Kritiken
The Legend Of Zorro (James Horner)
Sony / 2005
Bewertung:

Bei Komponisten mit größeren Filmographien sind die Wege oft verschlungen, die den Hörer zu einer bestimmten Musik führen. Oftmals sorgt ein aktueller Anlass, etwa der Kinostart oder ein Rerelease des Score für Aufmerksamkeit, kleinere und länger zurückliegende Werke werden allerdings nach intuiitiveren Mustern ausgewählt. So ist es sogar oft dem Zufall überlassen, welches Kleinod der geneigte Hörer beispielsweise aus den Horner-Musiken der 80er aus dem Regal fischt und in den CD-Player legt.
Im Falle dieser Rezension ist der Weg zwar ungewöhnlich, aber eindeutig. Um im Rahmen der James Horner Welle Ende 2009 einige ältere Scores mit einem Text zu bedenken, fiel die Wahl unter anderem auf „The Legend Of Zorro“ – weil dieser als einer der wenigen Filmmusiken als Mehrkanal-SACD erhältlich ist und damit ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Zwar mag dies für die meisten Hörer zweitrangig bis irrelevant sein, ein guter Anlass, sich die Musik genauer vorzunehmen, ist es allemal.
Der Film kam 2005 in die Kinos und sollte den moderaten Erfolg des Vorgängers „Die Maske des Zorro“ wiederholen, beide Filme spielten weltweit in etwa das Doppelte ihrer Produktionskosten ein. Mit ähnlichen Ingridenzien, aber mehr Klamauk und Action, versuchte Regisseur Martin Campbell mit Antonio Banderas und Catherine Zeta-Jones ein ähnlich charismatisches Abenteuerspektakel zu inszenieren wie sieben Jahre zuvor. Dies misslang zu großen Teilen, denn nachdem der Zauber von Banderas in der schwarzen Kluft verzogen war (was schon vor dem Ende des ersten Teils eintrat), blieben eine recht einfach gestrickte Handlung und zweifelhafter Humor zurück. Dennoch bietet „The Legend Of Zorro“ einige unterhaltsam inszenierte Duelle und Actionszenen, genug Vorlagen für James Horner also, der seinem engagierten Score zum ersten Zorro-Auftritt einen zweiten an die Seite stellen konnte.
Gleich der erste Titel des Soundtracks zu „The Legend Of Zorro“ zeigt eindrücklich, dass Horner keine neuen Wege für seinen Sequel-Score beschreiten wird. Das aus dem Vorgänger bekannte Eröffnungsmotiv mit Percussions aller Couleur, Shakuhachi und einem sich steigernden Rhythmus führt auch in den zweiten Teil, Kastagnetten, akustische Gitarren und folkoristischer Stepptanz inklusive. Diese Instrumente lokalen Bezugs kombiniert Horner auf bekannte Weise mit einem streicher- und blech-dominierten Orchester. Epische Fanfaren, vornehmlich der Trompeten, wechseln mit ausschwingenden Melodiebögen der Geigen, nur vereinzelt treten Holzbläser markant hinzu. Die Dynamik der folkloristischen Anteile des Instrumentariums überträgt Horner wie schon im Vorgänger elegant auf das große Orchester, das eine klangvolle Symbiose mit den spanischen Instrumenten eingeht. Nur marginal erscheint in diesem Kontext, dass jene Gitarren und Kastagnetten ein klein wenig präsenter wirken als im Vorgänger. Aus einem Guss stehen die Maske und die Legende des Zorro nebeneinander, was aus künstlerischer Sicht etwas enttäuschend, im Filmkontext aber sicherlich vertretbar ist.
Schwerer wiegt, dass der Amerikaner auch im thematischen Gerüst seines Sequel-Scores keinerlei Neuerung bietet. Alle Titel ergehen sich in mannigfaltigen Variationen der aus Teil 1 bekannten Hauptthemen, dem Zorro-Thema und dem Liebesthema. Auch kleinere Seitenmotive, wie der lyrische B-Teil des Liebesthemas, finden sich prominent in „The Legend Of Zorro“ wieder. So wird man in der kompletten Musik den Eindruck nicht los, dass Horner zwar handwerklich geschickt zu Werke ging, aber überhaupt keinen Ehrgeiz besaß, seine zweite Zorro-Partitur originell zu gestalten. Neue Locations, ein weiterer Bösewicht, der Sohn der beiden Hauptcharaktere – Referenzen für ein oder mehrere neue Motive wären sicherlich da gewesen.
„The Legend Of Zorro“ ist also eine konservative Replik, ein zweiter Aufguss des erfolgreichen Konzepts aus seinem Vorgänger. Für den unbeleckten Horner-Fan, der keine der beiden Musiken kennt, ist es also unerheblich, welcher er den Vorzug gibt. Der ursprüngliche Score widmete längeren Themenentwicklungen mehr Zeit, während der zweite furiosere Actionszenen beinhaltet. Genau dies ist vielleicht der einzige wirkliche Grund, nach „The Mask Of Zorro“ auch noch den Nachfolger auf Tonträger zu erwerben. Mit „The Train“ enthält er nämlich einen der packendsten und unterhaltsamsten Titel der jüngeren Horner-Karriere. Die elf-minütige Tour de Force unterlegt das Finale des Films mit einem Konzentrat aller Zutaten, die man an dem Horner-Zorro-Rezept schätzen gelernt hat. Wirbelnde Streicherläufe, irrsinnige Percussioneinlagen, wildes Gitarrenspiel, markante Mariachitrompeten und packende Blechbläserpassagen. Natürlich fehlen auch hier die epischen Klimaxe beider Themen nicht, ebenso wenig wie Shakuhachi oder dumpfes Grollen der Großen Trommel. Weil Horner den beiden Themen interessante Variationen und vor allem Kombinationen abgewinnt, ist „The Train“ einer der unterhaltsamsten Titel aus beiden Filmen.
Nach den gemischten Gefühlen nach einem kompletten Hördurchlauf zwischen Second-Hand-Musik und mitreißendem Actionscoring bleibt nur noch der Blick zurück auf den Grund dafür, die Musik überhaupt in den Player gelegt zu haben: Die Mehrkanal-SACD ist vielleicht das einzige Alleinstellungsmerkmal gegenüber der CD zum ersten Teil und sein Geld durchaus wert. So gut klingt der Vorgänger nicht, wenngleich der Mix etwas dumpf und gerade in seiner räumlichen Abbildung noch ausbaufähig ist. Wer also die SACD in die Hände bekommt, für den lohnt sich auch der zweite Aufguss des etwas dünner werdenden Zorro-Konzentrats von James Horner.
Jan Titel / 11.02.10
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