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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

True Grit (Carter Burwell)

Nonesuch / 2010

CD

Bewertung:


    01. The Wicked Flee (02:34)
    02. Father's Gun (02:57)
    03. Little Blackie (01:05)
    04. Your Headstrong Ways (01:22)
    05. A Great Adventure (01:56)
    06. River Crossing (01:33)
    07. We Don't Need Him Do We? (00:30)
    08. The Hanging Man (00:55)
    09. A Methodist and a Son of a Bitch (00:49)
    10. Talking to Horses (01:20)
    11. A Turkey Shoot (03:00)
    12. Talk About Suffering (00:35)
    13. La Boeuf Takes Leave (02:44)
    14. Taken Hostage (02:00)
    15. One Against Four (01:37)
    16. The Snake Pit (03:15)
    17. Ride to Death (02:28)
    18. I Will Carry You (01:58)
    19. A Quarter Century (01:23)
    20. The Grave (00:59)

    TT: 35 min

Als Filmmusikenthusiast kann man sich über die Oscar-Verleihungen häufig nur noch aufregen. Nicht nur, dass die zugänglicheren Werke gegenüber den ausgefalleneren und kreativen Partituren konsequent bevorzugt werden, nein, einige unsinnige Regelungen verhinden schon, dass manche meisterliche Scores überhaupt nominiert werden. So auch geschehen mit Carter Burwells Musik zu dem Coen-Brothers-Western „True Grit“. Burwell hatte für seine Musik einige amerikanische Kirchenlieder, die im 19. Jahrhundert sich großer Beliebtheit erfreuten und auch der Protagonistin Mattie Ross bekannt gewesen sein dürften, als Grundlage für seine Partitur verwendet. Dies war für die Academy Grund genug, eine Nominierung abzulehnen. Dies scheint absurd, da gleichzeitig viel zu häufig Musiken nominiert werden, die sich mitunter sehr deutlich bei existenten Werken bedienen – und es nur nicht zugeben.  Solch inkonsistente Kriterien kann man im vorliegenden Fall nur als ungerecht empfinden, denn Burwells Score ist eine der besten Leistungen in seiner Karriere. Die Kirchenlieder liefern dabei den sehr klangschönen Rahmen für ausgeklügelte Leitmotivik.
Der Film, ein Remake des gleichnamigen John Wayne-Westerns, dreht sich um die 14jährige Mattie Ross, die den versoffenen US-Marshall Rooster Cogburn anheuert, um den Mörder ihres Vaters seiner gerechten Strafe zuzuführen. Mattie wird als gläubige Katholikin, aber auch als cleveres und freches Mädchen mit „headstrong ways“ (so der Name eines Titels, frei übersetzt in etwa so etwas wie dickköpfig oder stur) charakterisiert, wofür sich die bereits erwähnten Kirchenlieder hervorragend eignen.
In der ersten Filmhälfte ist das ganze sehr transparent für eine kammermusikalische Besetzung komponiert. Klavier, Holzbläser und Streicher sorgen für sehr warme Klangfarben, Blechbläser glänzen bis auf wenige Ausnahmen durch Abwesenheit und kommen erst wieder zum Zuge, sobald es für Mattie Ross und ihre angeheuerten Marshalls richtig abenteuerlich zugeht. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Titel „River Crossing“, wo Burwell die Bläser mit heroisch-optimistischem Gestus einsetzt und damit den Aufbruch der ungleichen Protagonisten in ein großes Abenteuer unterstreicht.
Immer bedrohlichere und düstere Klänge bestimmen dann später mehr und mehr den Gesamteindruck, basieren dabei aber komplett auf den bereits etablierten Melodien der klassischen Kirchenlieder. Die Bandbreite an musikalischen Variationen gehört hier zur den überzeugendsten im gesamten Werk des Coen-Stammkomponisten. Brillant zum Beispiel die starken Kontraste im Hauptmotiv im Track „One against Four“, wo die Waldhörner mit einem eruptiven Fortissimo beginnen und wenig später die selbe Melodie auf dem Klavier fragil und zerbrechlich daher kommt,. Ein weiteres Beispiel ist, wenn die charakteristischen Töne von „Lean on your everlasting Arms“, welches als das Hauptmotiv des Scores fungiert, in leicht dissonanten Akkorden für extrem hohe Streicher gesetzt sind und sich wie aus einem Suspense-Score anhören anstatt nach einem Gospelsong.
Fazit: „True Grits“ Filmmusik ist eine äußerst gelungene Partitur, die das Können Ihres Komponisten deutlich herausstellt – und das trotz des Rückgriffs auf „fremde“ Musiken.

Jan Boltze / 24.10.11

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