Kritiken
The Lord Of The Rings: Return Of The King (Complete Recordings) (Howard Shore)
Reprise / 2007
Bewertung:

Eines muss man den Produzenten der “Herr der Ringe” Filme lassen: sie haben ein aus Marketingsicht grandioses Timing für die Ankündigung ihrer Produkte. In konstantem Jahresturnus seit dem Start des ersten Teils an den Kinokassen 2001 gibt es zur Weihnachtszeit Fanartikel der besonderen Art zu kaufen. Erst kamen die Filme in die Kinos, dann wurden die erweiterten DVDs im selben Rhythmus veröffentlicht und schließlich die Veröffentlichung der kompletten Musiken genüsslich ausgeschlachtet. Zum Jahresende 2007 folgte nun der letzte Teil in dieser Geschichte - doch schon wurde mit der Ankündigung der Produktion des “Hobbit” ein nahtloser Übergang gewährleistet, denn schließlich steht im aktuellen Jahr ja noch die Auswertung der Filme auf dem hochwertigen Medium Blu-Ray an.
Film-Rückschau
Mit dem gehörigen Abstand bietet es sich an, den Blick zurück zu werfen und das Phänomen “Herr der Ringe” Verfilmungen einer kleinen Retrospektive zu unterziehen. Obgleich der Hype vor dem Start 2001 enorm war, stand der Erfolg des Projektes bis zum Start noch in den Sternen. New Line Cinema war mit der Bewilligung des Budgets in Höhe von 300 Millionen Dollar ein nicht unerhebliches Risiko eingegangen, doch schon die Einspielergebnisse des ersten Teils straften Skeptiker in dieser Hinsicht lügen. Die drei Filme wurden ein überragender Erfolg an den Box Offices und spielten rund 3 Millarden Doller ein - in dieser Hinsicht erstaunt es, dass die Ankündigung für “The Hobbit” so lange auf sich warten ließ. In filmhistorischer Hinsicht dürfte schon allein aus diesem Grund ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher sein, doch wie steht es eigentlich mit dem künstlerischen Wert der Filme und der Musik? Kaum eine Frage ist schwieriger und widersprüchlicher beantwortet worden, doch diese Rezension soll einen Versuch einer Einordnung darstellen.
Wenn man Leser fragt, was die Bücher von J.R.R. Tolkien zu etwas besonderem machten, dann erhält man häufig Antworten in dieser Art: es sei eine grandios-detaillierte Geschichte, die Ausarbeitung einer künstlichen Welt wurde nie so fundiert und realistisch betrieben und besonders kulturgenetische Aspekte wie Sprachen, Dekorationen, Karten und Ethnien weisen eher historische denn erfundene Züge auf. Seltener wird eine Charakterzeichnung, die unerbittliche Konsequenz der Handlung oder besondere Dialogfertigkeiten genannt. Ähnliche Kriterien an die Filme und auch an die Musik anzulegen, erscheint konsequent und plausibel - und gerade auf diesem Gebiet liegen die Stärken der Arbeit von Peter Jackson. Er schaffte es, mit einem überragenden Team an künstlerischen Ausstattern, Dekorateuren, Animateuren und Kostümdesignern, dem Detailreichtum von Tolkiens Vorlage gerecht zu werden und ein ähnliches Maß an Realismus in eine Fantasywelt zu bringen. Der immense Aufwand im Bauen von Sets und Herstellen von Miniaturen und Spezialeffekten hat sich in optischer und dramaturgischer Hinsicht gelohnt. Ähnlich liebevoll wurde mit den tolkienschen Hinterlassenschaften der Sprachen, Skizzen und Karten umgegangen, die einen Platz in den Verfilmungen sicher haben.
