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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Specials

Filmmusik und Hifi: Widerspruch oder Chance?

Inhaltsübersicht

Versucht man die beiden Welten Filmmusik und Hifi zusammenzubringen, stößt man auf Widerstände und Widersprüche, die weit über die Grenzen des Genres und technischer Voraussetzungen hinaus reichen. Je eingehender man darüber nachsinnt, desto offenkundiger werden einem die grundsätzlich verschiedenartigen Herangehensweisen vierer Welten an die Musik. Die Filmwelt, die Filmmusikwelt, die klassische Musikwelt und die Hifi-Musik-Welt (die es als solche wirklich gibt) treffen in einem Punkt aufeinander: in welcher Form ist eine Filmmusik am besten auf einem Tonträger präsentiert? Um diese Frage zu beantworten, bietet dieses Special dem geneigten Leser einen kleinen Diskurs in Musiken, Medien und Technik - ohne den eigentlichen künstlerischen Wert der Komposition in Frage zu stellen.

Wie viele Kanäle braucht die Musik?

Jüngst erschien aus dem Hause Warner die komplette Musik des dritten „Herr der Ringe“ Teils “Die Rückkehr des Königs”. Neben der klassischen Präsentation auf vier Audio-CDs, kann der geneigte Musikenthusiast jede Sekunde der Musik auf der beiliegenden DVD-Audio genießen. Damit reiht sich die Herr der Ringe Filmserie in ein knappes Dutzend Veröffentlichungen ein, die Musik aus Filmen in mehrkanaliger, also mindestens 4-kanaliger Abmischung anbieten. Was steckt dahinter?

Die Geschichte des Tonträgers begann mit einer einzigen, unbearbeiteten und ungemischten Aufnahme und mit einem Wiedergabekanal. Der 1877 von Thomas Alva Edison patentierte Phonograph speicherte die Töne und Geräusche auf einer weichen Wachswalze und bestimmte damit das vorherrschende Wiedergabeprinzip bis in die ausgehenden 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Vom deutschen Erfinder Emil Berliner wurde zehn Jahre später die entscheidende Modifikation dieses Systems eingeführt: die Schallwellen wurden auf einer horizontale, rotierende Scheibe geritzt und der Vorläufer der Schallplatte entstand. Mit der Einführung von Schellack 1896 und Vinyl 1948 änderte sich der Werkstoff der Langspielplatten, die Funktionsweise blieb aber dieselbe. Erst in den frühen Siebziger Jahren kam eine weitere Revolution auf die Tonträgerindustrie zu: das Stereoverfahren bot eine räumliche Auflösung auf der dem Hörer senkrecht gegenüberstehenden Hörachse und etablierte sich als bis heute gültiger Standard für kommerzielle Musik. Stand zu Anfangs noch ein übertriebener Ping-Pong-Effekt im Vordergrund (Bernard Herrmann nutzte solche stereophonischen Effekte für frühe Experimente in der Tonfilmmischung schon in den 50er Jahren), entwickelte sich Stereo zum Markenzeichen für eine natürliche räumliche Wiedergabe.

Mit der Einführung der CD wurde an diesen Grundfesten der Tonmischung nicht gerüttelt. Die digitale Revolution versprach einfachere Reproduzierbarkeit, keine Abnutzung und klareren Klang, aber an der zweikanaligen Abmischung änderte sich nichts. So kommt es, dass auch heute (25 Jahre nach der Einführung der Compact Disc) Stereo das dominierende Musikformat auf dem Massenmarkt ist. Der Wind der Veränderung wehte aus einer anderen Richtung: Die Wiedergabe von Filmen war schon früh ein Pionier in der Steigerung der klanglichen Räumlichkeit durch Experimente in der Abmischung. Stereo- und Quadrophonie waren Ohrenschmaus in den 50ern und auch in den 90er Jahren brachte die Einführung der DVD als Massenmedium eine Evolution im Tonbereich zur Vollendung. Bereits einige amerikanische Laserdiscs hatten digitalen Ton gespeichert und konnten 2-4 Kanäle wiedergeben. Ebenso gehen die beiden Tondefinitionen dts und dolby digital auf das Medium zurück, welches sich aber nie ganz durchsetzen konnte. Die DVD übernahm den 6-kanaligen Digitalton für die cineastischen Effekte und schuf damit den Markt der Mehrkanalverstärker, des Home Cinemas wie wir es heute kennen.

