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Die Sprengstoffexpertin: Salt

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Irgendwo in einer fernen Ecke am Rande der Sowjetunion werden Kinder zu bösen Killern herangezüchtet, unter der Obhut eines Meisters, der sie wie ein Guru zu Gehorsam und konformem Denken drillt. Eines von ihnen ist das Waisenkind Evelyn Salt (Angelina Jolie). Sie hat ihre Eltern bei einem Autounfall verloren, jetzt wird sie zu einer Wehrmännin herangezogen, deren einziges erklärtes Ziel ist: Amerika. Sie wird kämpfen können wie ein Tiger, mit Waffen, Sprengstoff wie auch im Nahkampf immer und jedem überlegen.

Schnitt. Jahre später arbeitet sie für den CIA. Sie ist Expertin für Überläufer. Als ein krebskranker älterer Mann auftaucht, der behauptet, heute, an diesem Tage, werde ein Anschlag auf den russischen Präsidenten verübt werden, nimmt ihn im ersten Augenblick keiner ernst. Als er aber hinzufügt, dass dieser Anschlag von einem Mitglied des KGB verübt werden wird, und die Person heiße Evelyn Salt, macht sich eine unruhige Stimmung breit. Salt streitet zwar ab, wirkt aber unglaubwürdig, da sie sich sofort aus den Räumen des CIA zu flüchten anschickt. Ihr Vorgesetzter Ted Winter (Liev Schreiber) will sie noch ein paar Augenblicke verteidigen, aber der Spionagexperte Peabody (Chiwetel Ejiofor) hat seinen Glauben an sie sofort verloren. Als man ihr die Flucht ernsthaft verwehrt, wird sie aggressiv, zündet Sprengstoff, flieht mit Polizeiautos, springt auf eine gestohlene Maschine. Der Beweis scheint auf der Hand, dass sie eine Doppelagentin ist, im Mantel der US-Zugehörigkeit für die Sowjetunion agiert und und als ‘Schläferin’ nur lange auf den Tag X ihres Einsatzes gewartet hat.

Doch der Film spielt mit den Identitäten. Dem Zuschauer bleibt es über Strecken unklar, in welcher Weise er nun Salt entlarven darf oder soll. Angelinas Jolies kongeniales Spiel gibt hier ihr Bestes. Mal ist sie die glaubwürdige CIA-Agentin, dann taucht sie unter in die dunkle Unterwelt. Tatsächlich ja ist sie es, die kühle schöne Blondine, die plötzlich mit schwarzgefärbtem Haar und im Badman-Look durch die U-Bahn-Schluchten unter der Krypta der Kirche kriecht und keucht, in der gerade die Beisetzung des amerikanischen Vizepräsidenten zelebriert wird und wo der russische Präsident eine Ansprache halten soll, dem der Anschlag gelten wird. Salt schießt sich den Weg frei und erschießt auch den russischen Präsidenten – scheinbar. Das begreift der Zuschauer freilich erst einige Szenen später.

Geplant ist vom russischen Geheimdienst so etwas wie die Vernichtung der Welt, eine Inbesitznahme des Weißen Hauses samt amerikanischem Präsidenten, um sämtliche Atomwaffenpotentiale der Großmacht in die Hand zu bekommen. Handelt nun Salt so glaubwürdig im Dienste des KGB oder bleibt sie heimlich doch der CIA verpflichtet? Ist sie im Gegenteil nur scheinbar als russische Agentin tätig und entlarvt in Wirklichkeit den KGB? Dem Zuschauer brummt ständig der Schädel – denn warum sollte ganz am Anfang ihr alter Guru und Lehrer Orlov (Daniel Olbrychski) deshalb ausgerechnet bei der CIA vorsprechen, um seine ihm liebste Schülerin, wie er später selbst sagt, zu verraten?

An solchen Stellen geht die Logik baden, herrscht nur einfach das irrwitzige Spiel der Verstellungen. Mit den Mitteln des Thrillers, allen seinen Verfolgungsjagden, Droh- und Gewaltszenen hat Philipp Noyce, vielleicht ohne es wirklich zu wollen, praktisch eine Komödie daraus gemacht, einen Post-Thriller, der mit seinen Versatzstücken und seinem eigenen Instrumentarium spielt, historisch angesiedelt in der Welt des Kalten Krieges, in der die Sowjetunion und Amerika einander wie zeitlose Eisblöcke anstarrten und die Welt immer nur ein paar Momente vor dem Kollaps stand.

„Salt“ ist zwar kein großartiger, aber ein packender Film. Nicht zuletzt ist das Angelina Jolie zu danken, die in dem Film den Sprengstoff abgibt, der den Film mit so viel Energie auflädt.

USA 2010
Regie: Philip Noyce
Drehbuch: Kurt Wimmer
Produktion: Ric Kidney
Mark Vahradian
Lorenzo di Bonaventura
Sunil Perkash
Kamera: Robert Elswit
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Angelina Jolie
Live Schreiber
Chiwetel Ejiofor
Daniel Olbrychski u. a.
Verleih: Sony
100 Min.

Joe Schmidt / 20.09.10

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