Die Dramaturgie des ingesamt 11-stündigen Werkes ist gegenüber dem Buch merklich angezogen worden, um den Filmen mehr Spannung und Highlights zu geben. Actionelemente wurden verschärft, um besonders im ersten Teil eine allzu träge Einleitung zu vermeiden. In dieser Hinsicht gelang Jackson und seinen Drehbuchautoren sicherlich kein künstlerisches Meisterwerk im literarischen Sinne, Dialoge sind zum Teil plakativ und dramatisiert und Teile von Figuren nur Mittel zum Zweck für bestimmte Stimmungen, die gerade geschaffen werden mussten (besonders Legolas und Gimli in Teil 2). Dennoch muss den Filmen zugute gehalten werden, dass sie es geschafft haben, das Interesse an einer komplexen Geschichte über eine solch lange Laufzeit bei erstaunlich vielen Zuschauern aufrecht zu erhalten. Die Charaktere waren gerade so ausführlich gezeichnet, dass man sich mit ihnen identifizieren konnte und doch ausreichend holzschnittartig, um bei Mainstream-Zuschauern nicht für Verwirrung im Kosmos zu sorgen. Die Besetzung erwies sich als äußerst gelungen, besonders in Nebenrollen wie Elrond (Hugo Weaving), Bilbo (Ian Holm) oder Theoden (Bernard Hill). So lässt sich nach dem kurzen Rückblick das Fazit ziehen, dass Jackson und seinem Team hier keine hohe Kunst gelungen ist und auch sicherlich keine fehlerlose und nicht verbesserungswürdige Verfilmung, doch muss man den Neuseeländern die glaubwürdige Erschaffung eines riesigen künstlichen Panoptikums der Fantasy zu gute halten. Es ist sozusagen Mainstream-Kino in Perfektion, viele Szenen haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt und dürfen sich als Teil unseres modernen kulturellen Erbes verstehen.
Die Musik zu „Return Of The King“
Die Musik von Howard Shore zum “Herr der Ringe” ist aktuell teilweise umstritten - zumindest im Hinblick auf die filmmusikhistorische Einordnung des Mammutwerkes im Vergleich mit alten und modernen Klassikern. Kritiker monierten schon zum Filmstart eine oberflächliche und zu bombastische Herangehensweise, Fans der Musik hörten die ersten Jahre mit einer rosaroten Brille und kommen erst mit einigem Abstand zu einem differenzierten Urteil. Lassen Sie uns erst die Veröffentlichung der kompletten Musik zu “Return Of The King” genauer unter die Lupe nehmen und uns dann an ein Gesamturteil wagen.
Im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Teilen musste Shore den Faden wiederaufnehmen, bemühte sich aber geschickt darum, auch ein wenig Variabilität in die musikalische Gestaltung zu bringen. Gleich der Beginn des Films offenbart Altbewährtes in neuem Gewand, nämlich eine Interpretation eines der Ringthemen für eine Solovioline, welches sich zusammen mit einigen luftigen Streicherpassagen deutlich transparenter anhört, als man es von Teil eins und zwei gewohnt ist. Entsprechend der thematischen Maßgabe der vorangegangenen Teile, ist der Spielraum für Neuartiges auch deutlich begrenzt und so zieht es sich durch die komplette Musik, dass die Interpretationen bekannter Motive die Hauptaufgabe Shores waren. Prominentestes Thema des dritten Teils stellt sicherlich das heroische Thema für Gondor dar, das Shore aber schon in der erweiterten Fassung zu “Die zwei Türme” zu voller Geltung bringt und bereits in Elrond Rat in “Die Gefährten” zu hören ist. Es ist eine sich steigernde Blechbläserfigur, zumeist von den Hörnern interpretiert und gut geeignet, heldenhafte Auftritte und großformatige Kameraschwenks zu untermalen. Einer der Höhepunkte gehört auch diesem Thema, nämlich die Entzündung der Leuchtfeuer Gondors. Shore unterlegt die spektakulären Flugkamerasequenzen über die Bergketten Neuseelands mit einer komplett ausgespielten Variation des Themas, dargeboten von 12 Hörnern und einer treibenden Streicherbegleitung, was im Ergebnis eine zwar plakative aber wunderbar kraftvolle Szene ohne jegliche Dialoge und Soundeffekte herstellt.