Ende der 90er Jahre war die digitale Welt also so aufgestellt, dass Filme die Mehrkanalmedien besetzten und Musik die Stereomedien. Die Musikwelt teilte sich zudem in eine große Welt des Massenkonsums, die den kleinen und handlichen Tonträger CD präferierte, und eine kleine, feine Gemeinschaft der High Fidelity auf. Letztere hat den Kontakt zur Schallplatte nie verloren und sorgt seit wenigen Jahren wieder für ein verstärktes Nachfragen des (fast) ältesten Tonträgers. Doch wo steht dabei die Filmmusik? Wie die Zusammensetzung aus den Worten Film und Musik andeutet, fangen hier eigentlich schon im Keim die Widersprüche an. Gesellen sich die Filmmusikfans zur Stereo-Ecke, also zur Musikszene, oder zur Mehrkanalecke, die vom Film kommt? Die Beantwortung der Frage stellte bisher keine großen Schwierigkeiten dar, denn entsprechend des Angebotes hörte man die Filmmusik als Veröffentlichung auf der Stereo-CD und im Film als Mehrkanalmischung. Nun gibt es seit einigen Jahren digitale Medien, die dieser Krücke Abhilfe schaffen könnten: die SACD und die DVD-Audio, wie sie jetzt der “Rückkehr des Königs” Veröffentlichung beiliegt.
Doch lassen Sie uns zuvor noch einige Klischees in der Musikszene Revue passieren. Der klassische Musikhörer ist elitär und mag weder schnöde Gebrauchsmusik wie Filmmusik, noch komprimierte Versionen seiner Musik als mp3 - auch ein Interesse an mehrkanaligen Experimenten wird ihm nicht nachgesagt. Der Popmusikhörer konsumiert seine Lieblingsbands in jeder Form, ob Radio, CD oder Mp3-Player, die Feinheiten der Aufnahmequalität sind sekundär. Mehrkanal? Auch hier Fehlanzeige. Der Filmliebhaber mag es von allen Seiten krachig, doch auch er muss mit komprimierten Musiksignalen leben - dolby digital ist nichts anderes als ein gutes sechskanaliges mp3. Dem Filmmusikfan widerfährt nun das Schlechte aus beiden Welten. Obwohl seine Lieblingsmusik für eine Mehrkanalmischung komponiert, aufgenommen und produziert wurde, gibt es nur eine zweikanalige als Tonträger zu kaufen. Er muss sich dem Komprimierungswahn der Popmusik stellen und wird dennoch aus der klassischen Ecke zum Teil von oben herab betrachtet. Der letzte Bruch in dem wirren Panoptikum der Genres und Musikreproduktionen wird deutlich, wenn man bedenkt, dass gerade die Filmmusikmischung der 30er bis 60er Jahre ganz entscheidend den Stil des Close Miking bei der Aufnahme von sinfonischer Musik geprägt hat, was zum Teil bis heute als Differenz zwischen dem Konzerthallensound vieler Klassikaufnahmen und dem knackigen, direkten und straffen Klangbild der Filmscores nachwirkt.

Die mehrkanalige Musikwiedergabe eröffnet also prinzipiell die Möglichkeit, Filmmusik in der Weise zu erleben, wie sie komponiert, aufgenommen und für das Produkt Film gemischt wurde. Die SACD und die DVD-Audio verfügen zudem über keinerlei Klangkompressionen wie die DVD-Tonspuren, sie bieten im Endeffekt sogar einiges mehr an Auflösung und Dynamik als eine CD-Spur.  Die technischen Details sind letztenendes uninteressant, doch spannend ist die Frage, was man mit diesen Medien anfangen kann, welche technischen Voraussetzungen sie benötigen und was als Ergebnis dabei herausspringt. Und natürlich bleibt die Frage: Wem nützt das?

Eine Frage der Technik.

Eine herkömmliche Stereoanlage ist einfach aufgebaut, die verfügt über ein oder mehrere Quellgeräte, die Tonsignale in analoger Form bereitstellen, und einen Integrierten Verstärker. Die klassischen Quellgeräte sind ein Tuner für Radio, ein CD-Player oder ein Plattenspieler. Das Signal, auf dem Wege der Cinch-Verbindung in den Verstärker gelangend, wird zunächst einer Klangwandlung unterzogen und schlussendlich verstärkt über die Lautsprecherkabel an die Boxen geliefert. Jeder Verstärker verfügt über eine Vorstufe, die die Lautstärke regelt und Anpassung wie Basserhöhung oder kompletten Equalizer bietet, und eine Endstufe, die nach einem festen Dezibel-Verhältnis das Tonsignal verstärkt.
Mit Mehrkanalmedien können klassische Verstärker nichts anfangen, sie besitzen lediglich einen oder mehrere analoge Stereo-Eingänge und zwei doppelpolige Verstärkerausgänge. Die Mehrkanalfähigkeit der DVD erforderte mehr als dies. Zwar lässt sich auch eine DVD mit einem Stereoverstärker ansprechend genießen, wenn der DVD-Player einen analogen Zweikanal-Downmix bereitstellt (dies ist Standard), doch so richtig Kinofeeling erzeugt man erst mit einem Heimkinosystem. Für das Abspielen einer DVD ist das klassischerweise ein Boxenset, dass aus 5 Einzelllautsprechern und einem optionalen Tieftöner (Subwoofer) besteht. Logischerweise braucht es nun auch einen Verstärker, der den Job nicht nur für zwei, sondern auch für 6 Kanäle erledigt. Die Audio-Video-Receiver (AVR) sind mittlerweile zum Standard geworden und bieten neben dem Verstärken des Filmsounds auf 6 Kanäle auch digitale Signaleingänge. CD und DVD speichern ihre Musikdaten digital und an irgendeiner Stelle des Signalweges zwischen Medium und Lautsprechern muss es in ein analoges gewandelt werden. Dieser Schritt ist durch die Dekodierung von dts und dolby digital in den Verstärker gewandert, denn eine Wandlung ist verlustbehaftet und sollte von einem möglichst hochwertigen Gerät erledigt werden - für Verstärker gibt man insgesamt doch mehr aus als für DVD-Player, deshalb hat sich die digitale Übertragung zum Verstärker im Filmbereich durchgesetzt.

