Kritiken
The Promise (Debbie Wiseman)
Silva / 2011
Bewertung:

Vor 11 Jahren begann eine Idee in Peter Kosminskys Kopf zu keimen. Es war die Idee, aus der 2010 die Miniserie „The Promise“ entstehen sollte, eine Reise in die Vergangenheit für die junge Erin, einer britischen Studentin, die das Tagebuch ihres Großvaters entdeckt. Die Lektüre dieser Erinnerungen wird für sie wie ein Sog, dem sie nicht mehr entfliehen kann – schließlich macht sie sich auf die Suche nach den Spuren dieses Mannes, der als Soldat in Palästina stationiert war.
„The Promise“ bot eine Gelegenheit für den Autor und Regisseur, zum fünften Mal mit der Komponistin Debbie Wiseman zusammenzuarbeiten - ein Team, das bereits mit „Warriors“ aus dem Jahr 1999 überaus erfolgreich war; sowohl in filmischer, als auch in musikalischer Hinsicht. Für ihr aktuelles Projekt wählte Wiseman eine Verbindung aus fernöstlicher Musik und traditioneller Sinfonik Europas bzw. Nordamerikas. Im Umgang mit traditionellen Instrumenten Arabiens erweist sich die Klangschöpferin als gewohnt souverän. Um der Musik einen authentischen Anstrich zu verleihen, verwendete sie unter anderem eine arabische Violine, ein Duduk und ein Kaval, eine fernöstliche Blockflöte, die in Verbindung mit dem Royal Philharmonic Orchestra für eine gelungene Balance zwischen zurückhaltender Exotik und dem Klangkörper des britischen Orchesterapparates sorgt.
Auffallend ist vor allem auch der Einsatz von Perkussionsinstrumenten, die zu den Highlights des Albums gehören. Das Schlagzeug bietet komplexe Rhythmen dar und sorgt für einen angenehmen Ausgleich zwischen den fast ausnahmslos ruhigen Stücken, in denen stets ausgewählte Instrumente solistisch in den Vordergrund treten, während die Streicher dafür den ausgleichenden Hintergrund bereitstellen.
Anstatt mit einer breit ausschweifenden, langen Melodie zu arbeiten, wie man es von Debbie Wiseman in den meisten Fällen gewohnt ist, arbeitet sie hier mit mehreren kleinen Motiven und einem simplen Klavierthema, das sich in mehreren Variationen durch das Album zieht. Viele dieser Motive sind zunächst derart unscheinbar, dass es mehrere Hördurchläufe braucht, um ihrer bewusst zu werden – für den geduldigen Hörer kann es eine Entdeckungsreise werden, wie die der jungen Erin, welche die verwehten Spuren ihres Großvaters zusammensucht. Das grundlegende Problem dieses Albums ist aber weniger das Fehlen starker, prägnanter Melodien, sondern vielmehr die Gleichförmigkeit der Musik, die als 75-minütiges Adagio schnell zu ermüden droht und es schwer hat, als derart lange Filmmusik-CD ihre Berechtigung zu finden. Die Streicher des Orchesters sind hörbar unterfordert, wenn sie oft nicht mehr als einen Teppich darbieten, die gelegentlichen Ausreißer der Percussion vermögen dieses Spannungstief kaum zu heben, im Gegensatz zum dramatischen Höhepunkt der CD. Dieser ist Jeremy Avis zu verdanken, der mit einer ethnischen Gesangseinlage als männliche Vokalise mitreißend in Erscheinung tritt.
„The Promise“ ist weit davon entfernt, eine schlechte Musik zu sein, denn dafür ist der kompositorische Umgang mit arabischen Instrumenten und der ethnischen Skala zu gut gelungen, vor Allem als Balance in Verbindung mit dem europäischen Klangkörper, der für einige interessante Momente sorgt. Auf CD ist es jedoch ein enttäuschendes Erlebnis, denn um fesseln zu können ist das thematische Material zu schwach, der Soundtrack insgesamt zu abwechslungsarm und gleichförmig, um auf viel zu langen 75 Minuten für ein angenehmes Hörerlebnis zu sorgen.
Stephan Eicke / 15.03.11
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