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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Happening (James Newton Howard)

Varese / 2008

CD

Bewertung:


    01. Main Titles (02:18)
    02. Evacuating Philadelphia (02:21)
    03. Vice Principal (01:56)
    04. Central Park (02:58)
    05. We Lost Contact (00:59)
    06. You Can't Just Leave Us Here (01:43)
    07. Rittenhouse Square (01:59)
    08. Five Miles Back (01:13)
    09. Princeton (03:06)
    10. Jess Comforts Elliot (02:31)
    11. My Firearm Is My Friend (02:59)
    12. Abandoned House (01:32)
    13. Shotgun (04:27)
    14. You Eyin' My Lemon Drink? (04:28)
    15. Mrs. Jones (01:44)
    16. Voices (01:36)
    17. Be With You (03:41)
    18. End Title Suite (08:36)

    TT: 50 min

Die Formkurve von James Newton Howard kann man wunderbar anhand seiner Arbeiten für den indischen Regisseur M. Night Shyamalan nachvollziehen. Als Howard im Jahr 1999 den ersten dieser Filme vertonte ("The Sixth Sense"), war dies der Startschuss für die Karrierephase, in der er sich als einer der gefragtesten und konstantesten Komponisten in Hollywood etablierte. Feierte er zuvor nur Einzelerfolge wie “Wyatt Earp” oder “The Fugitive”, reihten sich in den folgenden Jahren die großen und prestigeträchtigen Aufträge aneinander. “Snow Falling On Cedars”, “Hidalgo”, “Dinosaur” oder auch “Peter Pan” fallen in diese Zeit. Für Shyamalans Filme komponierte er mit ständig wechselnden Ansätzen gelungene Musiken, zuletzt für “Signs” und “The Village”.
Mit seinem letzten Film “Lady In The Water” wurde diese Reihe durchbrochen, denn Howard präsentierte sich zunehmend uninspiriert von den immer heftiger kritisierten Filmen Shyamalans. Analog konnten auch andere Arbeiten aus den Jahren 2005 bis 2008 nur teilweise überzeugen. Akzeptables wie “King Kong” stand neben erschreckend banalem wie “Freedomland” oder “The Lookout”. Nun ist also wieder ein Shyamalan-Film in die Kinos gekommen und die Frage nach der Tendenz in der Formkurve von James Newton Howard stellt sich neu. Der Film, “The Happening” mit Mark Wahlberg, konnte bei den Kritikern keine Freunde finden, zu flach und banal sei die Dramaturgie und die Inszenierung pure Effekthascherei.

Für die Musik vertraute James Newton Howard wieder einem etwas ausgefeilteren Ansatz als zuletzt bei “Lady In The Water”. Er baut seinen Score um zwei enorm kleinteilige Motive auf, die beide als Mikrobestandteile der Komposition dienen. Besonders die als eröffnendes Hauptmotiv fungierende Melodie ist mit seinen vier Tönen, darunter drei gleiche, so simpel wie nur möglich gehalten, was ihr eine recht große klangliche Flexibilität beschert. Diese setzt Howard mit Hilfe eines groß besetzten Orchesters und dezenten synthetischen Effekten um. Die Holzbläser treten kaum in Erscheinung und das Blech nur punktuell, sodass Streicher und mannigfaltige Percussions den Hauptanteil der Musik bestreiten. Prägnante Instrumente findet Howard im Solo-Cello, dem Klavier sowie als Begleitung in der Harfe und verschiedenen Xylophonen.
Was nun kammermusikalisch oder herrmannesque klingt, ist stellenweise faszinierend und stellenweise sehr konventionell. Mit kammermusikalische Transparenz hat die Musik jedoch selten etwas zu tun, vielmehr bietet sie modern interpetierten Impressionismus mit einigen Anleihen bei Horrorklischees. Harfe, Streicher und Schlagwerk verdichten sich stellenweise zu flimmernden, amorphen Klanggebilden, wobei gelegentlich eine Nähe zu der Rhythmus, Melodie und Harmonie entsagenden Musik von Ligeti auftaucht. Im ersten Drittel des Scores nimmt das Solo-Cello einen breiten Raum ein und darf seine Klangqualitäten schön präsentieren, was die Musik fast zwangsläufig mit dem gängigen Cello-Asien-Klischee verbindet. Obgleich der Film absolut nichts asiatisches an sich hat, sind solche Assoziationen kaum zu vermeiden. Gerade diese oft klanglich aparten Orchesterpassagen mit den Soli sind es aber, die am hörenswertesten sind. Das hoffnungslos anmutende “Vice Principal” mit schönen Streicherfiguren in der Begleitung oder “Princeton” mit etwas ausladenderen Streichern, reizvoll mit Klavier verquicktem Cello gehören wie die beiden finalen Titel zu den klanglichen Highlights.
“Princeton” zeigt aber zugleich die zweite Seite der Musik, die mehr den Horror-Elementen der Geschichte Rechnung trägt. Die schönen Arrangements werden zweifach durch obligatorische Orchestertutti-Attacken unterbrochen, die kaum mehr musikalische denn schlicht physische Wirkung auf den Hörer ausüben. Zwischen diesen beiden Polen gibt es aber noch eine Reihe gemäßigt-dramatischer Stücke, die eher in die Suspense-Schiene passen. Mit zyklischen Streicherfiguren, ostentativen Schlagwerklinien, nach holstscher Mars-Manier anschwellende Orchestertutti und in einigen wenigen Stellen synthetische Rhythmusüberformung präsentiert Howard hier gut gemachten Genre-Standard. Phasenweise ist dies wenig reizvoll und spannend, an anderen Stellen wie in “My Firearm is my Friend” gelingen clevere Momente. Der Track enthält ein Flimmern enorm hoher Streicher, dumpfes Grollen von Kontrabässen und Orchestercluster, die zu fließen scheinen. Es gibt keinen rhythmischen Zusammenhalt und kaum eine Note die beginnt oder endet, nur eine Trompete ist als Einzelinstrument auszumachen. Dies hat etwas von Ligeti, obgleich diese Konsequenz in der knapp zweiminütigen Passage bei weitem nicht erreicht wird.

James Newton Howard hat es sich für “The Happening” nicht zu leicht gemacht, sondern mehr geboten als eine genretypische Standardvertonung. Besonders in den atmosphärisch dominierten Passagen mit Cello-Solo gelingen einige reizvolle Momente, während die abschreckenden Musikeinsätze selten mehr bieten als dies. Insgesamt wirkt der Score kohärent und sauber orchestriert und bestätigt jenen soliden Howard, der sich zuletzt mit gut gemachten Mittelklasse-Scores stabilisiert hat. “The Happening” ist weder richtig gut, noch richtig schlecht; es ist gehobenes Mittelmaß.

Jan Titel / 30.06.08

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