Normale DVD-Player können mit den hochauflösenden Spuren einer SACD oder DVD-Audio nichts anfangen, doch für beide Formate gibt es zwischenzeitige Abhilfe. Die SuperAudioCD ist mehrschichtig aufgebaut und kann neben einer mehrkanaligen Schicht auch eine Stereo-SACD und eine normale CD-Spur besitzen. Nahezu alle SACDs sind als sogenannte Hybride produziert, sodass auch ein normaler CD-Player ihnen den klassischen Ton entlocken kann - freilich ohne Klangvorteil und Mehrkanal. Die DVD-Audio geht auf die DVD-Video zurück und ist somit auch von DVD-Playern lesbar, zumindest teilweise. Sie ist ebenfalls zweigeteilt und bietet einen klassischen DVD-Teil mit demselben Musikprogramm (meist als dts oder dolby digital) und einen DVD-Audio-Teil, der die unkomprimierte Mehrkanalspur enthält. Beide Formate sind also kompatibel, aber beide bieten mit klassischen Abspielgeräten keinerlei Qualitätsvorteil.
Ist man gewillt, diesen nominellen Qualitätssprung zu realisieren, muss also ein neues Abspielgerät angeschafft werden. Weit verbreitet sind inwischen sogenannte Multiplayer, die alle Formate von DVD, CD bis zu DVD-Audio und SACD abspielen können. Im Handel bekommt man sie ab einem Einstiegspreis von 150€, in Einzelfällen darunter.  Doch ist dies nicht die einzige Stolperfalle, die sich einem in den Weg stellt. Der Mehrkanalverstärker muss das Signal einer SACD oder DVD-A annehmen und verarbeiten, dazu gibt es zwei Wege. Erstens, der Verstärker verfügt über einen analogen Sechskanaleingang in gleicher Form wie die Cinch-Buchsen oder er hält hochwertige digitale Eingänge bereit. Bei den analogen besteht prinzipiell kein Problem, nur das oben beschriebene Phänomen, dass in einem billigen Abspielgerät gewandelte Signale dumpfer und schwächer klingen - es gilt natürlich für sechs Kanäle genauso wie für zwei. Bei den digitalen Schnittstellen reichen leider die für DVD konzipierten optischen und koaxialen nicht mehr aus - sie können die riesigen Datenmengen nicht transportieren. Dazu muss man entweder zu Insellösungen wie der i.Link- oder der Denon-Link-Schnittstelle greifen (nur in wenigen Geräten vorhanden) oder man muss sich dem neuen universellen Anschluss für Ton und Bild namens HDMI (High Definition Multimedia Interface) anbiedern. HDMI wurde im Zuge der neuen hochauflösenden Filmmedien als gemeinsame Schnittstelle für Bild und Ton entwickelt und existiert in bisher 3 Evolutionsschritten. HDMI 1.1 ist die älteste und über Version 1.2 sind wir mittlerweile bei 1.3 angekommen. Genaue Erklärungen würden jetzt zu weit führen, nur soviel: Für die digitale Übertragung von DVD-Audio brauchen Player und Verstärker mindestens Version 1.1 und für SACD Version 1.2. Da aber alle neuen Geräte langsam den wohl endgültigen Standard 1.3 annehmen, sollte das in Zukunft keine Hürde mehr sein.

Das Dilemma der Medien.

