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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Good, The Bad and The Ugly (Ennio Morricone)

Capitol / 2004

CD

Bewertung:


    1. The Good, the Bad and the Ugly (02:38)
    2. The Sundown (01:14)
    3. Sentenza (01:39)
    4. Fuga A Cavallo (01:05)
    5. Il Ponte Di Corde (01:51)
    6. The Strong (02:19)
    7. Inseguimento (02:22)
    8. The Desert (05:14)
    9. The Carriage of the Spirits (02:06)
    10. La Missione San Antonio (02:13)
    11. Padre Ramirez (02:36)
    12. Marcia (02:49)
    13. The Story of a Soldier (05:30)
    14. Il Treno Militare (01:22)
    15. Fine Di Una Spia (01:12)
    16. Il Bandito Monco (02:43)
    17. Due Contro Cinque (03:45)
    18. Marcia Without Hope (01:48)
    19. The Death of a Soldier (03:07)
    20. The Ecstasy of Gold (03:20)
    21. The Trio (07:14)

    TT: 58 min

“The Good, The Bad and The Ugly” gehört in die vielleicht wichtigste Phase der Karriere von Ennio Morricone. In den späten sechziger Jahren, nachdem der in Harmonielehre und Komposition studierte Römer schon als moderner Nachwuchskomponist auf sich aufmerksam gemacht hatte, schaffte er nämlich auch den Durchbruch zum internationalen Star der Musikszene - in einem Genre das er zunächst nur als Nebenbeschäftigung auffasste: in der Filmmusik. Seine Kooperationen mit dem italienischen Regisseur Sergio Leone schuf das sowohl musikalisch als auch filmisch eigenständige Genre des Spaghettiwestern und definiert Morricone zumindest in den Augen der breiten Masse auch heute noch als Filmkomponist.
Neben dem Klassiker “Once Upon A Time In The West” ist “Zwei Glorreiche Halunken” (so der deutsche Titel) definitiv das repräsentative Beispiel für die Westernmusiken aus dieser Schaffensperiode. Typisch sind vor allem der opernhafte Aufbau der Scores, der sich in klar und prägnant ausgespielten Themen und wenig hintergründigem Einsatz der Musik auszeichnet. Zumeist agiert die markante Untermalung (sehr szenisch) sogar als Hauptdarsteller in Leones Ensemble, bekannt ist die Geschichte, dass Morricone die komplette Musik von “Spiel mir das Lied vom Tod” bereits zu den Dreharbeiten vollendet hatte, um sie dann als Akteur bei den Aufnahmen zu spielen. Im Zusammenhang mit diesem ausgefeilt-plakativem Musikeinsatz ist auch der ironisch-überhöhende Unterton der Musik zu konstatieren, der wie ein roter Faden das Gesamtwerk prägt.

Im Gegensatz zu dem wesentlich bekannteren “Spiel mir das Lied vom Tod” hat Morricone hier das Wesen dieser Art von Underscoring noch idealtypischer umgesetzt. Zu der ironisch-fatalistischen Story um den wortkargen, aber gutherzigen Revolverhelden Clint Eastwood komponierte er mit dem überragenden “Main Theme” und dem donnernden “Ecstasy Of Gold” zwei der besten Tracks seiner Karriere. Das Titelthema vereint alle Merkmale des Scores auf sich. Nach einigen Paukentrommeln, Flöten- und Pfeifeinwürfen, setzt Morricone mit dem vollen Orchester, Steel Guitars und einem kräftigen Bläsersatz ein einfallsreiches, kraftvolles Thema in Szene. Besonders markant ist der dramatisch fauchende Männerchor und die fast ekstatisch kreischenden Frauenstimmen. Der kraftvolle, punktierte Rhythmus scheint wie die Umsetzung des Galoppreitens und die kräftigen Synthesizergeräusche runden den Titel originell ab. Alles in Allem gelang Morricone hier ein mit den Klischees spielendes, dynamisches und einpräsames Stück Musik, für das das Attribut Kult zutreffend erscheint.

Das Thema findet im Film fast immer in seiner reinen Form, ironisch-überhöhend an einigen wenigen Stellen Anwendung. Überhaupt findet sich in dem gut zweieinhalb-stündigen Film recht wenig Musik, die dann aber sehr prägnant und markant zum Einsatz kommt. Das Konzept beinhaltet dabei ganz klar, dass die Musik vom durchschnittlichen Zuschauer bemerkt wird und dieser sie als ironisch-dramatischen Kommentar zur Handlung wahrnimmt. Zu nennen wäre vor dem Finale noch die dramatische Wüstensequenz.
Im Finale etabliert Morricone zwei gänzlich neue Themen. Nachdem sich die ganze Handlung um vergrabenes Gold auf einem Soldatenfriedhof gedreht hat, erreichen die drei Hauptfiguren letztendlich das gelobte Fleckchen Land. Einer der frei Figuren gerät ob des Erreichens des Ziels dermaßen in Verzückung, dass er völlig ekstatisch über den Schauplatz rennt, was mit brillanter Schnitt- und Kameratechnik eine eindrucksvolle Sequenz ist. Das dazu erklingende Stück “Ecstasy of Gold” ist ein rauschhafter Bilderbogen, das die choralen und vokalen Elemente in Morricones Westernmusiken packend zusammenfasst. Nach einem Oboenintro lässt der Italiener den Percussions, dem Orchester und den Vokalparts freien Lauf mit der fast orgiastisch zu nennenden Interpretation des neuen Themas.
Die aber vielleicht interessanteste musikalische Untermalung findet sich in dem darauffolgenden, gedehnten Finale, in dem sich die drei Konkurrenten um den Schatz im Dreieck auf dem Friedhofsplatz gegenüberstehen. Alle die Hand am Colt, alle auf das äußerste gespannt - Sergio Leone schneidet 5 Minuten lang Totalen gegen Nahaufnahmen der Augenpaare, der Colts oder der Stiefel. Morricone setzt dagegen ein kraftvoll-packendes Trompetenthema, welches dem gesamten Aufbau der Szene eigentlich widerspricht. Denn obwohl eigentlich nichts passiert, baut er mit dem dynamischen, dramatischem Thema eine ungeheure Spannung auf. Diese essentielle Rolle, die die Musik dort spielt ist quasi das Fazit aus dem Western-Konzept von Morricone und Leone. Es ist eine Lehrstunde im Erschaffen und Konterkarieren von Klischees und als solches in einer Sammlung unverzichtbar.

Fazit: Morricones Musik ist von einem musiktheoretischen Standpunkt nicht unbedingt als Highlight zu bezeichnen, dennoch stellt sie einen der wichtigsten Bausteine in Morricones Karriere dar, weil sie in exemplarischer Manier eine bestimme Art des Vertonens von Filmen aufzeigt. Dass hier eine subtile Dramaturgie zugunsten von opernhaften Strukturen zurückgestellt wurde, mögen einige als Manko ansehen, im Kontext des Films ist dies aber ein gelungener Schachzug. So ist eine Kenntnis dieser Musik jedem zu empfehlen, besonders zu erwähnen ist die erweiterte Fassung von Capitol Records 2004. 

Jan Zwilling / 04.08.07

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