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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Village (James Newton Howard)

Hollywood / 2004

CD

Bewertung:


    01. Noah Visits (2:35)
    02. What Are You Asking Me? (6:01)
    03. The Bad Color (3:57)
    04. Those We Dont Speak Of (3:59)
    05. Will You Help Me? (2:34)
    06. I Cannot See His Color (1:31)
    07. Rituals (2:01)
    08. The Gravel Road (4:31)
    09. Race to Resting Rock (1:16)
    10. The Forbidden Line (2:17)
    11. The Vote (6:03)
    12. It Is Not Real (3:36)
    13. The Shed Not to be Used (2:03)

    TT: 42 min

James Newton Howard gehört zu der in den letzen Jahren klein gewordenen Gruppe an Komponisten in Hollywood, die zuverlässig und mit einigen frischen Ideen einen Großteil ihrer Projekte vertonen, auch wenn es um ihn kürzlich deutlich ruhiger wurde. Während der Blick in die Zukunft aufgrund wenig viel versprechender Newcomer (Badelt, Tyler, zum Teil auch Powell) und einigen Stagnation bei vielen Größen des Geschäfts (Horner, Silvestri, Zimmer), zusammen mit dem Tode echter Legenden (Raksin, Goldsmith, Bernstein, Poledouris) nur zögerlichen Optimismus erlaubt, hat Howard eine respektable Zahl an grundsoliden, inspirierten und sauber gearbeiteten Musiken komponiert. Dabei erfand er zwar selten das Rad neu und mit einem Geniestreich ist auch nicht zu rechnen, doch über dem Durchschnitt landet er mit seinen Scores immer wieder.

Neben den vier Musiken für Kinderfilme (von “Dinosaur” bis “Peter Pan") ist der Zyklus für die Filme von Regisseur M. Night Shyamalan eine der fruchtbarsten Fundgruben für den Kalifornier in den letzten Jahren. Im gelang es, die nun fünf Filme mit individuellen (und doch stimmungsmäßig verwandten), kreativen und interessant auskomponierten Scores zu bestücken – was für „Lady in the Water“ leider am wenigsten für alle gilt. Nach dem kammermusikalisch-sakralen Auftakt mit “The Sixth Sense”, dem kühlen, dramatischen-modernen “Unbreakable” und dem herrmannesk-aufreibendem “Signs”, entwarf Howard für “The Village” eine vielschichtige, verträumt-idyllische Partitur, die ihren Reiz vor allem aus einer melancholisch-mystischen Grundstimmung zieht.
Kern der Musik sind drei Elemente: erstens die streicherbetonte Besetzung der Hollywood Studio Symphony, die Howard sehr geschickt und durch vielfache Aufteilung der Streicherstimmen auch vielschichtig nutzt. Unterstützend hört man vor allem klingende Percussion wie Triangel, Glockenspiele sowie Klavier, Harfe und (Block-)flöten. Zweitens weiß Howard an einigen Stellen den Synthesizer (ähnlich wie bei “Snow Falling on Cedars") dezent, aber sehr wirkungsvoll als Klangfarbe mit einzusetzen. Und last but not least ist mit der Violinenvirtuosen Hilary Hahn eine prominente Interpretin mit an Bord, die dem eigentlichen musikalischen Mittelpunkt, den ausgiebigen Violinensoli, Leben einhaucht.

Howard konzipierte die Musik um die schimmernden, zarten und introvertieren melodischen Linien der Geige, deren Parts von andächtigen, elegischen Bögen bis zu fast konzertanten Ostinatieinsätzen reichen. Am ehesten vielleicht vergleichbar mit Ralph Vaughan Williams “A Lark Ascending” agiert die Violine als Keimzelle für sowohl die Klangfarben als auch für die Themen. Bereits zu Beginn ("Noah Visits") stellt Howard eins der Hauptthemen an der Violine vor, ein vorsichtiges, melancholisch-zartes Motiv - von Streichern umspielt und später übergehend in ein wandlungsfähigs Mystery-Motiv. Die Violine wechselt dabei sehr organisch von Melodie- in Begleitungsstimme.
Das prägnanteste Thema wird im zweiten Track vorgestellt. Es ist eine deutlich stärker romantisch angelegte, melodisch einfache Figur, die aber auch wegen der ständig wechselnden Orchestration und einfallsreichen Variationen (besonders eindrucksvoll in “The Gravel Road") von einigem Reiz ist. Es tritt häufig in Verbindung mit einer Klavierbegleitung auf und steht sinnbildlich für den schönen, homogenen Fluss der Musik.

Die obligatorischen düsteren Momente der Musik, wenn im Film auf die Horrorschiene gewechselt wird, spielen im Konzept sowohl was die Laufzeit als auch was den Grundtenor der Musik angeht eine untergeordnete Rolle. Thematischen Bezug gibt es nur im “Mystery-Thema”. Viel dumpfes Schlagwerk, dramatisch grummelndes Blech und dezenter Klang und Rhythmus vom Synthesizer geben auch hier ein ordentliches, wenn auch über Standards nicht hinausgehendes Bild ab.

Fazit: Auch mit “The Village” bewegt sich James Newton Howard nicht auf grundsätzlich neuem Terrain, beweist aber mit einer einfallsreichen, gut gearbeiteten Partitur, dass er zu den verlässlichsten Komponisten derzeit zählt. Für Liebhaber seiner vorherigen Shyamalan-Scores oder von “Schnee der auf Zedern fällt” gibt es also Einiges zu entdecken, für Hörer, die eher den opulenter auskomponierten Howard von “Wyatt Earp” bis “Atlantis” mögen, ist dieser Score dementsprechend weniger zu empfehlen.

Jan Titel / 07.02.07

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