Nun hat man also sechs Lautsprecher, einen Mehrkanalverstärker und einen Multiplayer und könnte nun in wunderbar räumlicher und dynamischer Filmmusik schweben - wenn man die entsprechenden Medien bereithält. Doch damit fängt der ganze Schlamassel eigentlich erst so richtig an und führt uns zurück zu den Widersprüchen, die eingangs erwähnt wurden. Weder die SACD noch die DVD-Audio haben es zu einer wirklich nennenswerten Verbreitung gebracht, die Anzahl der Titel bewegen sich noch deutlich unter 10.000 (alle Genres) und ein Urknall steht nicht mehr bevor. Dies hat mehrere Ursachen:
- Die klassische Musikklientel schätzt akkuraten Klang, saubere Aufnahmen und vor allem eine Wiedergabeelektronik und Lautsprecher, die aus Musik wirkliche Emotionen machen. Haben sie Hifi-Ambitionen, so landen sie für wenige Komponenten schnell in einem fünfstelligen Bereich der finanziellen Aufwendungen - und halten dennoch strikt zu Stereo. Ihnen wohnt, generalisierend gesprochen, die Philosophie inne, dass ein hochwertiges Paar Lautsprecher eine räumliche Auflösung im Zentimeter-Maß erlaubt und für die realistische Darstellung von Musik völlig ausreichend sind. Als Zuhörer ist man der Musik zugewandt, sie kommt also von vorne und skurrile Raumexperimente mit Beschallung von hinten ist Unfug. Darin steckt mehr als ein Körnchen Wahrheit, denn auch im Konzertsaal erleben wir das Orchester aus ebendieser Perspektive. In diesem Milieu, dem in akustischen Belangen sehr wohl zahlungswilligen, fehlt also eine große Unterstützung für Mehrkanalmedien. Nicht zuletzt sind fünf Lautsprecher vom Schlage einer ausgewachsen Hifi-Box auch einfach zu teuer.
- Die Filmklientel ist mit Mehrkanal aufgewachsen und aus ihren Heimkinos ist es kaum noch wegzudenken. Hier werden zum Teil ebenfalls unglaubliche Summen in Bild- und Tonwiedergabegeräte gesteckt, doch die Ansprüche an ein gutes Sourround-System zum Filmschauen sind mit denen der Musikwiedergabe kaum vergleichbar. All-in-One-Lösungen im Heimkinobereich sorgen vor allem für Effekt- und Bassgewalt und nicht für akkurate, feinsinnige musikalische Abbildung. Die Filmeschauer haben also ebenfalls keine Affinität zu extrem hoch aufgelöster Mehrkanalmusik.
- Das Pop-Publikum ist zumeist weder bereit, besonders viel Geld in eine Audio-Wiedergabe zu investieren, noch hat es ein Interesse daran, aus den oberflächlichen Mainstream-Songs die letzten 5% Klangverbesserung zu holen. Diese Gruppe ist häufig eng verbandelt mit der Filmklientel, aber die Aufgabe der Musikwiedergabe erledigt meist eine preiswerte Komplettanlage ohne Um- oder Aufrüstmöglichkeiten.
- Die großen Plattenfirmen waren bisher mit ihrer Marketingpolitik mehr als abwartend, was Investitionen in die Formate SACD von DVD-Audio anbetrifft. Die mangelhafte Ausstattung mit Abspielgeräten bedingt die geringe Medienzahl und umgekehrt. Auch ist durch die zusätzliche Mischung und Produktion eine SACD noch ein wenig teurer als die zugehörige CD. Vor allem ist es aber die mangelnde Kompatibilität mit Massenphänomenen, die den großen Durchbruch verhindert hat. Eine DVD-Audio kann man nur als Audiomedium vermarkten und eine SACD kann auch nichts anderes als wunderbar Musik spielen. Die Nachfolger der DVD haben durch die Kopplung von Video und Audio in Perfektion deutlich höhere Chancen, doch dies ist gänzlich anderes Thema.

Die Nische der potentiellen Konsumenten ist also klein, dennoch gibt es sie und sie sind vor allem an der Grenze zwischen Hifi- und Filmklientel zu finden. Die meisten SACD-Titel erschienen im Bereich Klassik (aktueller Stand: rund 2600 Titel) und Jazz (rund 900 Titel). Die Filmmusik könnte eine solche Klientel sein, doch hier ist die Anzahl der Medien wie zu erwarten noch deutlich geringer: die verlässliche Quelle http://www.sa-cd.net listet genau 71 SuperAudioCDs im Bereich Soundtrack, wovon ein großer Teil auf verschiedenste Sampler (zum Beispiel Erich Kunzel) entfällt. Dennoch gibt es ein knappes Dutzend Scheiben, die es wert sind genauer betrachtet zu werden:

