Kritiken
The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy (Joby Talbot)
Hollywood / 2005
Bewertung:

42! Einer bestimmten Gruppe Menschen braucht man nur diese Zahl zu nennen und sie fangen an zu lachen. Sie amüsieren sich über Handtücher, eine schöne Tasse Tee oder eine Umgehungsstraße. Das ist absurd? Willkommen in der Welt des Douglas Adams, der mit seiner fünfteiligen Bücherreihe beginnend mit “Per Anhalter Durch Die Galaxis” eine ungemein große Fangemeinde erlangte. Die schrill-kauzigen und mit der gekonnten Mischung aus Situationskomik, Wortwitz und parodistisch-philosophischem Grundgerüst ungemein unterhaltsame Science-Fiction-Parodie verhielf dem Gelegenheitsarbeiter und Tramper Ende der Siebziger zu Weltruhm und wurde nun zum zweiten Male verfilmt. Zum ersten Male versucht hatte sich mit geringem Budget und leider nur mäßigem Erfolg die britische BBC in den achtziger Jahren, was dem kommerziellen Erfolg der Miniserie aber keinen Abbruch tat.
Nun darf man nicht verschweigen, dass es auch eine zweite Gruppe Menschen gibt, die dem ganzen absurden Treiben mit Unverständnis und großen Augen gegenüberstehen. Ähnlich wie der britische Monty Python- Humor, löst er bei personenabhängigem Nicht-Zünden eher Kopfschütteln bis hin zur Verachtung aus. Dieses Problem stellte sich nun auch für den neuen Film, der die Wahl hatte zwischen einer Inszenierung für den Insider oder einer Inszenierung für das Massenpublikum.
Leider ist zu konstatieren, dass weder das eine noch das andere richtig geglückt ist. Regisseur Garth Jennings bot zwar eine spannende Besetzung auf (Stephen Fry, Sam Rockwell, John Malkovich, Alan Rickman, Bill Nighy, Helen Mirren, Mos Def), konnte den Geist der Vorlage aber nur unzureichend auf die Leinwand projizieren. Rasend schnell bewegt man sich durch die Geschichte, die Pointen werden überrannt, die manchmal brüllkomische Situationskomik der Vorlage kommt nicht zum Tragen und eine haarsträubende Storyänderung entfernt sich zu weit vom Grundgerüst der Vorlage. Abseits vom Buch ist der Film für Ottonormalverbraucher doch zu absurd und zu wenig zündend, um auch diese Klientel zu überzeugen.
Eines steht aber definitiv fest: die Filmemacher hatten großen Spaß an der Produktion dieses Streifens und damit hat sich “The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy” schon einmal gelohnt. Aufschluss über die Arbeitsatmosphäre gibt die Veröffentlichung der Filmmusik, die neben der Musik einen schönen Booklettext über die Entstehung des Titelsongs beinhaltet. Der Regisseur arbeitete Hand in Hand mit dem Komponisten Joby Talbot, ein musikalisches Multitalent aus Großbritannien. Talbot besitzt eine klassische Ausbildung, fühlt sich aber in Rock und Pop ebenso zuhause wie in Big-Band-Klängen und synthetischen Musikexperimenten. Bekannt wurde er als Mitglied der Gruppe “The Divine Comedy”, dessen Leadsänger Neil Hannon auch einen Auftritt auf der CD hat.
Die Musik gestaltet sich denn auch sehr abwechslungsreich, großsinfonisches im Stile von “Galaxy Quest” bis “Star Trek” steht neben Mickey Mousing, gewöhnungsbedürftigen synthetischen Klangspielereien, kräftigen Pop-Rhythmen und dem Titelsong “So Long and Thanks For All The Fish”, einer gelungenen Hommage an Cole Porter und mit seinem peppigem Big Band- Sound ein kleiner Ohrwurm. An diesem Stück hatten Jennings und Talbot auch all ihrem Spass ausgelassen, pompöse Überleitungen enden in dem Sologesang eines kleinen Mädchens, eine Operndiva mischt sich in die Band und der Text erweist schön Referenz an Douglas Adams. Neil Hannon macht daraus abschließend eine schöne Singer-Songwriter-Ballade, sodass die Möglichkeiten mit diesem Song voll ausgeschöpft wurden.
Der sinfonische Score leitet sich aus Genrestandards ab und erweist sich dabei immer wieder als recht geschickt orchestriert. Die “Destruction Of Earth” bietet schöne schrille Streicher im Stile der desaster movies der Siebziger Jahre, die Vogonen bekommen tapsige Tuba-Stöße zugeordnet. Eine schöne Sequenz findet sich auch beim Tod des Wales, wo Talbot mit Streichern und Solo-Oboe ein übertrieben tragisches und sehr schönes Stück inszeniert. Doch diese Sequenz zeigt auch, dass vieles der netten orchestralen Einfälle nur Momentaufnahmen sind, gewissermaßen Stückwerk, welches zusammengenommen einen netten Flickenteppich ergibt, als dramatisches Gesamtwerk aber kaum taugt.
Ebenso verhält es sich mit den schnellen Stilwechseln, mit denen die Musik durchzogen ist. Nach der Zerstörung der Erde füllt sich der nun leere Raum an dieser Stelle langsam mit einem riesigen Titel “Per Anhalter Durch die Galaxis”. Eine Ukulele leitet einen besinnlichen Part ein, der langsam aber sicher in ein großes sinfonisches Rockarrangement übergeht. Ein orchestrales Thema wird mit einem peppigen Rhythmus und synthetischen Effekten überzogen, was im konkreten Moment gut funktioniert, aber wieder im Gesamtkontext in der Luft hängt. Mariachi-Anklänge, siebziger Jahre Elektronik, ein englisch anmutender Hymnus, Orgelklänge und introspektive Streicher- und Klavierklänge ("Tea In Space") garnieren häufig den Score.
Die Verarbeitung der kompletten Musik ist durchaus gelungen, die Einfälle sind überzeugend eingebunden. Der Unterhaltungswert des Albums ist demnach durchaus gegeben, auch wenn der kompositorische Anspruch nicht die oberste Priorität hatte. Als Ergänzung der Sammlung kann man also durchaus zugreifen und damit erfüllt die Musik ihre Aufgabe besser als der Film - sei man nun Hitchhiker-Fan oder nicht.
Jan Zwilling / 01.02.07
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