Zweiter großer Neueintrag ist ein Thema, das nicht genau einer Person oder Gruppe zugeordnet ist und immer dann auftaucht, wenn es um die Bestimmung der Figuren oder um die Erfüllung ihres Schicksals geht. Es untermalt prominent die Enthüllung des Königsschwertes für Aragorn, subtil ein Gespräch zwischen Gandalf und Pippin über das Leben nach dem Tod und taucht häufiger gegen Ende als Erlöserthema des Kampfes Gut gegen Böse auf. Es ist gekennzeichnet durch eine getragene, ausschwingende Melodielinie, die im Subtext sowohl melancholisch als auch hoffnungsvoll ist. Es wird von Streichern, in heroischeren Momenten auch von Blechbläsern intoniert und ist die Grundlage für den Titelsong von Annie Lennox, weshalb es dem Kinopublikum wohl bestens in Erinnerung ist. Interessanterweise taucht auch dieses Thema bereits versteckt im ersten Teil auf, während eines Gespräches zwischen Boromir und Aragorn in Lothlorien. Man mag es Zufall oder genaue Planung nennen, aber es ist schon faszinierend, wie Shore das Gesamtwerk thematisch durchdrungen hat.
Neue Randthemen gibt es weiterhin für den Stewart von Gondor, Arwen und für Kankra zu hören. Ersteres ist melodisch unscheinbar, aber erzeugt durch eine luftige Panflöte eine eigentümliche Fremdartigkeit im Kosmos von “Der Herr der Ringe”. Kankras Thema ist ein überzeugender Solitär in Shores Musikkonzept. Er greift auf seine reichhaltige Erfahrung im Vertonen von Thrillern zurück und verlässt etwas das abenteuerlich-epische Klangidiom und setzt auf sehr dynamische Action-Musik mit dissonant-schrillen Streichern, die sehr gehetzte und direkt-dramatische Stimmung erzeugen. Hier zeigt sich der Orchestersatz auch deutlich komplexer als vielerorts vorherrschend und Shore beweist, dass die Einfachheit der orchestralen Umsetzung durchaus stilistisch gewollt ist. Die mittlerweile dritte musikalische Entsprechung Arwens in “The Grace of Undomiel” ist deutlich theatralischer in seiner volle Streichermelodie, besitzt aber keinen Bezug zu anderen Motiven und taucht auch nur selten im Film auf.
Für das bereits vorhandene thematische Material war Shore bemüht, neue Variationen zu finden. Dies ist im Kontext des dramatischen Höhepunktes in kämpferischer Hinsicht im dritten Teil vor allem als eine Steigerung zu verstehen, besonders deutlich wird das beim Thema für die Rohirrim. Etabliert im zweiten Teil, kommt es selbstverständlich auch hier häufig vor und an mehreren Stellen toppt Shore das Arrangement durch einen schlagwerklastigen, kraftvollen Rhythmus. Die Szenen der Musterung in Dunharg sind so unterlegt und vor allem der Ansturm der Reiter auf das Schlachtfeld der Pelennor bekommt eine urtümliche Kraft durch das Arrangement. Wieder steht hier die großartige Wirkung im Filmkontext im Vordergrund, die aus dem fantastischen Panorama der stürmenden Reiterei eine Szene mit Klassikerpotenzial macht.
Die Musikstücke für die bösen Umtriebe in Mittelerde werden natürlich ebenfalls wieder aufgenommen, auch wenn der markante 5/4-Marsch der Uruk-Hai selbstverständlich weniger zu hören ist und vor allem die schrille Fanfare für Sauron/Mordor ertönt. Dies setzte Shore in Bezug zu den wuchtigen Chor- und Orchestertableaus, die mit Beginn der Schlacht auf den Pelennorfeldern Einzug erhalten. Waren die ersten beiden Filme sehr stark mit Chor durchdrungen, hält sich Shore in der ersten Hälfte des Films damit sehr stark zurück. Nur subtil schimmert er durch einzelne Szenen wie “The Eyes Of The White Tower”, um dann aber im Finale einen umso eindrucksvolleren Auftritt zu erhalten. Mit dem Auftreten der geflügelten Ringwraiths über Minas Tirith setzt Shore den Chor plötzlich in voller Größe ein und schafft so eine Steigerung der Dramatik, welche aufgrund des Dauerfeuers in Teil eins und zwei kaum noch machbar schien. Das neue chorale Konzept geht aber durchaus auf, vor allem weil diese den Atem für das Finale am Schicksalsberg sparen können.
