten anhand von Videos und Fotos aus einem Handy, das er bei den zurückgelassenen Sachen am Stützpunkt vorfindet. Das Bildmaterial offeriert Rückblenden, die dem Vater klarmachen, dass das Wertgefüge, das ihn geprägt hat und an das er eigentlich noch immer glaubt, von Grund auf fragwürdig geworden ist.
Auf einem Foto, das der Sohn gemacht hatte, sieht er ein totgefahrenes irakisches Kind. Der Sohn hatte es in seinem Jeep überrollt. Hank hatte sogar angehalten, war ausgestiegen und hatte den Leichnam des Kindes unbedingt fotografieren wollen. Es scheint, dass er spürte, dass von diesem Augenblick an kein Licht mehr in sein Leben treten konnte, stattdessen ihm eine Finsternis nachfolgte, die nur noch immer neue Finsternisse nach sich zog.
Der Vater recherchiert bei den Soldaten und Freunden des vermissten Sohns in Gesprächen. Er hört von Drogen, Schlägereien, Nightlife. Dabei fällt dem Vater ein, dass sein Sohn ihn an jenem Tage, als er das wehrlose Kind auf der Straße überfahren hatte, sogar angerufen hatte, hol mich hier raus. Das sind die Nerven, hatte der Vater ihn da beruhigt, doch nicht gewusst, was eigentlich geschehen war. Mike hatte die Spirale des Grauens und der Gewalt erfasst. Als die Polizei Leichenteile eines mit Fleischerfachkenntnis zerlegten und verkohlten Körpers auf dem Militärgelände findet, beginnt der Vater mit dem Engagement des aufgerüttelten Patrioten mithilfe der Kriminalpolizei den Fall aufzudecken. Geweckt von den Energien des Vaters, widmet sich die Kriminalpolizistin Emily Sanders (Charlize Theron) dem Fall persönlich. Die Quelle des Grauens so nah zu finden, wie es keinem möglich scheint, lässt den Vater jedoch schließlich resignieren. Im Grunde könnte jeder jeden hier töten, bringt es einer der Soldaten einmal in den Gesprächen lakonisch auf den Punkt. Und wir Zuschauer blicken auf das versteinerte Antlitz des nieder geschmetterten Vaters. Im Lande Elah kämpft David gegen Goliath jetzt vergebens. In anrührender Weise gewinnt der traurige und gedemütigte Vater persönliche Nähe zu der an sich überforderten Kriminalpolizistin, die allein einen Jungen großziehen muss. Erst erzählt er dem Kind noch die Geschichte vom schlauen David, der der Gewalt Goliaths trotzen konnte. Bald aber glaubt das Kind nicht mehr an solche Geschichten.
In der letzten Szene des Films lässt der resignierte Patriot die amerikanische Flagge kopfüber hissen - ein ganzes Land zeigt sich verloren.

Regie: Paul Higgis
Drehbuch: Paul Higgis
Produktion: Patrick Wachsberger, Steven Samuels, Darlene Camano Loquet, Paul Higgis
Kamera: Roger Deakins
Musik: Mark Isham
Darsteller: Tommy Lee Jones, Charles Theron, Susan Sarandon, James Franco, Jonathan Tucker
Verleih: Concorde
124 Min.

Joe Schmidt / 25.06.08

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