# Yo Yo Ma plays the music of John Williams

Beginnen wir mit einer Scheibe, die nur am Rande mit Filmmusik zu tun hat. Auf dem Sampler “Yo Yo Ma plays the music of John Williams” finden sich nämlich anders als auf dem Morricone-Pendant keine Adaptionen bekannter Scores für Orchester und Cello, sondern klassische Kompositionen des Maestros für Solo-Cello und Sinfonieorchester. Neben dem expressiven viersätzigen “Concerto for Cello and Orchestra von 1993” enthält die SACD drei Stücke für Solo-Cello, die den klangvollen Korpus des Instrumentes und die Fähigkeiten des Solisten hervorheben, und zwei orchestrale Fantasien. Die erste basiert auf einem Nebenthema aus “Seven Years In Tibet” und bietet somit am ehesten Filmmusikalisches, das zweite ist übertitelt mit “Heartwood” und kann mit seinen programmatischen Referenzen an ein Bildband über Bäume ist einer Linie mit seinem Werk für Violine und Orchester “Treesong” gesehen werden. Auch musikalisch bieten die stimmungsvollen, mit expressiven Ausbrüchen durchsetzten und größtenteils impressionistisch bis modern daherkommenden Stücke vergleichbares: Orchestrationskunst auf hohem Niveau und ein grandioses Gespür für die Klangfarben des Soloinstrumentes und die Spielweise des Virtuosen.
Die SACD bietet die von einem Orchester aus Los Angeles gespielten und von Williams dirigierten Werke in einer Stereo- und einer Multikanalspur, leider wurde auf einen CD-Layer verzichtet. Mit einem herkömmlichen CD-Player kann man also - im Gegensatz zu fast allen anderen SACDs - nichts anfangen und ein spezialisiertes Wiedergabegerät ist notwendig. Dann jedoch entdeckt man einen wunderbar räumlichen und klaren Mix der Instrumente, dem vor allem die zusätzliche Centerbox zu Gute kommt. Wunderbar gestaffelt und mit realistischer räumlicher Tiefe, jedoch immer mit dem Fokus auf die Nähe zum Solisten kommt echte Konzertatmosphäre auf. Wie bei klassischen Aufnahmen üblich, werden die rückwärtigen Kanäle nur sparsam benutzt, um durch einen Schallreflexionseffekt die Größe des Aufnahmeraumes zu simulieren. Das schafft der Mix großartig, im direkten Vergleich mit der Stereospur hören wir zwar keine neuen Instrumente, doch haben sie mit einem Schlag eine wie festgemeißelte Position im Raum.

Klangwertung: 8 von 10

# The Film Music of Jerry Goldsmith

Das amerikanische Label telarc produzierte einen weiteren Sampler, dieses mal mit Musik von Jerry Goldsmith. Der Komponist stellte höchst selbst mit dem London Symphony Orchestra eine Auswahl zusammen, die nicht so alltäglich ist. Neben Klassikern wie “Chinatown”, “Star Trek” oder “The Wind and The Lion” kommen auch selten gespielte Stücke wie “Papillon”, “Rudy”, “Forever Young” oder “Brazil” zu gehör. Zusätzlich bietet Goldsmith noch ein Medley aus seinen Themen für Fernsehserien wie “The Waltons” oder “The Man from U.N.C.L.E.” zum besten - der Repertoirewert dieses Samplers ist also entsprechend hoch.
Hört man die CD-Spur, so erleidet man wie bei vielen Neuaufnahmen Goldsmith’ schnell Schiffbruch. Die extrem hallige Abmischung, die schon bei North-Neueinspielungen für Verstimmung sorgte, legt sich auch hier wie ein Schleier über die musikalischen Details. So macht Filmmusik keinen Spaß und das Medium CD bietet eindeutig mehr. Glücklicherweise wurde aber für die Mehrkanalspur eine komplett neue Mischung angefertigt, die die Instrumente deutlich näher an den Zuhörer rückt. So entsteht nicht nur der Eindruck von einer riesigen Aufnahmehalle, in der ein einzelnes Mikrophon in 30 Metern Entfernung zum gesamten Orchester steht, sondern ein realistisches, räumliches Klangbild, dass genug innere Differenzierung des Orchesters erkennen lässt. Dynamik und Feinstauflösung sind zwar noch immer weit von der Referenzqualität entfernt, von telarc ist man noch knackigere Mixes gewohnt, doch füllt sich der Hörraum mit höchst angenehmen, vor allem weichem und rundem Klang. Im Vorteil sind hier eindeutig die bissigeren, kraftvolleren Stücke wie “Air Force One” oder Teile von “The Sand Pebbles”, bei streicherseligen Cues wie “Rudy” oder zum Teil auch “Star Trek The Motion Picture” gelingt die Akzentuierung nicht so präzise. Einen direkten Vergleich der Stereo- und Mehrkanalspur anzustellen, ist bei dieser Scheibe leider nicht aussagekräftig, weil die unterschiedliche Konzeption der Mischung einen uneinholbaren Vorteil für Multichannel bietet. Ein künstlicher Downmix der Mehrkanalspur auf Stereo im Verstärker veranschaulicht aber auch hier den Zugewinn an Räumlichkeit.