Das gut halbstündige Finale ist als Abschluss der gesamten Trilogie zu verstehen, denn schließlich erreichen Frodo und Sam die Feuer von Mount Doom und Aragorn führt die Armee vor das schwarze Tor - alles um den Ring endgültig zu zerstören. Es schien unvermeidlich, dass sowohl die Produzenten als auch die Zuschauer eine weitere Steigerung des musikalischen Auftritts erwarteten. Dies ist Shore durchaus gelungen und anhand der Komplettveröffentlichung der Musik lässt sich das auch genau nachvollziehen. Angefangen mit dem Track “The Mouth Of Sauron” spult Shore eine opernhafte Dramatik ab, indem er düstere Einleitung mit dramatischem Choral und ostentativem Orchesterrhythmus kombiniert. Eingeleitet wird der Auftritt des Chores durch eine komplette Neufassung des Gefährtenthemas für Orchester und Chor, welches erstens durch den großen Abstand zur vorherigen Erwähnung des Themas und zweitens durch den opulenten Auftritt eines der Grundthemen der Geschichte, die Gemeinschaft, wieder ins Zentrum rückt. Den erbitterten Kampf zwischen Gollum und Frodo um den Ring unterlegt ein Wechsel aus Solovocalise und Chor mit stampfendem Rhythmus der Pauken, während für den Zusammenbruch des Turmes wieder alle musikalischen Kräfte vereint zu Werke gehen. Dies ist sicherlich eine absolute Überflutung mit musikalischen Reizen, doch etwas anderes wäre wohl dem Abschluss der Ringgeschichte nicht gerecht geworden.
Den Zusammenhalt der Themen zeigt die sich anschließende 12-minütige Sequenz der Siegesfeierlichkeiten und der Krönung, in dem viele Themen einen ruhigen Epilog erhalten und ein wunderbarer Bogen für die gesamte Trilogie geschlagen wird. Das Hobbit-Frodo-Thema zum Beispiel erklingt hier in seiner schönsten Version als großes Streicherarrangement.
Einordnung der Musik der Trilogie
Der Aspekt der Überflutung mit Reizen verweist auf die Zwickmühle bei der Bewertung der Musiken des “Herr der Ringe”, in der man als Kritiker steckt. Es fällt leicht, durch die absolut überbordende Orchesterfülle einen Mangel an musikalischen Feinheiten, ausgefeiltem Kontrapunkt und vor allem subtilen Entwicklungen von Motiven zu attestieren. Ein Großteil der Wirkung der Musik wird nach dieser Lesart durch die pure Lautstärke erreicht, in heutigen Zeiten ein gängiges Phänomen. Daran ist sicher etwas wahres, doch um zu erfassen, welchen Stellenwert die Musik wirklich hat, muss man etwas differenzierter zu Werke gehen:
- Im Filmkontext ist eine Herangehensweise der Konzentration auf direkt-dramatische Wirkungen nicht zwangsläufig negativ zu bewerten. Ein Sperrfeuer des Orchesters ohne innere Differenziertheit ist sicherlich nicht zuträglich, aber dies kann man den Vertonungen von Shore nicht attestieren. Sie bietet schnell erfassbare und musikalisch deutlich herausgearbeitete unterschiedliche Welten, die ein normaler Kinozuschauer beim Sehen des Films intuitiv unterscheiden kann. In der Breite ist dies durchaus anerkennenswert, denn durch die Länge erreicht die Trilogie eine doch nicht unbeträchtliche Zahl an Schauplätzen, Figuren und Handlungsebenen, die die Musik in dieser Breite abbilden muss. Signaturcharakter ist dabei wichtig und dies gelingt Shore mit großer Sicherheit, wie die Themenfülle schon allein im ersten Teil beweist. Das ist sicherlich ein Kriterium, das stark mit Massenkompatibilität zusammenhängt, aber ein wichtiges durchaus.
