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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Ring (Hans Zimmer)

Decca / 2005

CD

Bewertung:


    01. The Well (11:24)
    02. Before you die you see the Ring (07:09)
    03. This is going to hurt (02:47)
    04. Burning Tree (10:13)
    05. Not your Mommy (03:59)
    06. Shelter Mountain (04:10)
    07. The Ferry (03:15)
    08. I'll follow your Voice (06:28)
    Bonus:
    09. She never sleeps (02:17)
    10. Let the Dead get in (03:59)
    11. Seven Days (03:24)
    12. Television (04:00)

    TT: 63 min

Im Jahr 2002 untermalte Hans Zimmer unter Mithilfe seiner Media Ventures Kollegen Martin Tillman, Henning Lohner und Jim Dooley den Horrorthriller “The Ring”, einem Remake des japanischen Kultstreifens „Ringu“. Die Geschichte um die späte (und kreative) Rache eines ermordeten jungen Mädchens reihte effektvoll gängige Genrestandards aneinander, bot aber neben der recht gelungenen Atmosphäre und einer nicht abzusprechenden Spannung kaum Anlass für eine besonders einfallsreiche Scorekomposition. Gerade die generischen Horrorfilme der letzten Jahre konnten selten mit ideenreichen Vertonungen glänzen und der Name Zimmer war dafür auch im Vorfeld nicht gerade berühmt. Dennoch erwies sich der musikalische Beitrag des Quartetts als überraschend wenig effektheischerisch und ziemlich interessant. Da der erste Film nur sehr sparsam Musik enthielt, blieb der Score unveröffentlicht - bis er vor kurzem zusammen mit dem Score zum zweiten Teil von Decca herausgebracht wurde.

Das Konzept zum ersten Film war recht einfach, aber effektvoll. Grundlage bildeten ein sehr kleines Orchester, das zum Teil fast auf Streichquartettgröße schrumpft, und expressive Soli vom Cello. Ergänzt mit Einschüben von Klavier, Glockenspiel, gelegentlichen großen Orchesterpassagen und Klangsynthetik, erwies sich “The Ring” als aufreibende, zum Teil formstrenge und rhythmisch spannende Partitur. Das Cello zeigt sich dabei - interpretiert von Martin Tillman und Anthony Pleeth - vor allem auch im rhythmisch-treibenden Spiel sehr eindrucksvoll, häufige Arpeggien und fast minimalistische Wiederholungen von Motivsplittern erinnern von der erzeugten Klangfarbe eher an die rauhen, ruppigen “Apocalyptica” Interpretationen als an den warmen Wohlklang Yo Yo Mas in “Seven Years In Tibet” oder “Tiger & Dragon”.
Daneben hört man meist ein verhaltenes, streicherbetontes Suspensespiel, in dem thematisch vor allem ein kurzes, spieluhrhaftes Thema für das Mädchen heraussticht. Häufig wird es vom Klavier vorgetragen, ergänzt durch ein Glockenspiel. Reizvoll wird es in “The Well” mit Klavier und Celesta vorgestellt. Es besitzt kaum Ohrwurmqualität, wird aber im Verlauf der Musik geschickt zitiert und variiert, vor allem in den gedehnten Streicherpassagen kommt es oft zu Gehör. In diesen Stellen ist der musikalische Ansatz nun wieder sehr konventionell, aber das Ergebnis ist spürbar besser gearbeitet als vieles was sonst die zimmersche Schmiede verlässt. Auch der zuweilen deutlich spürbare synthetische Unterbau, der als Klangdesign oder Geräuschkulisse ab und zu in den Vordergrund rückt, ist organischer mit den sinfonischen Anteilen verbunden. So ergeben sich zwar hin und wieder etwas ermüdene Passagen, aber dies fällt im Gesamteindruck kaum ins Gewicht.

Für die Musik des zweiten Teils scheint es außer einer personellen keine wirklichen Änderungen gegeben zu haben. Zimmer überließ seinen beiden Lehrlingen Lohner und Tillman komplett das Feld und diese führten den Ansatz von Teil 1 konsequent weiter. Auf der CD sind die Musiken zu beiden Teilen quasi nahtlos in einander gemischt wurden, sodass Zuordnungen zu Film oder Komponist unmöglich ist. Die entstandenen acht längeren Stücke sorgen aber für einen guten Hörfluss ohne spürbaren Bruch. Das für den ersten Teil geschriebene lässt sich somit auch ohne Einschränkungen für die Musik des zweiten Teils anführen. Komplettiert wird die CD durch vier Remixes der Musik, die aufgrund des eigenartigen Albumkonzeptes und fehlender schnell erfassbarer Abgrenzung zum Score fälschlicherweise als die Musik zu Teil zwei aufgefasst werden könnten. Die Tracks sind als eine Art Techno-Easy-Listening nicht sonderlich spannend, auch wenn sie im Hintergrund Ausschnitte des Scores integrieren.

Fazit: Die Scores zu “The Ring” und “Ring Two” sind konzeptionell zu Teilen interessante und durchaus kompetent ausgeführte Horrorfilmmusiken. Sie gehören auf jeden Fall zu dem Besseren, was heutzutage die Media Ventures Räume verlässt.

Jan Zwilling / 31.01.07

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