Kritiken
The Ghost and The Darkness (Jerry Goldsmith)
Hollywood / 1997
Bewertung:

Kommentar zum Film
Eigentlich ist ihm der Erfolg zu gönnen. Denn eigentlich gehört Regisseur Stephen Hopkins zu den soliden Handwerkern in Hollywood. Keiner seiner Filme ist jemals wirklich zum kommerziellen Riesenerfolg geworden (seine „Lost in Space“-Neverfilmung wurde gar zum handfesten Flop), doch weist seine Filmographie eine handvoll handwerklich äußerst sauberer Mainstream-Filme auf („Under Suspicion“, „Explosiv – Blown Away“, zuletzt etwas schwächer „The Reaping“ und eben auch „The Ghost and the Darkness“), die auch – man beachte - gewissen Ansprüchen an filmimmanente Logik gerecht werden, vom sich meist einstellenden finanziellen Achtungserfolg an den Kassen ganz zu schweigen. Hopkins ist der Typ von Regisseur, dem man als Produzent immer dann ein Projekt in die Hände reicht, wenn man kein Wagnis eingehen möchte. Wirklich Umwälzendes sucht der Zuschauer im Endergebnis daher zwar vergebens, doch einen gediegenen, nicht gänzlich anspruchslosen Unterhaltungsfilm bekommt er am Ende immer noch geboten. Popcornkino der oberen Mittelklasse also.
Das ist heutzutage bei der Suche nach dem schnellsten aller Gelder auch durchaus schon ein Verdienst und nicht zuletzt deswegen möchte man einem Handwerker wie Hopkins von Herzen den anhaltenden Erfolg eigentlich gönnen, den er mit dem Serienthriller „24“ hat (diverse Emmys und Golden Globes plus Top Quoten). Dass dieser Erfolg jedoch auf dem zum Teil gewaltverherrlichenden Gestus der Serie fußt, in der dauernd Gefahr im Verzug ist und Folter somit als angebrachtes Mittel verharmlost wird, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und unterstützt Mutmaßungen, wonach der zumindest in Teilen des amerikanischen Fernsehens anhaltende Rechtsruck auch Hopkins erfasst hat. Und da sollte man eigentlich lieber etwas zurückblicken, auf Hopkinsens spannenden, handwerklich einwandfrei inszenierten Tierthriller „Der Geist und die Dunkelheit“ - ein weitaus weniger zwiespältiges Werk, das zu loben schon wesentlich leichter fällt und das einen eigentlich auch wieder davon überzeugt, dass Hopkins doch jeder Erfolg zu wünschen ist ...
Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich im Jahre 1898 ereignete. Damals begann das Britische Empire aus kolonialen Interessen heraus mit dem Bau vieler Eisenbahnstrecken in Afrika. Zu den ambitioniertesten, auch aus heutiger Sicht baukünstlerisch beachtlichen Leistungen zählte die 1928 fertiggestellt „Lunatic Line“, die sich noch heute von Mombasa (Kenia) bis nach Kampala (Uganda) erstreckt. „Der Geist und die Dunkelheit“ setzt in der frühen Bauphase dieser Bahnstrecke ein, während der sich Ungeheures ereignete: Beim Bau der Brücke über den Fluss Tsavo (Kenia) griffen kontinuierlich zwei Löwen die teils einheimischen, teils aus Indien stammenden Bauarbeiter an. In neun unheimlichen Monaten brachten die zwei männlichen Tiere knapp 140 Menschen zur Strecke, was mit dem normalem Jagdtrieb dieser Geschöpfe nichts mehr zu tun hat. Tatsächlich waren die beiden Löwen den Eingeborenen derart ungeheuer, dass diese ihnen die mystischen Namen „Der Geist“ und „die Dunkelheit“ gaben, womit auch heute noch mitschwingt, dass die Tiere bei ihren Angriffen des Nachts wie aus dem Nichts erschienen und ebenso schnell verschwanden.
Doch nun trat der historische und filmische Heros auf den Plan, der britischen Col. John Patterson. Ihm hat die Nachwelt zwei Dinge zu verdanken: Zum einen, dass er die beiden Tiere schon kurz nach seinem Eintreffen, allerdings erst nach mehreren Versuchen erlegte und zum anderen, dass er mit seinen Memoiren den Wissenschaftlern heute noch wichtige Hinweise auf dieses brisante Ereignis gibt. Denn bis heute beschäftigt das Phänomen dieser zwei sich abnormal verhaltenden Löwen Tierforscher auf der ganzen Welt. Vor Allem das Field Museum in Chicago, in dem die beiden ausgestopften Tiere ausgestellt sind, unternimmt regelmäßig Expeditionen an den Tsavo und forscht auch auf genetischer Ebene nach den Ursachen.
