Der Filmblog
Archaik am Gartenzaun: The Forgivness of Blood
Ein kleiner, unbedeutend wirkender Streit in einer Kneipe. Am nächsten Tag wird der Weg für die Durchfahrt gesperrt. Der Weg darf nicht mehr über die Abkürzung genommen werden, der über Nachbars Gebiet geht. Zwei Nachbarn streiten sich, es kommt zum Gerangel, zu Messerstichen. Der Sohn des Nachbars stirbt.
Aus Angst vor Blutrache beginnt sich die Familie zu verstecken, der Onkel wird verhaftet, der Vater Niks, Mark (Refet Abazi), taucht unter. Am meisten gefährdet ist Nik (Tristan Halilaj) selbst, der siebzehnjährige Sohn. Die Familienwohnung wird jetzt zur Gefängniszelle.
Einzig Rudina (Sindi Lacej) darf ins Dorf, um für die Familie den Unterhalt zu sichern. Ein hübsches, frühreifes Mädchen, dem eine unerhörte Bürde auferlegt ist. Steht sie nicht früh genug auf, kann sie das Brot in den Gaststätten nicht mehr verkaufen und muss dort unverrichteter Dinge abziehen. Die Familie muss hungern. Nik leidet noch mehr, als junger Mann so völlig zur Passivität verurteilt zu sein. Sein Leben steht still. Noch eben hatte er ein Mädchen kennengelernt, ihr SMS geschrieben. Jetzt darf er sie nicht mehr sehen.
Die Bilder des Films schweben vorüber wie Fetzen eines archaischen Trauerspiels. Plötzlich Schüsse durch de Haustür, eine brennende Scheune. Das Inferno kann von so nah kommen. Nach wochenlangem verzweifelten Ausharren in der Wohnung läuft schließlich Nik blank zum Gegner aufs Grundstück und bittet erschossen zu werden, damit der Streit nur endlich ein Ende hat. Doch der Streit scheint endlos, bis ins soundsovielte Glied fortdauernd.
Während die Jugendlichen mit Händys spielen und die technologisierte Moderne überall längst Einzug erhalten hat, wuchern blutrünstige Gebräuche an den Rändern Europas weiter und fressen sich ins Herz der Zivilisation. Im heutigen Albanien gibt es ein Gesetz, nach dem zwecks Wiedergutmachung Familienmitglieder getötet werden dürfen und bei dem auch die Polizei wegschaut. Joshua Marstons Film wurde auf der Berlinale mit dem besten Drehbuch ausgezeichnet.
USA/Albanien/ Dänemark 2011
Regie: Joshua Marton
Drehbuch: Andamion Murataj
Joshua Marton
Darsteller: Tristan Halilaj
Sindi Lacej
Refez abazi
Ilive Vinca
Cun Lajci u. a.
109 Min.
Joe Schmidt / 01.03.11
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