Der Filmblog
Der Stein der Prärie: True Grit
Der Mann ist ein Stein. Seine Worte hart, röhrend und erbarmungslos wie die Prärie. Der neue Film der Coen-Brüder, als Meisterwerk bei der diesjährigen Berlinale eingeführt und schnell auch erfolgreich beim Publikum, ist eine Glanznummer für Jeff Bridges, der einen Western-Helden mimt, dem es an nichts fehlt. Vor allem nicht an dem Schwierigsten, der Glaubwürdigkeit in dem zur Rarität gewordenen Genre nämlich. Als im Abspann von Cogburns friedvollem Begräbnis die Rede ist, meint man, er handele sich geradezu um das Begräbnis eines Mannes, der noch vor wenigen Jahren mitten unter uns weilte. Obwohl das Genre des Westerns Ironie und Ernst ja sogar absichtlich mischt, nimmt man den Coen-Brüdern die Adaption des Portis-Romans ohne weiteres ab.
Wenn Marshal Cogburn in einer der Eingangsszenen vor Gericht aussagt, lehrt er die Zuhörer das Fürchten. Fast jeder seiner Sätze, die selbst der Richter akzeptiert, endet mit der glaubwürdigen Schlussfolgerung „and I shot“. Er besitzt true grit. Nur er. Keiner sonst. Wie anders könnte man ihn frei herumlaufen lassen, obwohl er soviele Männer schon aus dem Leben befördert hat. Was er tut, ist notwendig. Wie anders auch könnte sich die junge Matti Ross (Hailee Steinfeld) ausgerechnet an ihn wenden, als ihr Vater Frank Ross rücksichtslos von einem Banditen ermordet wurde? Weil Tom Cheney (Josh Brolin) weit weg ins Indianer-Gebiet geflüchtet ist, kümmert sich die Stadt, in der er lebte, nicht mehr um die Sache. Wenn die aufgewühlte Vierzehnjährige den Mörder bestraft sehen will, muss sie die Zügel selbst in die Hand nehmen. Sie heuert Cogburn an, für fünfzig Dollar. Das ist nicht genug, hundert sagt er. Das ist in jedem Falle mehr, als die Stadt steckbrieflich für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt hat, aber kaum mehr als das, was sie nach dem Tod des Vaters noch flüssig auf der Hand hat. Aber für Cogburn gottseidank genug, um sich aus der Schlafmatte zu erheben, in der er tags seinen Whisky-Schlaf ausschläft.
Natürlich will er das Mädchen nicht bei sich haben. Und eigentlich auch nicht den Taxas-Ranger La Boeuf (Matt Damon), der ein bisschen die Rolle der überforderten Stadtpolizei zu Pferde spielt. Doch beide folgen ihm. Er ist auch nicht mehr der Jüngste, und das Gefahrenland ist groß. Es heißt, dass sich Tom Sheney einer Kriminellenbande um Lucky Ned Pepper (Barry Pepper) angeschlossen hat, um sein Glück zu versuchen. Auf dem Weg in die Prärie, den die drei ungleichen Partner antreten, lauert der Tod an jeder Ecke.
Im Wald stoßen sie auf eine Leiche, die meterhoch in einem Baum hängt. Als sie den Toten vom Baum schneiden, kommt ein Indianer und zieht mit dem Leichnam unversehens ab. Kurze Zeit später hat ihm ein bärenfelltragender Medizinmann die Leiche für einen Hustensaft abgekauft. In der einzigen Hütte, in der man in der Gegend bei der Kälte im Winter übernachten kann, hängen zwei Figuren rum, von denen mindestens der eine Lucky Ned Pepper nicht verraten will. Klar dass er vor Cogburn keine Gnade finden wird. Traurig die Story des Anderen, der noch mit einer Schusswunde zu kämpfen hat und sich einen Arzt wünscht, zu dem ihn Cogburn bringen kann. Als er von Lucky Ned Pepper zu reden beginnt, hackt ihm sein Kumpane kurzerhand die Finger ab.
Minuten später kommt die Pepper-Bande selbst an. Jetzt muss Mattie Ross ihre größte Mutprobe bestehen. Obwohl alle Hoffnung schon versiegt ist, weil La Boeuf unabsichtlich die Bande gewarnt ist, steht plötzlich Sheney beim Wasserholen am Fluss selbst vor ihr. Die Vierzehnjährige richtet den Revolver ihres Vaters auf ihn. Sheney lacht, sie solle doch den Abzug sichern, da kracht die Salve… Sheney ist nicht tot, aber dank Cogburns Cleverness sind seine Tage gezählt.
Im Jahre 2011 einen glaubwürdigen und spannenden Western zu drehen, ist eine erstaunliche Leistung, die den Coen-Brüdern scheinbar mühelos gelungen ist. Man ist betrübt, dass die Jury der Nominierung für den besten Hauptdarsteller für Jeff Bridges nicht auch hat die Prämierung folgen lassen. Hinter all der rauen Männersprache, den Schießereien und den Szenen drastischer Gewalt verbirgt der Film ja ein tiefes Gerechtigkeitskeitsverlangen, das in dem Falle die junge Mattie artikuliert, die den Tod ihres Vaters nicht hinnehmen will.
USA 2010
Regie: Ethan und Joel Coen
Drehbuch: Ethan und Joel Coen
Charles Portis
Musik: Carter Burwell
Kamera: Roger Deakins
Produktion: Ethan und Joel Coen
Steven Spielberg
Scott Rudin
Paul Schwake
Darsteller: Jeff Bridges
Matt Damon
Josh Brolin
Barry Pepper
Hailee Steinfeld u. a.
Verleih: Paramount Pictures
110 Min.
Joe Schmidt / 20.03.11
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