Was für ein Filmstoff, sagt man sich da zu Recht. Und wundert sich, dass es so lange dauerte, bis sich Hollywood diesem attraktiven Mix aus Tierhorror, Historien-, Mystery- und Naturfilm annahm. In der dramatisierten Form der Ereignisse machen nun Michael Douglas (der auch als Produzent des Filmes tätig war) in der erfundenen Rolle des amerikanischen Jägers Remington und Val Kilmer in der Rolle Pattersons Jagd auf die beiden Löwen. Über 109 Minuten erstreckt sich das kurzweilige Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mensch und Tier und unterhält dabei (wie könnte es bei Stephen Hopkins anders sein) auf annehmbarem bis gutem Niveau.
Zu den Leistungen der Darsteller lässt sich weniger rühmliches sagen, denn Schwachpunkt des Filmes sind klar die Hauptrollen. Michael Douglas spielt den amerikanischen Großwildjäger Remington sehr aufdringlich und zielt dabei überdeutlich auf die Figur des Quint aus „Der Weiße Hai“ ab. Doch Douglas bleibt hier einfach nur Douglas, von der Qualität eines Robert Shaw ist er weit entfernt und so ist sein Spiel etwas nervig. Und warum Hollywood in so vielen gänzlich unamerikanischen Stoffen seine Quotenyankees einbauen muss, bleibt ebenso ein Rätsel. Wer von Douglas’ enervierendem Charakter jedoch profitiert ist Val Kilmer in der Rolle des Brückenbauers Patterson. Tendenziell auch eher blass, fällt er zumindest nicht unangenehm auf und wirkt nicht ganz so deplaziert wie anderweitig (z.B. in „Batman Forever“ oder „The Saint“), was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass schon allein vom Aussehen her ein anderer Schauspieler besser geeignet gewesen wäre. Zu jung, zu glatt und zu unirisch ist Kilmer für die Hauptfigur. Kurzum: Die Hauptrollen vermögen es kaum, den Film lebendig zu machen, dazu muss man schon die Nebendarsteller bemühen. Bernard Hill als Feldarzt Hawthorne und Brian McCardie als idealistischer Missionar Starling sind in den Nebenparts deutlich besser besetzt und heimlicher Star des Filmes ist John Kani, der den Eingeborenen Samuel erfrischend natürlich spielt. Gerade seine Rolle verleiht dem Film etwas Unverbrauchtes.
Hinter der Kamera geht es weniger zwiespältig zu, die Leistungen sind allesamt im guten Bereich anzusiedeln, was wohl auch daran liegen mag, dass neben Stephen Hopkins auch anderer Orts „alte Hasen“ im Geschäft engagiert wurden. Das beginnt schon beim Drehbuch von Veteran William Goldman („Die Brücke von Arnheim“, „Magic“, „Misery“), welches sich nicht in allzu breitgetretenen Subplots verliert, wie es manche krampfhaft auf Tiefsinn abzielende Skripts heute tun. Sich auf die 1907 in Buchform erschienenen Erinnerungen Pattersons stützend, setzt Goldman die wahre Begebenheit vielmehr in einen sinnvollen dramaturgischen Rahmen und hält sich in punkto Aberglaube und Diabolisierung der Tiere vielleicht sogar ein bisschen zu sehr zurück, bleibt diese durchaus interessante Metaebene doch gänzlich unbestellt. Kameramann Vilmos Zsigmond (Oscar 1977 für „Die Unheimliche Begegnung der Dritten Art“) setzt die Handlung und besonders den Schwarzen Kontinent gekonnt in Szene und manch raffiniertes Lichtspielchen konnte man dem damals bereits 67-jährigen ebenfalls noch entlocken.
Und was die Löwenangriffe angeht: Auch hier zeichnet sich mit Stan Winston ein altgedienter Experte verantwortlich. Das Skript enthält nämlich einige sehr knifflige Tierszenen, bei denen die dressierten Löwen, mit denen hauptsächlich gearbeitet wurde, durch Animatronikpuppen ersetzt werden mussten. Das mutet meist jedoch so realistisch an, dass man den Übergang kaum merkt; hier gilt auch ein Lob an den sehr guten Filmschnitt. Gleichwohl sind echte Tiere im Film fast immer eindrucksvoller und so lebt „The Ghost and the Darkness“ nicht zuletzt auch von der unheimlichen Leinwandpräsenz des echten „Königs der Tiere“. Auch wenn die guten Toneffekte ihren Teil dazu beitragen, man kann einfach nicht abstreiten, dass den Löwen als archetypische Symbole für Kraft und Erhabenheit eine ungebrochene Anziehungskraft innewohnt, die sich der Film zu Nutze macht.
