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Kritiken

The Lonely Passion Of Judith Hearne (Georges Delerue)

AVM / 1987

CD

Bewertung:


    1.  Young Judith and Aunt D'Arcy-Main title (03:57)
    2.  Chopin: Prelude in E minor op 28 no 4 (02:20)
    3.  Mature Judith makes a new start (02:12)
    4.  Mozart: Trio in G major K 564:III-Allegretto (05:15)
    5.  Partners down the line-Judith and Madden say goodbye (04:08)
    6.  Chopin: Prelude in E minor op 28 no 4 (02:43)
    7.  Judith Sees Maddern in Rooming House-Distressed Judith Drinks-Judith pays Mrs Rice and goes to Shelbourne-Frustrated Maddern-Judith goes to St Bridgets-Judith is slowly getting better-etc. (12:25)
    8.  Meditation for organ (02:30)
    9.  Maddern makes things clear to Judith-Judith leaves St Bridgets (07:16)

    TT: 43 min

„The Lonely Passion Of Judith Hearne“ ist ein Film von Jack Clayton (The Great Gatsby) aus dem Jahre 1987 mit Maggie Smith und Bob Hoskins. Judith Hearne ist eine Orgelspielerin mittleren Alters, die sich ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Klavierunterricht verdient. Eines Tages verliebt sie sich in einen skrupellosen Hotelbesitzer, dessen einziges Interesse an ihr ist, sie soweit auszunutzen, wie es nur möglich ist. Aus unerfüllter Liebe beginnt ihr Abstieg, dessen Anfang von ihrer immer häufigeren Hingabe zum Alkohol markiert ist. Der Film war in Großbritannien sehr erfolgreich und brachte sowohl Maggie Smith als auch Bob Hoskins den Evening Standard British Film Award für die besten Hauptdarsteller ein.

Die Musik von Georges Delerue gehört zu seinen emotionalsten und traurigsten Werken, sie mutet dabei fast wie ein einziges, intimes, emotional zupackendes Adagio an. Geschrieben ist die Filmmusik für Orchester, Orgel und Knabenstimme, letztere trägt gleich zu Beginn das langsame und bedächtige Hauptthema vor, sparsam orchestriert, ruhig und intim. Dieses erste Stück ist in Ringform konzipiert, es eröffnet mit bedächtigem Orgelsolo, ehe die Knabenstimme mit Streichquartett in das Thema einführt. Dieses leicht eingängige Hauptthema wird im Laufe des Scores noch öfter aufgegriffen, so etwa variiert von großem Streichorchester oder eine Solo- Geige. Zu dieser Melodie gesellen sich weitere Themen, etwa eines, nicht minder klangschönes für Violine und eine ergreifende Melodie für Flöte, welches Delerue gekonnt mit dem Hauptthema verwebt.
Der Komponist arbeitet für diese Themen mit simplen Harmonien, die sich jedoch umso besser in die Ohren des Hörers einprägen. Die Orchestration ist hierbei oft sparsam, aber sehr effektiv- weniger ist manchmal auch mehr, denn Delerue schafft es mit diesen spärlichen Mitteln eine Sensibilität und graziöse Melodik zu entwickeln, die sich sofort in das Herz des Hörers einschmeichelt. Trotz dieser schlichten Einfachheit wird Delerues Komposition nie langweilig oder ist deswegen gar minderwertig, denn sie besticht stets durch ihre Eleganz, ihren tiefen und ehrlichen, sodass die Musik den Hörer emotional unmittelbar anzusprechen vermag. Durch diese Eigenschaften zeichnet sich dieses tieftraurige Requiem aus, es punktet mit dem ergreifenden Hauptthema und einprägsamen Nebenthemen, sodass wir es insgesamt mit einer von Delerues dramatischsten und gefühlvollsten Filmmusiken zu tun haben.

Zwischen den für den Film geschriebenen Stücke wurden noch klassische Musiktitel gestreut, die für den Hörfluss eher hinderlich sind und daher ist empfohlen, diese vor dem Hören rauszuprogrammieren. Der Delerue-Anteil an der CD von AVM beläuft sich schlussendlich auf rund 32 Minuten.

Stephan Eicke / 26.04.09

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