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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Last Mimzy (Howard Shore)

New Line / 2007

CD

Bewertung:


    01. The Mandala (01:37)
    02. Whidbey Island (03:21)
    03. Under the Bed (02:46)
    04. Cuddle (01:27)
    05. Beach (01:59)
    06. Scribbles (02:38)
    07. Blackout (03:16)
    08. Palm Readings (04:12)
    09. I Love the World (00:52)
    10. Help! (01:20)
    11. I Have to Look (04:09)
    12. Can I Talk? (05:25)
    13. Eyes (02:15)
    14. The Tear (04:07)
    15. Through the Looking Glass (05:02)
    16. "Hello (I Love You)" -- Roger Waters (06:16)

    TT: 51 min

Es ist ruhig geworden um Howard Shore. Nachdem der Komponist, der mehr als ein Jahrzehnt im Stillen der filmmusikalischen Nischenwelt erfolgreich gearbeitet hatte, im Strudel des Hypes im die “Herr der Ringe” Verfilmungen scheinbar zum bekanntesten Filmkomponisten des Planeten avanciert ist, schien jeder Schritt im Rampenlicht stattzufinden. Konzert-DVDs, Tourneen, Fanclubs überzogen die Welt. Doch es sollte anders kommen, denn nach dem noch geringfügig beworbenen “The Aviator” fand seine Arbeit zu “The Departed” schon wieder komplett außerhalb des stressigen Rampenlichtes statt. In dieser Situation setzt Shore, nachdem er mit dem ebengenannten Scores (sowie “Spider” zu einem Film von David Cronenberg) zum Fantasy-Klang auf große Distanz gegangen war, wieder auf das Genre das ihn berühmt gemacht hatte - wenn auch in erheblich kleinerem Rahmen.

“The Last Mimzy”, so der eigenartige Titel seines neuesten Projektes, ist im strengen Sinne ein Science-Fiction-Familienfilm. Er dreht sich um zwei kleine Geschwister, die am Strand einen knuffigen Stoffhasen finden. Es stellt sich heraus, dass dieser aus der Zukunft kommt und den beiden wichtige Botschaften ins Ohr flüstert. Fern von der naturgemäß skeptischen Erwachsenenwelt müssen die beiden Kinder die Botschaften ernst nehmen, um die Menschheit wieder auf einen humanen, auf Nächstenliebe gründenden Kurs zu bringen.
Die Idee vom Kind als moralische Instanz für Probleme der Erwachsenenwelt ist natürlich nicht neu, doch schenkt man den Kritiken des deutschen Feuilletons (der Film lief in diesem Jahr auf der Berlinale in Berlin), dann haben wir es hier mit einer gut funktionierenden Mischung aus Spaß, Spannung und dem kleinen Quäntchen Zeigefinger-Mentalität zu tun.

Auf der Habenseite durfte das Projekt, das komplett ohne große Namen vor und hinter der Kamera auskommt, den Komponisten Howard Shore verbuchen. Er hat in seiner Karriere bewiesen, dass er durchaus vielseitig Qualität abliefern kann und müsste eigentlich erst seit “Herr der Ringe” mit einem gewissen Schubladendenken der Produzenten zurecht kommen. Ähnlich wie seine Musik zu “Soul Of The Ultimate Nation”, die ein kleiner “Herr der Ringe” Klon geworden ist, ist dieses Vorbild auch hier stark präsent.
Shore gründet seine Musik für “The Last Mimzy” auf jenem streicherbetonten, klangflächenartigen Ansatz, der für die leichteren und heiteren Stellen in der Tolkienverfilmung Anwendung fand. Die komplett melodisch und “zahm” gehaltene Musik setzt auf ein großes Orchester, als Soloinstrument kommt nur gelegentlich ein Klavier hinzu. Hinzu kommt, dass eine Eigenart der Ringe-Musik hier verstärkt auftritt. Die Musik erweist sich als recht statisch konzipiert und weist innerhalb von Einzelstücken kaum Entwicklung auf. Die Orchestration verzichtet leider auf die vielen Soli und kulturellen Einsprengsel, die diesen Effekt beim “Herrn der Ringe” abgemildert haben. Beispielhaft sei der Track “Beach” angeführt, wo die Streicher permanent einen gleichförmigen, melodiebegleitenden Teppich bilden. Die Soli von Klarinette und Klavier gehen darin unter und es bleibt ein etwas schaler Gesamteindruck zurück. Eine ähnliche Musik, wie Shore hier offenbar angedacht hatte, hat Patrick Doyle vor kurzem für “Nanny McPhee” komponiert, doch der Unterschied zu dessen vielgestalter, detailverliebter Orchestrationsleistung könnte nicht offenkundiger sein.

Thematisch bietet Shore eine Handvoll an Themen für die Hauptpersonen, aber auch hier kann man kaum von jenen einprägsamen, markanten melodischen Erfindungen sprechen, die viele Fans am “Herr der Ringe” zu schätzen gelernt haben. Ein Fantasythema bietet eine viernotige Stafette, das Thema für die Familie bekommt man erst nach mehrmaligem Hören ins Ohr. Leider zeigt sich hier die ähnliche Schwäche wie bei “Soul Of The Ultimate Nation”, dass bekannte Stilismen ohne einen neuen zündenden Gedanken aufgekocht wurden und thematisch dem Vorbild so eindeutig unterlegen sind, dass sich nach einer Weile ein klein wenig Langeweile einstellt. Manche Kompositionsideen, wie die rhythmischen, aufsteigenden Streichern bei Gefahrenanflug ("I Have A Look"), sind dem Ring-Score sogar sehr ähnlich.

Als Fazit bleibt nur eine ernüchternde Feststellung. “The Last Mimzy” ist zwar ein gutes Stück davon entfernt, eine schlechte Musik zu sein, doch erweist sich der ereignis- und themenarme Aufguss als relativ ermüdend und nur in Einzelmomenten als interessant. Fans des “Herrn der Ringe” mögen an dem klanglichen Gesamtbild Gefallen finden, aber sicherlich ebenso die fehlende Abwechslung monieren. Der abschließende Song “Hello (I Love You)”, den Shore zusammen mit Roger Waters (Ex-Pink Floyd) komponiert hat, ist sogar als ausgesprochen gruselig zu bezeichnen. Alles in Allem erscheint mir eine sehr wohlwollende Bewertung mit 3 Sternen als solider Durchschnitt angemessen zu sein.

Jan Zwilling / 04.05.07

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