Eine sehr glaubwürdige Darstellung der Tiere, in all ihrer Stärke, Gewalt und (in diesem speziellen Fall) Boshaftigkeit ist das Resultat, sodass hier schlussendlich vor Allem hinter der Kamera alles von gehobener Qualität ist und edle Unterhaltung ohne große Schwachpunkte bietet. Das macht aus „Der Geist und die Dunkelheit“ zwar kein Meisterwerk und ein paar gute Gelegenheiten bleiben leider ungenutzt, doch ein achtbarer Film, den man auch mehrmals anschauen kann, ist das Werk mit Sicherheit.
Jerry Goldsmiths Filmmusik
Neben all den überdurchschnittlichen Leistungen hinter der Kamera sticht die Musik von Altmeister Jerry Goldsmith ganz besonders hervor, die ohne Frage zu den augenfälligsten Vorzügen des Streifens gehört. Denn auch wenn der Mann mit dem Pferdeschwanz im Jahre ’97 kaum durch Neuerungen begeisterte, lieferte er mit „The Ghost and the Darkness“ doch einen seiner besten Scores aus der zweiten Hälfte der 90er ab, in Anbetracht des Faktes dass jene 90er bei Goldsmith eher von solidem Alterswerk bestimmt waren. Doch die hinlänglich bekannten Standardstilismen eines Goldsmithscores der 90er, mit denen der Komponist eine Reihe grundsolider aber auch wenig aufhorchenswerter Filmmusiken z.T. gänzlich bestritt, treten hier erfreulicherweise zugunsten melodischen Einfallsreichtums, rhythmischer Prägnanz und einem Hauch Experimentierfreude in den Hintergrund und verweisen damit auf einen zweiten Score aus dieser Schaffensperiode des Komponisten. Denn beim Blick auf die Handlung des Filmes fallen sofort Parallelen auf zu einem anderen Streifen aus demselben Jahr, den Goldsmith ebenfalls musikalisch exquisit betreute: „Auf Messers Schneide“ („The Edge“). Passenderweise kämpfen auch darin zwei Männer gegen wildes Getier an, wenngleich der Schauplatz, ein kanadischer Wald, ein anderer ist und sich die beiden anstatt zweier Löwen einem ausgewachsenen Braunbären gegenüberstehen. Und auch wenn sich „The Edge“, nicht zuletzt dank seiner besseren Hauptdarsteller im Gegensatz zu „The Ghost and the Darkness“ durch weitaus besser entwickelte Charaktere und sogar die Andeutung menschlicher Abgründe auszeichnet, ist es dennoch nicht verwunderlich, dass Goldsmiths kompositorische Ansätze bei beiden Filmen sich bei genauerer Betrachtung sehr ähneln.
Wie „The Edge“ so gehört auch „The Ghost and the Darkness“ zu jenen Goldsmithmusiken der 90er, die klar von ihrem sehr schönen und kraftvollen Hauptthema getragen werden. Das Hauptthema von „The Ghost and the Darkness“ wird bereits im ersten Track vorgestellt und besteht eigentlich aus zwei motivischen Ideen: Zum einen findet sich hier gleich zu Beginn ein von Flöten intoniertes 4-Noten-Motiv und zum anderen im Höhepunkt des Stückes eine ausladende Bläserfanfare, die in den typischen Goldsmith-Hörnern eine kraftvolle Darbietung erfährt. Das 4-Noten-Motiv ordnet Goldsmith in seiner recht intimen Grundstimmung Col. John Patterson (Kilmer) zu, wobei es dem Zuschauer wie -hörer sowohl dessen Verbindung zur Heimat als auch seine schönen Begegnungen mit dem „dunklen Erdteil“ fortwährend ins Gedächtnis ruft. Aus diesem schön variierten Motiv entwickelt Goldsmith später ein volles Thema für Pattersons und Remingtons Jagd auf die wütenden Raubtiere. Das „große“ Thema ist ganz klar auf epischen Klang ausgerichtet, und behält, z.B. wenn es sanft in den Holzbläsern ertönt, diesen auch abseits donnernder Hornpassagen bei; dient es im Film doch nichts Geringerem als der Charakterisierung Afrikas. Und ohne Zweifel dürfte es mit seiner Eingängigkeit bei dem einen oder anderen Hörer schnell zum Favoriten werden, denn eine viel bessere musikalische Entsprechung erhielt der Erdteil in den letzten 20 Jahren Filmmusik selten. Dass Goldsmith sich bei Hopkins’ Film, wie er in den Liner Notes berichtet, an die alten Cinemascope-Filme David Leans erinnert fühlte, wird hier hör- und fühlbar.