- Die musikalische Komplexität, abseits vom Film betrachtet, wird immer gerne als Pauschalargument gegen die Musik verwendet, aber auch hier muss man detaillierter hinschauen. Die Musik ist konzipiert, um die Welt von Mittelerde zu repräsentieren und Shores Konzept dazu beruht darauf, eine archaische Einfachheit in die Musik zu bringen, die die aus heutiger Sicht mittelalterliche Kulturstufe zu unterstützen. Soweit so gut. Gesehen über die gut 10 Stunden Musik, die für die Filme komponiert wurden gibt es sicher mehr Leerlauf als man bei einer perfekten Musik erwarten kann. Besonders die komplette Musik vom dritten Teil offenbart in der ersten Hälfte einige Längen, in denen thematisch und harmonisch-kontrapunktisch wenig passiert. Dies stellt man in allen Teilen, am wenigsten vielleicht im ersten Teil fest. Sortiert man die Musiken so, dass gewisse Füllpassagen entfallen, bleibt man aber noch immer bei 90-120 Minuten Musik pro Film, die genug an melodischer Relevanz besitzt. Darin muss man aber auch differenzieren, denn so einförmig sind die Orchestersätze bei weitem nicht. Besonders die düsteren Passagen, zum Beispiel die Szenen des Wächters von Moria ("The Doors of Durin” im Teil 1) oder auch “Shelob’s Lair” oder “Osgiliath Invaded” in Teil 3 zeigen eine unglaublich komplexe Orchesterbehandlung, bei der die exorbitante Vielstimmigkeit durch aleatorische (halbimprovisatorische) Notationsweise und heftige Dissonanzen und Klangüberlagerungen geschickt der musikalischen Wirkung untergeordnet ist. Sind andere Sequenzen deutlich einfacher gestaltet, besonders in harmonischer Hinsicht, ist dies bewusst gemacht und nicht zwangsläufig einem kompositorischem Unvermögen oder Unwillen geschuldet. Das Argument ist somit sicherlich nicht falsch, aber nur teilweise zutreffend.
- Die entscheidende Frage ist sicherlich, welchen Anspruch die Musik für die Bewertung erfüllen muss. Legt man einen großen Abenteuerscore aus dem Golden Age an, wie zum Beispiel “The Sea Hawk” von Erich Wolfgang Korngold, dann wirkt “The Lord Of The Rings” in seinen musikalischen Mitteln schnell wahrhaft schlicht und breit statt tief. Ähnlich wie beim Film kommt man damit aber nicht zum wirklichen Kern dieses Projektes, obwohl die Einordnung als Meisterwerk schon mal außen vor bleibt. Vergleicht man mit heutigen Fantasy- und Abenteuerfilmen, so sieht man auch, womit Shore eindeutig punkten kann. Er hat es geschafft, einen völlig eigenständigen Klang für eine Fantasywelt gefunden, an denen sich alle neueren Projekte messen müssen und vor allem durch die große Themenvielfalt und Variabilität bei der Schaffung der Signaturklänge eine eingängige, passende und runde musikalische Untermalung geschaffen. Er konnte damit einen Spannungsbogen von 11 Stunden Länge überzeugend gestalten und trotzdem so gut wie jede Szene im Sinne des Mainstreamkinos passend unterlegen. Nicht zuletzt ist auch die entfesselte Wucht des Chors und des Orchesters in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen.
Nimmt man all diese Erwägungen zusammen, wird ersichtlich dass Shore kein epochales Meisterwerk im Stile von “Ben Hur” oder “Star Wars” gelungen ist, aber dass dies noch für deutlich mehr gut ist als für den gehobenen Durchschnitt des Hollywood-Outputs. Einzeln gesehen, ist der erste Teil mit seiner Einführung in die Welt und der Etablierung aller wichtigen Themen für die Trilogie und der dritte Teil mit dem angepassten Fokus in der Dramaturgie und der etwas detaillierten Orchestration etwas höher anzusetzen als der etwas in der Luft hängende Mittelteil. Rein auf die Musik abzielend, halte ich abschließend eine Bewertung von 4,5 Sternen für 1 und 3 sowie 4 Sternen für Teil 2 für angemessen. Diese Punktzahlen gelten für den Filmkontext und die normalen Soundtrackveröffentlichungen, die Complete Recordings erhalten durch die einzigartige Komplettpräsentation, das umfangreiche Begleitmaterial und vor allem die Präsentation als DVD-Audio einen halben Bonuspunkt.
Jan Zwilling / 21.01.08
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