Klangwertung: 6 von 10

# The Adventures Of Mark Twain (Max Steiner)

Eine der letzten Produktionen des erfolgreichen Teams Morgan/Stromberg vor der langen Schaffenspause war die Neueinspielung der Filmmusik zu “The Adventures Of Mark Twain” von Max Steiner. Die Amerikaner mit dem Moskauer Orchester waren gerade vom Naxos-Sublabel Marco Polo auf das Mutterlabel umgezogen und somit profitierte die Veröffentlichung der Musik erstens von der Preispolitik von Naxos und von dem Geist des Labels, das so gut wie jeder Veröffentlichung sowohl das SACD- als auch das DVD-Audio-Medium neben der CD zur Verfügung stellte. Zum Niedrigpreis erhielt der Filmmusikfan also ein Spitzenprodukt; leider hat sich diese Taktik nicht bis zum Release von “The Sea Hawk” von Korngold fortgesetzt.
“The Adventures Of Mark Twain” war die zweite Mehrkanalproduktion vom Marco Polo Team nach “The Adventures Of Robin Hood” von Korngold und die Qualität der Mischung konnte deutlich gesteigert werden. Wirkte die Mehrkanalspur vom Korngold noch wie ein guter Upmix von Stereo auf fünf Kanäle, steigerten die russischen Toningenieure die Perfektion im Hinblick auf Klarheit, Positionierung der Instrumente und Gesamteindruck für den Nachfolger deutlich. So kommt es, dass die Scheibe von 2003 noch immer eine der am besten produzierten Filmmusikpräsentationen ist und beispielhaft für füllige, süffige und warme Klänge steht. Die spielerische, ausschweifende und mit vielen symphatischen Details gespickte Partitur ist sehr direkt gemischt, die häufige solistische Führung von Klarinette, Oboe, Cello, Englisch Horn oder Fagott wurde prominent auf den Center gesetzt. Das Orchester ist nicht auf äußerste Transparenz getrimmt, sondern auf einen wohligen und großen Gesamtklang mit epischer Räumlichkeit. Die rückwärtigen Kanäle kommen dabei deutlich stärker zum Einsatz als bei den zuvor vorgestellten SACDs. Exemplarisch ist die Abmischung von “Sorrow”, in dem das Englisch Horn mit seinem perfekten runden Ton zentral eingefangen ist und die Streicher später wie Wogen aus dem Raum hinzukommen.

Klangwertung: 9 von 10

# Artificial Intelligence

Eine der wenigen regulären Soundtrackveröffentlichungen, die auf SACD oder DVD-Audio erschienen sind, stellt die Filmmusik zu “Artificial Intelligence” von John Williams dar. Zeitgleich mit dem normalen CD-Album brachte Warner 2001 den Albumschnitt auf einer DVD-A raus, die hochauflösenden Stereoton und Mehrkanalton enthält. Über die Zusammenstellung des Albums braucht man an dieser Stelle keine Worte verlieren, die Nachteile der CD mit der Fokussierung auf die romantischen Passagen und die Songs bis hin zum Fehlen ganzer Themen werden auch auf der DVD-Audio nicht behoben. Dennoch bleibt die Musik ein sehr spannender Eintrag in John Williams Filmographie, in dem er nicht nur sein Verhältnis zu süßlichem thematischen Material modernisierte, sondern auch geglückte Experimente mit minimalistischen und modernistischen Einschlägen präsentierte.
Der sehr stark differenzierte Orchesterapparat, den Williams an vielen Stellen einsetzt, ist geradezu eine Parademöglichkeit für hochauflösende Mehrkanalmedien, ihre Stärken auszuspielen. Schon der eröffnende Titel “The Mecha World” baut ein dynamisches und in seiner perfekten Platziertheit der Instrumente beeindruckendes Panorama auf. Die Musik verfügt über eine ausgefeilte minimalistische Klanggrundlage, die wie ein Fundament glasklar und räumlich projeziert wird, sogar das feinste Glitzern von Triangel und der monotone Rhythmus vm Xylophon geht nicht unter. Für präzise Highlights sorgen die unbarmherzig direkt abgemischten Blechbläser, die die Dynamik der normalen CD-Mischung weit toppen. Ähnliches kann man bedenkenlos für die Kontraste sagen, die im weiteren Verlauf zwischen introspektiven Streicherthemen und harschen Ausbrüchen von Holz und Geigen herrschen. Natürliche Räumlichkeit bekommt man vor allem in den ruhigen thematischen Momenten geboten, während modernere Teile vor allem mit der großartigen, einschneidenden Präzision der Instrumente glänzen. Dies kommt zum Beispiel bei “Replicas” eindeutig der emotionalen Wirkung der Musik zu Gute: das Unbehagen umschlingt einen fast völlig, ehe die Entdeckung der Repliken David und den Zuhörer bis ins Mark treffen. Das Zusammenspiel von mustergültiger Räumlichkeit und unerbittlich direkter und dynamischer Ausbrüche lassen einen die Musik von Williams in einer Weise erleben, die die CD nicht bieten kann.

