Kritiken
The Omen (2006) (Marco Beltrami)
Varese / 2006
Bewertung:

„The Omen“ ist ein Klassiker des Horrorgenres. 1976 vom Briten Richard Donner inszeniert, war der Film zu großen Stücken wegen Jerry Goldsmiths Musik so gruselig, wie er sein sollte, da ansonst das Gefühl der Bedrohung nur von einem kleinen Jungen, der ein bisschen angestrengt böse in die Kamera guckt, ausgehen musste. Die Academy zeichnete den Score zu „The Omen“ mit dem Oscar aus, und nominierte sogar den „Song“ „Ave Satani“ in der Kategorie „Bester Song.“ Das dies Goldsmiths einziger Oscar sein sollte, den er je gewann, grenzt zwar an Blasphemie von Seiten der Academy, ändert aber nichts daran, dass die Auszeichnung sehr verdient war.
30 Jahre später hat Regisseur John Moore ein Remake des Films gedreht. Da sein letzter Film „Flight of the Phoenix“ auch ein Remake eines kleinen Filmklassikers war, scheint er sich darauf spezialisiert zu haben, alte Filme für die neue Zeit aufzupolieren. Ob das immer notwendig ist, bleibt zu hinterfragen.
Wie auch schon bei „Flight of the Phoenix“ hat John Moore wieder Marco Beltrami als Komponisten in das Projekt mit eingebracht. Keine uninteressante Wahl, denn Beltrami hat Filmmusik bei Jerry Goldsmith studiert, und musste sich jetzt hier an einem Film versuchen, für den sein Lehrer damals eine seiner erfolgreichsten Musiken geschrieben hat.
Im Booklet schreibt Beltrami, dass er nach dem Anruf von John Moore sehr aufgeregt aber auch nervös war, und sich zuerst das Gefühl bei ihm einstellte, nichts Neues zu schreiben. „If it’s not broke, don’t fix it.“ -zu deutsch ungefähr: wenn es nicht kaputt ist, brauchst du es auch nicht zu reparieren. (Ein Satz, den sich die restlichen Filmemacher allerdings nicht besonders zu Herzen genommen haben, denn eigentlich funktioniert der 76er „Omen“-Film auch heute noch ganz gut. Das einzige, was heute nicht mehr ganz zeitgemäß wirkt, ist die Tatsache, dass der Film bei den vielen Morden nicht literweise Filmblut verschüttet, wie es heutzutage leider gang und gebe ist.)
Beltrami fing dann aber doch an, sich Gedanken über eine eigenständige Arbeit zu machen, die aber darauf aufbauen sollte, was er bei Jerry Goldsmith gelernt hatte. Für Beltrami war herausragendster Aspekt von Goldsmiths „Omen“-Partitur vor allem seine „ökonomische Beschaffenheit - der 76er Score basiert nahezu vollständig auf einem 3-Noten-Motiv, was sowohl für das „Ave Satani“-Material, sowie für das romantische „Family“-Theme als Ausgangsbasis diente.
Beltramis Basis für den Score ist ein Sound, der vom Niederdrücken und anschließendem Loslassen eines Klavierpedals herrührte. Aus dieser rhythmischen Struktur entwickelt er ein Motiv aus 4 Noten, aus dem er seinen Score entwickelt. Überhaupt ist der Score sehr stark rhythmisch orientiert, dafür fehlen fast völlig die Chöre, die Goldsmith so erfolgreich in seiner Arbeit eingebunden hatte, die sich dann aber auch ein wenig zum Klischee im Horrorfilmbereich entwickelt hatten. Gelegentlich arbeitet Beltrami mit elektronisch verfremdeten Choreinlagen, die als geschickte und ungewöhnliche Zitate an die Goldsmith-Version funktionieren.
Die CD wird mit den starken „Main Titles“ eröffnet. Das von Beltrami oben geschilderte Geräusch des Klavierpedals eröffnet den Track – daraus entwickelt Beltrami eine Idee, die er zu einem mysteriösen Motiv über einer aggressiven, aber rhythmisch recht gleichförmigen Begleitung umarbeitet. Dies ist die Kernidee seines Scores, die sich in vielen Tracks in dieser Form ausmachen lässt, selbst in einigen sehr von dissonanten Momenten geprägten Cues wie „The Dogs at the Cemetery“ kann man dieses Motiv heraushören.
Trotz vielseitiger Variationen dieses Motivs tue ich mich doch ein wenig schwer damit, den Score mehr als 3,5 Sterne zu geben. Warum wird im letzten Track deutlich, in dem Marco Beltrami zusammen mit Orchestrator Bill Boston drei Cues aus dem Goldsmith-Score neu arrangiert hat. Denn Beltramis 4-Noten-Motiv ist relativ unscheinbar. Goldsmiths ökonomische Themen waren für dessen Score ungleich tragfähiger als es Beltrami mit seinem 4-Noten-Motiv gelingt, was in diesem letzten Cue einfach besonders augenfällig wird. Auch sind die düsteren Actionmomente sehr Beltrami-typisch ausgefallen und wirken deswegen nicht mehr so frisch wie in früheren Arbeiten, sondern sind nur noch auf hohem Niveau routiniert gemacht.
Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Beltramis „Omen“-Score handwerklich sehr sauber gearbeitet ist, und damit durchaus zu den Highlights des (sehr schwachen) Filmmusikjahres 2006 zählt.
Fazit: Beltrami ist eine mehr als solide Arbeit gelungen, die eigenständig daherkommt, ohne völlig auf Elemente zu verzichten, die Goldsmith so erfolgreich eingesetzt hat. Obwohl Beltramis Score nur auf hohem Niveau routiniert daherkommt, zählt er doch zu den besseren Arbeiten des Jahres 2006.
Jan Boltze / 12.02.07
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