Kritiken
The Interpreter (James Newton Howard)
Varese / 2005
Bewertung:

Einer der gelungensten Filme des Kinojahres 2005, “The Interpreter” mit Sean Penn und Nicole Kidman in den Hauptrollen, stammt vom Regie-Veteran Sydney Pollack, der nach heute als Klassiker angesehenen Filmen wie “Tootsie” oder “Jenseits von Afrika” in den neunziger Jahren sein Regiepensum auf wenige Filme leichterer Art ("Sabrina" oder “Random Hearts") zurückschraubte. Bevor er nach sechs Jahren Abstinenz für den Thriller “Die Dolmetscherin” wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm, widmete er sich in größerem Maße seiner Produzententätigkeit - bei Filmen wie “Sense and Sensibility”, “The Talented Mr. Ripley” oder “Cold Mountain”. Auch diesen Film hat er wieder selber produziert und konnte auch seinen mittlerweile zur Regel gewordenen Gastauftritt als Schauspieler nicht lassen.
In “The Interpreter” erzählt Pollack die Geschichte einer Dolmetscherin (Kidman) in Diensten der Vereinten Nationen, die in einen handfesten Komplott hereingezogen wird, als sie nach Dienstschluss aus Versehen ein Gespräch belauscht. Ein Präsident eines afrikanischen Landes soll erschossen werden. Daraus ersinnt der Film einen realistischen und spannenden Plot, der durch die Schauspieler und das authentische Flair des UN-Hauptgebäudes in New York lebt. Die Figuren sind vielschichtig angelegt und schaffen es, einem durch und durch politischem Film viele spannende Facetten zu geben.
Die Musik zu “The Interpreter” stammt von James Newton Howard, der zuletzt einer der qualitativ konstantesten Komponisten in Hollywood war. Vorangegangen waren sein wunderbar verspielter “Peter Pan” und der elegante “The Village”, die beide zum besten gehörten, das die Filmmusikbranche im jeweiligen Jahr zu bieten hatte. Mit “The Interpreter” setzt sich dieser Trend trotz einiger ganz interessanter Ideen leider nicht fort, die Musik kann man als eine der keineswegs essentiellen in Howards Filmographie beiseite legen.
Die Grundlage für die Untermalung ist ein genretypischer Suspense-Ansatz, mit starker Bass-Ausrichtung des Orchesters, Ostinati-Läufen und minimalistischem Grundaufbau. Howard versetzte dies merklich mit synthetischen Klangexperimenten, so_dass Erinnerungen an seinen Score zu “The Fugitive” wach werden. Dort erwies sich die Verbindung von Orchestralem und Klangsynthetik doch als eindeutig ausgereifter, denn hier werden die Suspensemomente des Films zu einem relativ gesichtslosen, pulsierenden Brei an dunklen Klangfarben, dem keinerlei ordnendes Element, ein thematischer Gedanke oder ein stringentes Konzept übergeordnet ist. Ähnliches gilt für die wenigen Actionsequenzen des Films, für die Howard aggressive Blechbläserstöße, dumpfes Grollen der Bässe und vor allem rhythmische Spielereien des Computers aufbot. Gerade dort fällt sogar im Film die Einfallslosigkeit der Untermalung aus, etwas das wir von Howard eigentlich zuletzt kaum zu hören bekamen.
Interessanter sind da noch zwei Elemente der Musik, zum einen die an einigen Stellen eingeflochtenen afrikanischen Anklänge und ein vor allem gegen Ende auftauchendes Streicherthema. Howard adaptierte ein Stück namens “Atolago” und band es - der Filmhandlung folgend - an einigen Stellen ein. Dies geschieht vor allem durch eine männliche Solostimme und einige Percussions, was der Musik ein paar interessante und gut hörbare Momente verschafft. Melodisch ähnlich angelegt ist das Thema, welches die Beziehung der Charaktere von Kidman und Penn begleitet und in den End Credits stark ausgespielt wird. Es ist passabel für Streicher ausgearbeitet, hat sich aber bei mir als kleiner Ohrwurm festgesetzt. Besonders in Verbindung mit “Atolago” ist es ganz nett anzuhören.
Fazit: Dem Film sollte man durchaus auf DVD Beachtung schenken, bei der Musik lohnt es im Grunde kaum. Größtenteils banales Suspense- und Actionscoring rechtfertigen kaum ein paar gelungene Momente, so_dass die CD doch zugunsten anderer durchaus im Regal stehen gelassen werden kann.
Jan Titel / 01.02.07
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