Klangwertung: 9 von 10

# The Lord Of The Rings Complete Recordings

Durch die Veröffentlichungen der kompletten Musiken der „Lord Of The Rings“ Streifen als Kombination von klassischer CD und DVD-Audio ist Howard Shores Werk die wohl am weitesten verbreitete Filmmusik auf einem Mehrkanalmedium, obgleich nur wenige die enthaltene DVD zum Musikhören nutzen werden. Dabei kann man hierbei den Schritt von zwei auf fünf Kanäle schon mit einer relativ gängigen technischen Ausstattung nachvollziehen. Die DVD-Audio bietet ein identisches Programm auch als DVD-Video-Spur, die Tonmischung wurde dabei als normale dolby-digital Spur hergestellt, die minimale Klangeinschränkungen gegenüber der unkomprimierten Spur bietet.
Die CD-Veröffentlichungen von „Lord Of The Rings“ galten in ihrer ursprünglichen Form als eher schlechtes Beispiel für die Klarheit und Präzision der Abbildung der Instrumente. Ein künstlicher Halleffekt legte sich über die Aufnahme, um den epischen Gestus zu unterstreichen. Mit den Complete Recordings wurde dies korrigiert, denn auch der Komponist war damit nicht hundertprozentig glücklich. Davon profitieren natürlich in gleicher Weise die Mehrkanalmischungen, denn sie erlauben es, aus dem künstlichen Raumeffekt der Stereospur einen eindrucksvoll-realistischen zu machen und dabei die zugewonnene Direktheit und Klarheit nicht aufzugeben. So sind die drei Scheiben zu den Filmen Paradebeispiele dafür, wie man eine überbordend-bombastische Klangkulisse im Hörraum etabliert. Das Orchester klingt warm und rund, besonders die Streicher haben einen wunderbar warmen Nachklang auf den Rücklautsprecher. Soloinstrumente oder transparente Passagen wie „Concerning Hobbits“ klingen wunderbar knackig aus den Fronts und die vereinzelten Gesangseinlagen sind endlich durchweg verständlich. Den größten Effekt hat aber zweifellos die wuchtige und raumfüllende Mischung der Chorpassagen, die kaum fassbare Klanggewalten erzeugen. Schon im ersten Teil stellt sich beim Auftritt der Ring-Wraiths Gänsehaut-Gefühl ein, doch perfekt gelungen ist dies erst im zweiten Teil. Der eröffnende Kampf zwischen Gandalf und dem Balrog stellt ein Ausnahmebeispiel für die Wiedergabe von Chor dar, so dynamisch und riesig ist das für „The Fellowship Of The Ring“ noch nicht gelungen. Für den dritten Teil gilt ähnliches wie bei der CD: Sie war schon immer die transparenteste Mischung und stellt sich auch bei der Mehrkanalmischung an die Spitze, wenn auch mit kleineren Abständen. Das Entzünden der Leuchtfeuer lässt die Reihe der zwölf Hörner wunderbar strahlen, die Höhle Kankras wird zur unglaublich direkten Horrorerfahrung und wiederum der Chor macht das Finale am Mount Doom zum Test der Belastbarkeit der Nachbarn. Solche Epik transportiert sich in dem filmeigenen Sechskanalmix eindeutig am überzeugendsten.
So setzt „The Lord Of The Rings“ gänzlich andere Schwerpunkte in der Mischung als „A.I.“ oder gar „Alexander Nevsky“, die mit mustergültiger, fast analytischer Transparenz punkten. Die drei DVD-As vom „Herr der Ringe“ sind angefüllt mit Wucht und Klanggewalt und dies ist ebenfalls sehr gut gelungen. So gilt auch hier, dass jede Musik seine spezifisch beste Abmischungsweise hat – vom Mehrkanalformat profitieren sie aber durchweg.

Klangwertung: 8 bis 9 Punkte

# Alexander Nevsky

Ebenso wie „The Adventures Of Mark Twain“ stellt Frank Strobels Rekonstruktion der Original-Partitur von „Alexander Nevsky“ eine erstmalige Präsentation einer Musik im digitalen Format dar. Anders als bei „A.I.“ oder „The Lord Of The Rings“ waren Mischungen nicht aus dem Film vorhanden, sondern wurden nur für die Aufnahme erstellt. Für die Neueinspielung von Prokofieffs meisterhafter Musik zum Film von Sergej Eisenstein lässt sich aber ohne Einschränkung sagen, dass dies in Referenzqualität gelungen ist.
Prokofieffs Partitur zeichnet sich vor allem von einer grandiosen Ökonomie der musikalischen Mittel aus, die Orchestration ist an Stellen sparsam, die mit wenig Klangfarben auskommen und an Stellen ausladend, die dies vertragen. Nachdrückliche Klangwirkungen einzelner Elemente, zum Beispiel von gusseisernen Glocken wurden herausgestellt. Dieser Herangehensweise kam die Aufnahme und Mischung entgegen, denn mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Frank Strobel war ein ultrapräziser Klangkörper gefunden und Aufnahmeleiter Wolfram Nehls fügte dem nichts an Hall, Distanz oder Schlacke hinzu. So ist die Mehrkanalmischung auf der CD ein Musterbeispiel für Transparenz, für wohl dosiertes Volumen in der Streicherarbeit und Klangfülle für die Chorpassagen. Der hohe Aufnahmeraum der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem erscheint wie nachgebaut im Hörraum, jedes kleinste Detail hat seinen Platz im Raum und auch in Szenen hoher Komplexität behält man die Übersicht über alle Musiker und ihre Instrumente. Diese hochanalytische Abmischung ist quasi die Antithese zur weichen Klangfülle der „Herr der Ringe“ DVD-Audios, doch für diese Art Musik und für die Präsentation der Möglichkeiten des Medium ist dies ideal.