Neben diesen beiden Hauptmotiven ist ein weiteres den eingeborenen Brückenarbeitern gegebenes und sehr einprägsames Thema für Pauken, Hörner und einen afrikanischen Solosänger das Dritte im Bunde („Lion’s Attack“). Auch hier kann man von einer sehr kraftvollen, aber gleichsam wehmütigen Signatur sprechen, die dank ihres donnernden Schlagwerks unmittelbar mitzureißen vermag. James Newton Howard zitierte den hieraus bekannten „Hojeh“-Ausruf übrigens in seinem Score zu „Dinosaur“.
Und dann wären da noch der „Geist“ und die „Dunkelheit“, die tierischen Antagonisten des Films. Ihnen ordnet Goldsmith ein düsteres Zweitonmotiv zu, das im Endeffekt nichts anderes ist, als eine Umkehrung des Bärenmotivs aus „The Edge“. Auch wenn das recht simpel anmutet, es ist äußerst effektiv und ein sehr interessanter Querverweis obendrein, wo die Attacken der Löwen musikalisch denen des Bären doch ohnehin ähneln. Wo Goldsmith in „Auf Messers Schneide“ sehr viel erdige hölzerne Perkussion einsetzt, um den feuchten nordischen Schauplatz zu verdeutlichen, wird das Orchester in „Der Geist und die Dunkelheit“ zumeist im Schlagwerksektor um mannigfaches afrikanisches bzw. pseudoafrikanisches Klangkolorit verstärkt. Dadurch und durch zahlreiche Gesangspartikel afrikanischen Ursprungs erreicht Goldsmith ein äußerst überzeugendes Ambiente, das besonders in den Actiontracks („Lions Attack“, „Starling’s Death“, „Lions Reign“, „Final Attack“), die einen Großteil der Musik auf CD bestreiten, interessant ausgestaltet wird. Goldsmith setzt hier neben wild aufbrandendem Schlagwerk und echten Sängern auch eine wahrhaft unübliche Elektronik ein: synthetischen Gesang. Das mag befremdlich klingen und kann in den falschen Händen durchaus ziemlich schief gehen, aber die Art und Weise, wie Goldsmith diese sonderbaren Laute verwendet, ist schlussendlich an den meisten Stellen schlicht herausragend. Das ist sie zugegebenermaßen auch deshalb, weil Goldsmith keinen wirklichen Gesang sampelt, sondern zum allergrößten Teil nur kleinteilige Gesangsfragmente, die vom schlichten Zischen über helles Aufschreien bis hin zu einsilbigen Ausrufen reichen und „The Ghost and the Darkness“ dadurch sogar einen wenn auch fahlen Abglanz jenes experimentierfreudigen Goldsmiths aus den 70ern bietet, bei dem das Verwenden befremdlicher Klänge noch viel mehr Methode hatte. Die Arrangements dieser synthetischen Klänge mit den perkussiv verstärkten sinfonischen Elementen der Musik gehören zum Ungewöhnlichsten, was Goldsmith in den 90ern komponiert hat und verleihen der Musik eine besondere Güte. Das gilt hauptsächlich für die teils sehr aggressiven Actiontracks, aber auch an melodischeren Stellen, wie beispielsweise in „The Bridge“, machen Goldsmiths Klangexperimente eine gute Figur.
Sieht man einmal von den Gesangssamples ab, setzt Goldsmith synthetische Elemente sehr sparsam, dafür aber umso gezielter ein. Leider fehlt auf der CD eine gerade diesbezüglich sehr interessante Stelle der Musik, die im Film die Entdeckung der wortwörtlichen Höhle der Löwen untermalt. Hier verwendet Goldsmith einen kehligen Ton, den er im selben Jahr zur Charakterisierung der Borg in „Star Trek - First Contact“ benutzte. An dieser Stelle verursacht dieser Synthesizereinsatz jedoch nicht nur ein schlichtes Gefühl der Bedrohung sondern vermittelt vor Allem den in dieser Szene sehr wichtigen Eindruck, dass die Löwen tatsächlich geisteskrank sind und nicht wie normale Tiere handeln. Michael Douglas’ Ausspruch „Die tun das nur zum Vergnügen” sorgt dabei auch dank der Musik für einen der wenigen glaubhaften Momente seines Charakters Remington, dem blankes Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht.
