Kritiken
True Women (Bruce Broughton)
Intrada / 1997
Bewertung:

1997 begab sich Komponist Bruce Broughton einmal mehr in das Genre des Westerns, für das er schon Jahre zuvor mit “Silverado” und “Tombstone” bemerkenswerte Musiken geschrieben hatte. Er vertonte den TV-Film “True Women” von Regisseurin Karen Arthur, in dem während des amerikanischen Bürgerkrieges mehrere Kriegswitwen den Weg nach Texas einschlagen, um sich von den Wirren des Krieges in Sicherheit zu bringen. Die Besetzung wurde angeführt von Angelina Jolie, an ihrer Seite spielen noch Rachael Leigh Cook und Michael York. Die recht aufwändige 170-Minuten-Produktion stieß aber auf sehr geteiltes Echo und für Bruce Broughton scheint der Weg in die Welt der Fernsehfilme schon hier im vollen Gange zu sein (ein Jahr später komponierte er seinen vorerst letzten Kinoscore - “Lost In Space").
Broughton jedoch scheint mit demselben Eifer an geringer budgetierte und ambitionierte Streifen zu gehen wie an Kinoproduktionen, wie er auch höchst selbst zum Ausdruck bringt. “True Women” bietet eine großformatige, geschmeidig gearbeitete und einprägsame Americana-Untermalung, die zwar von großen Würfen wie den oben genannten ein Stück entfernt ist, aber durchaus deutlich über dem Durchschnitt rangiert. Ähnlichkeiten zu seiner Arbeit zu “Tombstone” lassen sich durchaus erkennen.
Kernstück ist ein langsames, elegisches Thema, das Broughton an vielen Stellen breit ausschwingen lässt. Es ist von einprägsamem Abenteuerfeeling geprägt und wird meist von vollem Streicheraufgebot plus Blechunterstützung dargeboten. Die thematische Arbeit ist routiniert, ebenso wie die orchestratorische Umsetzung. Gelegenheit zu feinsinnigen Klangspielereien, mit denen Broughton sonst gerne seine Scores durchzieht, gibt es hier nur an einigen Stellen, zum Beispiel dem Einwurf des Klaviers und der Harfe im ersten Titel oder dem fast zwitschernden Einsatz des Holzes.
Ebenso wie in “Tombstone” bietet “True Women” natürlich auch dramatischere Momente, in dem Broughton ein Actionmotiv mit dem großen Orchester gekonnt aufmarschieren lässt. Schweres Blech und stampfende Percussion gehören aber auch hier eher zum Standard als dass sie viel Neues bieten. Allerdings gelingt die Verbindung mit dem Hauptthema häufig recht geschickt, so dass die Musik insgesamt einen sehr flüssigen Eindruck macht. Ebenso sind kleinere Nebenthemen eingewoben, häufig in den Streichern.
Zusätzliches Element der Musik ist die behutsame Mischung der Sinfonik mit Gitarren und Violinen im Stile der Bluegrass-Musik der Südstaaten. Die Mischung aus Country und Soul kam schon in “O’ Brother Where Art Thou?” oder “Cold Mountain” zu Gehör, bietet hier aber weniger ein authentisches Zeitbild als stimmiges, dekoratives Element im Gesamtbild. Die Themen werden dabei von der Violine aufgenommen, so dass nie der Eindruck von separater Source-Musik entsteht.
Fazit: Die Bewertung ist nicht einfach, Broughton komponierte für “True Women” einen sehr routinierten Score ohne Besonderheiten, die ihn von anderen Arbeiten wirklich abheben würden - das alles aber auf einem sehr reifen technischen Niveau. Ich halte 3,5 Sterne für angemessen, auch wenn er letztendlich einer der am saubersten gearbeiteten Musiken auf diesem Wertungsniveau sein dürfte.
Jan Titel / 10.05.07
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