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Konzertkritik: Klassik Radio in Concert – Die Grosse Welt der Filmmusik
Klassik Radio setzt seine erfreulichen Filmmusik-Tourneen fort. Die neue Konzertreihe startete am 18. September in der Hamburger Laeiszhalle. Im Gegensatz zu den vorherigen Terminen, an denen die Hamburger Sinfoniker unter der Leitung Frank Strobels musizierten, spielte diesmal ein sendereigenes Orchester, das Klassik Radio Pops Orchestra, welches vor kurzem gegründet wurde und zum allergrößsten Teil aus Musikern des „City of Prague Philharmonic Orchestra“ besteht.
Durch einige auf die Schnelle und wenig sorgfältig produzierte Sampler-Alben von Silva Screen hat das Prager Orchester unter Filmmusikfans einen eher zweifelhaften Ruf – zu Unrecht, wie auch die jüngsten Einspielungen des neuen Labels „Tadlow“ belegten – und eben auch der Abend in der Laeiszhalle.
Als künstlerischer Leiter und Dirigent wurde Nic Raine ausgewählt, der schon mit vielen berühmten Filmkomponisten zusammengearbeitet hat, hauptsächlich mit John Barry, von dem an dem Abend auch zwei Werke (erfreulicherweise auch mal etwas jenseits von „James Bond“) gegeben wurde.
Ganz klassisch begann das Programm jedoch erst einmal mit Alfred Newmans „Twentieth Century Fox Fanfare“, bevor Bernsteins „The Magnificent Seven“ das Konzert so richtig eröffnete. Die „Harry Potter“-Suite (leider nur mit Themen aus dem ersten Film) war dann bereits ein erstes Highlight, von dem Orchester sehr dynamisch interpretiert. Auch Korngolds „Sea Hawk“, mit relativ schweren Bläserparts wurde von dem Orchester überzeugend dargeboten.
Sehr erfreulich auch, dass man Debbie Wisemans „Oscar Wilde“ ins Programm aufnahm – nicht nur, dass diese Komposition äußerst stark ist, die sehr talentierte Komponistin verdient viel mehr Aufmerksamkeit, als sie von den meisten Filmmusikhörern bekommt.
Ein Schwachpunkt in der ersten Programmhälfte hingegen war „Das Parfüm“ vom Trio Tykwer, Klimek und Heil. Das Orchester trifft hier allerdings keine Schuld, selbst die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle konnten bei der Original-Soundtrackeinspielung nicht über die geringe musikalische Substanz der Komposition hinwegtäuschen. Dafür wurde man mit „Born Free“ von John Barry und vor allem der hervorragend gespielten Suite aus „Gremlins“ wieder verwöhnt. Die Suite über die kleinen, kuscheligen Monster spiegelte in einem Stück die große Vielseitigkeit von Goldsmith wieder. Laut Moderator Holger Wemhoff wollte Dirigent Nic Raine lieber „Star Trek“ spielen, und der Moderator beharrte dann auf „Gremlins“ – gut, dass er es getan hat – „Star Trek“ gibts auf jedem zweiten Filmkonzert zu hören, „Gremlins“ kommt seltener zu Gehör. Lobenswert, dass Klassik Radio das Stück als Programmpunkt mit aufnahm.
Die zweite Hälfte wurde, „Gladiator“ ausgenommen, von romantischer italienischer Filmmusik à la „Cinema Paradiso“ (Morricone) und „Il Postino“ (Luis Bacalov) sowie epischen Love-Storys wie „Doktor Schiwago“ und „Out of Africa“ dominiert. Beim „Herr der Ringe“ (gegeben wurde „The Breaking of the Fellowship“ aus dem ersten Film) patzte dann das Orchester, das bis dahin keinerlei Grund zur Klage bot, ein bisschen. Gerade der Solo-Flötist, der für den nicht vorhandenen Knabensopran die „In Dreams“-Passagen spielen musste, vermochte nicht zu überzeugen.
Ungewöhnlich das Finale des offiziellen Programms – „Caravans“ von Mike Batt; die CD ist schon seit vielen Jahren nicht mehr ohne den Einsatz von viel Geld auf ebay zu bekommen – als das Hauptthema bei „Klassik Radio“ gespielt wurde, sollen dort die Telefone jedoch nicht mehr stillgestanden haben, so dass man kurzer Hand entschied, das Thema in das Programm aufzunehmen.
Insgesamt ein sehr lohnenswertes Konzert – mit viel Musik für’s (viele) Geld. Um 23 Uhr war nach zwei Zugaben („The Imperial March“ aus „The Empire Strikes Back“ und das „Peter Gunn Theme“ von Henry Mancini) erst Schluß. Programmatisch lag der Schwerpunkt ein bisschen zu sehr auf episch-romantischen „Main Themes“ – ein bisschen mehr Vielseitigkeit wäre das I-Tüpfelchen auf einem ansonsten aber sehr gelungenen Abend gewesen - „Gladiator“ war z.B. das einzige richtige Actionstück und Musik, die moderner als spätromantisch daherkommen, gab es gar nicht zu hören. Auf jeden Fall macht die Tendenz, beliebte, aber seltener gespielte Stücke in das Programm aufzunehmen, auf zukünftige Filmmusikkonzerte neugierig.
Das Programm in der Übersicht:
-20th Century Fox Fanfare (Alfred Newman)
-The Magnificent Seven (Elmer Bernstein)
-Harry Potter Themes (John Williams)
-Lawrence of Arabia (Maurice Jarre)
-The Sea Hawk (Erich Wolfgang Korngold)
-Oscar Wilde (Debbie Wiseman)
-Winnetou (Martin Böttcher)
-Das Parfüm (Heil, Klimek, Tykwer)
-Born Free (John Barry)
-Gremlins (Jerry Goldsmith)
PAUSE
-Gladiator (Hans Zimmer)
-Cinema Paradiso (Ennio Morricone)
-Out of Africa (John Barry)
-Il Postino (Luis Bacalov)
-Doctor Zhivago (Maurice Jarre)
-Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring (Howard Shore)
-Driving Miss Daisy (Hans Zimmer)
-Caravans (Mike Batt)
Zugaben:
-The Imperial March aus “The Empire Strikes Back” (John Williams)
-Peter Gunn (Henry Mancini)
Jan Boltze / 03.10.07