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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Last Legion (Patrick Doyle)

Varese / 2007

CD

Bewertung:


    01. Sacred Pentangle (02:54)
    02. Coronation (02:14)
    03. Goths Seize Rome (04:10)
    04. Wrong Answer (02:05)
    05. Secret Sword (05:51)
    06. Escape From Capri (03:20)
    07. Nestor’s Betrayal (03:14)
    08. Journey To Britannia (02:28)
    09. Hadrian’s Wall (02:13)
    10. Excalibur (01:49)
    11. Sword Play Romance (01:10)
    12. Who Killed Them? (03:12)
    13. The Battle Of Hadrian’s Wall (06:15)
    14. Death Of Vortgyn (04:15)
    15. No More War (05:38)

    TT: 51 min

Seit zwei Jahren hat sich die Karriere von Patrick Doyle spürbar in eine andere Richtung entwickelt als zuvor. Waren es in den Neunzigern und am Beginn des neuen Jahrtausends noch die regelmäßigen Kenneth Branagh-Filme und ausgewählte anspruchsvolle Verfilmungen (häufig französische und britische), wendete sich das Blatt mit „Nanny McPhee“ und „Harry Potter and the Goblet of Fire“ grundlegend. Weiterhin vertont er die Filme von Branagh und Régis Wargnier, doch in Hollywood ist Doyle zur Allzweckwaffe im Bereich epischer Fantasy-Stoffe und Historienschinken geworden. Zuletzt ergänzte „Eragon“ seine Palette und aktuell steht mit „The Last Legion“ ein weiterer Eintrag in dieser Liste ins Haus.

Man mag es als Bereicherung in seinem musikalischen Output ansehen und zu Anfang war es das mit Sicherheit auch. Besonders „Nanny McPhee“ offenbarte eine wunderbar verspielte und einfallsreiche Seite von Doyles Kompositionsstil und seine Fähigkeit, sehr ansprechende, melodische und epische Tableaus zu konstruieren, scheint geradezu geschaffen für Fantasyfilme. Mit „Eragon“ zeigte die Formkurve aber nach unten und leider setzt sich dieser Trend mit seiner aktuellen Musik fort. „The Last Legion“ ist kräftig und laut, doch Inspiration und Raffinesse findet man nicht einmal mit der Lupe.

In den ersten vier Titeln der bei Varese erschienen CD stellt uns Doyle ohne Umschweife den musikalischen Kosmos seiner Musik vor. Ein heroisches Hauptthema wird präsentiert, im Marschrhythmus und mit viel Blech orchestriert. Es ist wenig summbar, besitzt aber einen gewissen Wiedererkennungseffekt. Darum inszeniert Doyle mit riesigen Bläsersätzen, Percussions und Chor eine epische Schlachtplatte, bei der schon nach wenigen Tönen der Blick auf die Details verloren geht. Die Streichersektion geht im Instrumentenhagel regelmäßig unter, man bekommt immer einen statisch konstruierten, wenig differenzierten „Gesamtklang“ zu hören, in dem keine Instrumentengruppe Akzente zu setzen vermag. Die motivischen Partikel sind schlicht und werden plump aneinander gereiht.
Zur Mitte der Musik, genauer mit dem Titel „Escape From Capri“, entspannt sich die Lage etwas, denn nun kommen auch die Streicher mit einigen Ostinati-Läufen und rhythmischen Figuren zum Zuge. Das Gesamtbild wird auch durch einen gewissen dramaturgischen Aufbau, der schrittweisen Erweiterung eines kurzen Oboenmotivs hin zum dramatischen Actioncues, etwas spannender, doch auch hier landet Doyle letzten Endes wieder am Ausgangspunkt, dem lauten Einheitsbrei aus Bläsern und Schlagwerk. Weniger Chor und mehr Streicherarbeit, gelegentlich ergänzt vom Holz, mildern die Lage aber etwas.

Im weiteren Verlauf bietet Doyle noch einige etwas dynamischere Actioncues wie „Hadrian’s Wall“ oder setzt in „Sword Play Romance“ eine Violine als keltische Fidel ein. Der vermeintliche Höhepunkt „The Battle Of Hadrian’s Wall“ hält auch kein musikalisches Highlight bereit und so bleibt man etwas erschöpft und unbefriedigt zurück. Einmal mehr zeigt sich, dass Masse nicht gleich Klasse ist und man episches Kino nicht durch bloße Lautstärke erzeugen kann. Es ist schade, dass man dies bei einem so talentierten Komponisten wie Patrick Doyle feststellen muss.

Fazit: „The Last Legion“ schlägt in eine ähnliche Kerbe wie „Timeline“ von Brian Tyler, „King Arthur“ von Hans Zimmer oder „Soul Of The Ultimate Nation“ von Howard Shore – alle Musiken eint, dass sie festgefahrenen Klangschemata durch Overkill einen dramatischen Effekt abzuringen versuchen. Im Falle der Doyle-Musik geschieht dies handwerklich passabel, aber ungemein uninspiriert, sodass 2,5 Sterne eine angemessene Bewertung sind.

Jan Titel / 31.08.07

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