Klangwertung: 10 von 10

# The Great Train Robbery

Dass man auch mit älteren Musiken eine Mehrkanalmischung anfertigen kann, ist im Klassik- und Jazz-Bereich bekannt, in der Filmmusik aber eine echte Rarität. Vorausgesetzt, die Aufnahme liegt noch in einem Master mit hoher Kanalanzahl vor, kann eine moderne Mischung natürlich auch mit solchem Material angefertigt werden – wie im Falle von „The Great Train Robbery“ von Jerry Goldsmith geschehen. Robert Townson, Chef vom Label Varése, schreibt im Booklet darüber, dass sie 24-Track-Master der Aufnahmesessions in exzellentem Zustand entdeckt haben und somit eine knackige Mischung erstellen konnten. Bruce Botnick mischte den Score sowohl für Stereo als auch für Mehrkanal.
Die Musik ist eine schwungvolle, eingängige Abenteuermusik mit tänzerischen Streicherlinien und galanten Blecheinsätzen. Schön transparent orchestriert, zeigt sich Goldsmith von einer leichten Seite und beweist, dass er auch solche Scores absolut angemessen orchestrieren konnte. Die Musik verfügt aber dadurch über wenige große Pomp-Passagen, die die Vorteile von Differenzierung und Räumlichkeit exemplarisch nahe bringen können. Vielmehr sind die Vorteile gegenüber der Stereomischung subtil und die Nachteile beider Varianten (etwas zurückhaltende Dynamik) in dem Alter der Bänder zu suchen. Obwohl über die rückwärtigen Kanäle durchaus recht viel an klanglicher Information kommt, bleibt der Zugewinn dennoch im Rahmen der leicht gesteigerten Räumlichkeit und der etwas besseren Höhendarstellung der Holzbläser. Am augenscheinlichsten ist der Zugewinn an den Enden von lauten Tracks, wenn der realistische Nachhall das Feeling der Aufnahmeräumlichkeit widerspiegelt. Alles in allem eine schöne Veröffentlichung mit subtilen Klanggewinnen. Der wirtschaftliche Erfolg dieses Experimentes war aber bescheiden, sodass Varése in der Folge von weiteren Veröffentlichungen auf SACD absah.

Klangwertung: 5 von 10

Zusammenfassung

Welchen Schluss kann man nach all diesen Erfahrungen ziehen? Müssen wir unsere Hörgewohnheiten umstellen oder lohnt es sich kaum? Macht die Plattenindustrie etwas falsch oder entscheidet sich der Konsument nur für das bequemste? Es stellt sich letztendlich doch entspannter dar, als es den Anschein hat. An der CD wird auch über Jahre keine Musikveröffentlichung vorbeikommen und somit kommt der Filmmusikfan auch an der CD nicht vorbei. Gutes Stereo bleibt also das Maß der Dinge und es gibt auch wahrlich schlechtere Szenarien für die Zukunft. Doch wenn Filmmusikfans eines gewohnt sind, dann ist es sich in einer musikalischen Nische zu arrangieren – CDs zu kaufen, die nur 3000 mal auf der Welt existieren, verstaubte Monobänder aus den 30er Jahren als einzige Quelle zu akzeptieren und kuriose virtuelle Wege über Japan oder die USA zu beschreiten, um an eine begehrte Musik zu gelangen. Dagegen nimmt sich doch die Nische der SACDs oder DVD-As sehr angenehm aus und die Vorteile der Medien sind für kaum eine andere Musikrichtung so unmittelbar einsichtig wie für die mehrkanalig produzierte Filmmusik. Sie erwacht in den wenigen Veröffentlichungen, die es bereits gibt, zu neuem Leben und könnte wiederum mithelfen, einen Standard der Musikwiedergabe zu prägen.

Doch letzten Endes ist nur eine Sache wichtig, diese hat weder mit Technik noch mit Medien oder Konsum zu tun. Auf einer der gelegentlich stattfindenden Hifi-Messen erlebte ich eine Vorführung einer sündhaft teureren Stereoanlage im fast sechsstelligen Bereich. Nachdem der Vorführer ein Stück abgespielt hatte und die Zuhörer zu Wortmeldungen aufforderte, meldete sich ein älterer Herr und sagte nur „Gute Musik!“. Für den Vorführer war es das beste Kompliment, das er kriegen konnte. Alle Geräte, Techniken und Philosophien sollten nur eins im Auge behalten: den Spaß an der Musik aufrecht zu erhalten und nicht in den Hintergrund rücken, dass es Noten, Musiker und Komponisten sind, die uns begeistern und keine Transistoren, Membranen oder Abtastlaser. Wenn es ein Medium schafft, diese Faszination ein Stück weit zu nähren, dann ist es ein nützliches Medium. In diesem Sinne: Viel Spaß mit der Filmmusik!

Jan Zwilling / 16.12.07