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Kritiken

The Lost World: Jurassic Park (John Williams)

MCA / 1997

CD

Bewertung:


    01. The Lost World (03:33)
    02. The Island Prologue (05:03)
    03. Malcolm's Journey (05:43)
    04. The Hunt (03:30)
    05. The Trek (05:23)
    06. Finding Camp Jurassic (03:03)
    07. Rescuing Sarah (04:00)
    08. Hammond's Plan (04:31)
    09. The Raptors Appear (03:42)
    10. The Compys Dine (05:07)
    11. The Stegosaurus (05:20)
    12. Ludlow's Demise (04:26)
    13. Visitor In San Diego (07:37)
    14. Finale And Jurassic Park Theme (07:54)

    TT: 68 min

Als der Film “Jurassic Park” im Jahr 1993 an den Kinokassen einschlug wie eine Bombe und den bis dato unübertroffenen Betrag von 920 Mio. US-Dollar einspielte, war eine Sache klar, was heute auch für kleinere Projekte Gang und Gebe ist: es würde eine Fortsetzung geben. In der Tradition der großen Franchises der Filmgeschichte wie “Star Wars” oder “Star Trek” wurde ein zweiter Teil konzipiert, der das Geld an den Kinokassen sowie im Merchandising weiter sprudeln lassen sollte. Ein dritter Teil ist wenige Jahre später gefolgt und nun bastelt Regisseur Steven Spielberg nach eigenen Angaben an einem Script zum vierten Teil. Ob dieser realisiert wird und ob Spielberg wieder im Regiestuhl Platz nehmen wird, steht noch in den Sternen, doch in diesem Falle könnten wir uns über einen weiteren John Williams Score für “Jurassic Park” freuen.

Doch lassen wir uns beim zweiten Teil bleiben. Unter dem Titel “The Lost World: Jurassic Park” reaktivierte Spielberg einen der Hauptcharaktere des ersten Teil, den Chaostheoretiker Ian Malcolm (Jeff Goldblum), der an einer Forschungsdokumentation auf einer zweiten Insel teilnehmen soll - der Anlage B, wo die Dinosaurier ohne Zäune in natürlicher Wechselwirkung miteinander leben. Julianne Moore spielt eine der Forscher und mit Pete Postlethwaite kam der Bösewicht ins Spiel. Eine große Armada an professionellen Jägern landet auf der Insel, um im Auftrag von Hammonds Firma Dinosaurier zu fangen und sie in einem Park in San Diego auszustellen.
Der Film kommt ungleich düsterer daher als sein Vorgänger, der exzellent die Balance gehalten hat zwischen grandiosen optischen Reizen und dramatischer Action. Die Faszination, die wissenschaftliche Moral und das Abenteuerfeeling mussten zugunsten spektakulärer Actionsequenzen im Dutzend weichen. So wird das fragile Gleichgewicht der großen Tiere nur in wenigen Szenen gezeigt, die Raubsaurier können mit bedeutend mehr Leinwandpräsenz aufwarten. Eine an Godzilla erinnernde Sequenz mit dem Tyrannosaurus in San Diego ging storytechnisch eher nach hinten los. So ist der zweite Teil eine zu Teilen zwar ansehnliche, recht spannende und spektakuläre Fortsetzung geworden, doch an den ersten Teil reicht “The Lost World” lange nicht heran.

Wie sich der Blickwinkel des Films änderte, so radikal hat John Williams sein Konzept der Vertonung über den Haufen geworfen. Die großen ausladenden Themen und die teilweise fast verspielte Orchestration vieler Sequenzen bekommt man in “The Lost World” nicht zu hören, Williams verabschiedete sich sogar fast komplett von Zitaten der alten Themen. Nur an wenigen Stellen lugt das Island Theme durch die Partitur, das Main Theme des ersten Films kommt gar erst in den End Credits zu Gehör. Stattdessen entwickelte Williams eine kraftvolle, perkussive und höchst dramatische Partitur, die sich vor allem auf die düstere Action des Films konzentriert. Durch den außergewöhnlich hohen Anteil an verschiedenstem Schlagwerk erhält der Score eine stark rhythmische Grundstruktur, große melodielastige Themen sind extrem selten anzutreffen.
Kernstück ist ein neues Hauptthema, das gleich zu Beginn der Score-CD vorgstellt wird. Die Pauken geben den Grundrhythmus vor und nach uns nach erweitert Williams die rhythmische Palette geschickt mit Fagotten, Hörnern und Marimbas. Die Streicher beginnen mit der Melodie des Themas, welche sich ebenfalls stark an dem Rhythmus orientiert. Durch Wiederholung und ein stetiges Ausbauen des Orchesterapparates gewinnt das Thema an Kraft und steigert sich zu einem treibenden, spannenden und ambivalenten Stück Musik. Denn trotz der fast schematischen Rhythmik steigert es sich zu einem triumphalen Titel, wenngleich natürlich der schwelgerische Pathos aus dem ersten Teil noch weit entfernt ist.

Ein zweites Thema ähnlicher Bauart wird in “The Hunt” vorgestellt, und kommt deutlich aggressiver daher. Der Schwerpunkt liegt nun eindeutig auf dem Blech, welches die treibenden, kraftvollen Rhythmen umspielt. Die stampedeartigen Einsätze des Bleches wechseln ständig zwischen Hörnern und Trompeten hin und her, was die große Dynamik des Cues noch verstärkt. Die Streicher sind vollständig in die Begleitung übergegangen und setzen vor allem durch ausdrucksstarke Stakkato-Einsätze und Glissandi Akzente, ebenso wie die sehr aggressiv eingesetzten Holzbläser. Leider ist dieser Track im Endmix des Films nicht enthalten.

Das Album besteht zum großen Teil nun aus Suspense-Musik, für die Williams ebenfalls sehr düster und dramatisch vor allem Holz, Streicher und Percussions benutzt, sowie häufig hervorstechenden Actioncues. Interessant ist, dass Williams sogar für die Raptorenszenen völlig neues Material komponierte - das Raptorenthema aus dem ersten Teil ist doch mit dem Ansatz von “The Lost World” stark vergleichbar. Das Haupthema und das Hunt-Theme werden eingeflochten, vielfach aber ist die Musik kaum eindeutig irgendwelchen Themen zuzuordnen. Als musikalisches Highlight kann durchaus noch die siebenminütige Actionsequenz “Visitor in San Diego” gezählt werden.

Die CD - Veröffentlichung ist durchaus als gelungen zu bezeichnen, obwohl ein paar Ungenauigkeiten in Track-Bezeichung und Reihenfolge den perfekten Eindruck etwas trüben. Erfreulicherweise hat die Tontechnik gegenüber dem ersten Teil zugelegt und hier erstklassige Arbeit geleistet. In den End Credits hören wir dann die Streicher beim “Jurassic Park Theme” erstmals ohne den schwammigen Hall. Williams spielte das Thema aber bedeutend schneller ein als im Original.

Fazit: Neuer Ansatz für Film und Musik und dies mit durchaus unterschiedlichem Ergebnis. Während der Film etwas an seiner Actionlast und einer schwachen Story krankt, macht Williams aus der Not eine Tugend und überzeugt mit einem kompromisslosen, packenden Score. In seinem starken Jahr 1997 mit “Seven Years In Tibet”, “Amistad” und “Rosewood” stellt “The Lost World: Jurassic Park” sicher nicht den schlechtesten Score dar.

Jan Zwilling / 31.01.07

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