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Kritiken

The Three Burials of Melquiades Estrada (Marco Beltrami)

Recall Music / 2006

CD

Bewertung:


    01. Three burials of Melquiades (02:03)
    02. Cinco años (01:18)
    03. Fair to Midland (03:25)
    04. Leaving Town (02:20)
    05. Mike runs off (03:59)
    06. I wonder who'll turn out the light (02:58)
    07. Gift horse (01:59)
    08. Can't keep it up (02:49)
    09. The cheatin' hotel (05:11)
    10. Entering town (01:16)
    11. Fleeing illegals (01:18)
    12. This could be the one (02:48)
    13. Horse of death (01:35)
    14. Pete confronts sheriff (01:17)
    15. Stalking Mike (01:31)
    16. Workin' man blues (02:42)
    17. Shoot me (01:33)
    18. House building (01:12)
    19. Before the next teardrop falls (02:32)
    20. No Jimenez (02:21)
    21. Forgiveness (02:04)
    22. Goodbye (02:45)
    23. You can't rollerskate in a buffalo hero (01:54)

    TT: 53 min

Tommy Lee Jones ist als Schauspieler seit langer Zeit bekannt und hochgeschätzt. Auch einen Oscar hat er schon zu Hause stehen, für seine Rolle des U.S. Marshals in „Auf der Flucht“. Nun hat er sich auch an der Regie eines Kinofilms versucht, nachdem er vor 10 Jahren schon mal einen Western fürs Fernsehen inszeniert hatte. Mit amerikanischem und französischem Geld hat Jones „The Three Burials of Melquiades Estrada“ gedreht, einem modernen Western, der ohne Pathos und Selbstironie reale Konflikte im amerikanisch-mexikanischen Grenzland aufzeigt. In Cannes gab es für das vielschichtige, raue Drama Preise für Darsteller (Jones) und Drehbuch (Guillermo Arriaga)

Für die Musik wurde Marco Beltrami engagiert. Mit seinem mit Elementen der Popmusik angereicherten Kompositionsstil war das keine schlechte Wahl, um die Klischees von Westernmusik zu umschiffen. Jones und Beltrami reduzierten ihre Stilmittel auf das absolut notwendige und so entstand eine ökonomische, faszinierende Musik, die nach Western klingt, es aber irgendwie doch nicht voll und ganz ist. Ein ungewöhnlich besetztes Kammermusikensemble und dezent eingewobene Synthie-Elemente sind die Zutaten des Scores. Hauptsächlich besteht die Besetzung aber aus diversen Zupfinstrumenten, vor allem natürlich alle möglichen Gitarren, sowohl elektrische als auch exotischere Modelle wie das Guitarròn. Auch ein Akkordeon ist mit am Start und dazu ein kleines Streicherensemble. In den etwas dynamischer-flotten Momenten kommt einiges an Percussion noch zusätzlich zum Zuge. In diesen Momenten erinnert „Three Burials“ sogar ein wenig an „I, Robot“ obwohl dort natürlich elektronische Momente deutlich mehr zum Tragen kommen.

Der Gesamteindruck des Scores ist aber eher subtil angelegt. Vor allem die Melodien sind bis auf wenige Ausnahmen wie zum Beispiel im Track „Gift Horse“ eher kleinteilig-motivisch ausgeführt und geben der Musik damit in der Regel einen eher zurückhaltenden Ton. Neben dem Thema für Streicher und Akkordeon aus „Gift Horse“ kommt vor allem ein 6-töniges Motiv zum Tragen, das rhythmisch in drei 2er-Gruppen zerlegt ist, die meistens auf den Gitarren zum Besten gegeben werden. Die motivische Arbeit ist nicht übermäßig komplex, der Umgang mit den Klangfarben steht in diesem Score deutlich mehr im Vordergrund und macht aus dem Soundtrack-Album eine interessante Hörangelegenheit. Denn was im Film sporadisch die Handlung nochmals bodenständiger, ursprünglicher macht, ist auf CD ein konsequentes, fast fragmentarisches Stimmungsbild. Konzeptionell ist damit durchaus auch eine gewisse Nähe zu „Flight of the Phoenix“ vorhanden, wenn auch „Three Burials“ noch einen Tick ausgefeilter im Detail wirkt.

Die CD des kleinen Labels Recall Music wird von Sony vertrieben und ist hierzulande nur zu überhöhten Preisen zu erhalten. Es macht Sinn, über Zweitquellen wie ebay oder den amazon-Marketplace sein Glück zu versuchen. Belohnt wird man mit einer halben Stunde Score und einigen Songs, die den traditionell-introspektiven Ton der Musik aufnehmen. Man sollte sie vielleicht durch Programmieren an das Ende der CD setzen.

Fazit: Beltrami zeigt einmal mehr, dass er einer der interessanteren Komponisten der jungen Garde Hollywoods ist. Sein Score umschifft elegant alle Klischeefallen und wirkt dadurch originell und frisch.

Jan Boltze / 08.02.07

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