Ohne diese Passage beschränkt sich Synthetisches auf dem Album jedoch hauptsächlich auf die Actiontracks, deren Perkussionarrangements allerdings auch ohne einfallsreiche künstliche Klänge schon als besondere Attraktion der Musik gelten könnten. Goldsmith verlässt sich hier nicht auf ein bisschen Rascheln oder ausschmückendes Buschgetrommel. Seine Schlagwerkpassagen bilden stattdessen einen äußerst dynamischen, festen Bestandteil der Musik und sind auch aus kompositorischer Sicht recht vielfältig. Und an einigen Stellen mag manchem vielleicht sogar „The Wind and the Lion“ in den Sinn kommen, sobald sich eine furiose Schichtung über die nächste lagert, selbst wenn „The Ghost and the Darkness“ gerade rhythmisch nicht wirklich mit dem epischen Score zum Film mit Sean Connery konkurrieren kann. Doch auch hier fühlt man sich in dem Eindruck bestätigt, dass die Musik einige Relikte birgt, die für den ja immer noch äußerst versierten 90er Jahre-Goldsmith äußerst unüblich sind und man in den 80er Jahren zu suchen beginnen muss, um eine Entsprechung für die hiesige stellenweise beeindruckende Detailarbeit in einer Partitur des Komponisten zu finden. Ein allerfeinster Hauch des „alten“ Goldsmith ist da zu spüren, der Jahre später noch mal um einiges stärker in seiner Partitur zu „Hollow Man“ aufwehen sollte. Punktetechnisch mag das nicht zu fassen sein, doch allein diese Erkenntnis könnte manchen Anhänger des Komponisten in erhebende Stimmung versetzen.
Blickt man nun auf die CD, sprich das Album aus dem Hause Hollywood Records (Edel), so ist der Score darauf mit knapp 40 Minuten vertreten. Verbleibende 14 Minuten Spielzeit fallen auf Arrangements der afrikanischen Gruppe „Worldbeaters“, die einen kurzen Einblick in das Musikgut des schwarzen Kontinents ermöglichen sollen. Wahrscheinlich zielt diese Strategie auf ein New Age Publikum ab, doch in dieser Kürze dürfte das gebotene Material kaum befriedigend für denjenigen sein, der sich wirklich für solche Musik interessiert. Erneut also ein Soundtrackalbum, dass es allen recht machen will und es keinem recht macht? Zumindest von Goldsmiths Seite aus hätte der Film noch einiges an musikalisch interessanten Stellen zu bieten gehabt (Stichwort: „Die Höhle des Löwen“). Dazu kommt, dass die Musik vom wie immer hervorragend spielenden National Philharmonic Orchestra eingespielt wurde, für mehr Material also nur wenig Re-Use-Fees angefallen wären. Eine verschenkte Gelegenheit stellt die CD also allemal dar. Im Zuge der dem Tod des Komponisten folgenden Welle von Neuveröffentlichungen selbst seiner unbekanntesten und berüchtigtsten Werke („Runaway“), ist es jedoch nicht mehr ganz so unwahrscheinlich, dass „The Ghost and the Darkness“ dereinst das Glück einer erweiterten CD-Fassung widerfahren wird. Nachdem nun selbst „Unmögliches“ wie „Alien“ oder „The Burbs“, um bei den Glanzlichtern zu bleiben, neuveröffentlicht werden konnte, muss man derartige Hoffnungen zumindest nicht mehr allzu einfach abtun.
Sicherlich jedoch kann man mit dem vom Album Gebotenen zufrieden sein, liegt es doch recht repräsentativ und in tadelloser Tonqualität* vor und sind Filmmusik und Source Cues doch auch sauber voneinander getrennt, was ja genauso wenig selbstverständlich ist. Qualitativ bewegt sich der Scoreanteil wie auch bei „The Edge“ ganz klar im Bereich der 4 ½ Punkte. Zur Entscheidung zwischen beiden gezwungen würde ich jedoch „The Ghost and the Darkness“ den Vorzug geben. Hier ist der 90er Jahre Goldsmith nicht zuletzt in der Themenarbeit einfach noch ein Stück geschickter und das gelungene Experimentieren mit synthetischen Klängen, lange Zeit davor und danach nicht so selbstverständlich in einem Goldsmithscore wie weithin angenommen, gereicht ihm ebenso zum Vorteil, wie überzeugendes Detailwerk bei den Schlaginstrumenten. Von kleinen Abstrichen beim Albumkonzept einmal abgesehen, lege ich diese Musik also generell allen Filmmusikfreunden ans Herz. In dieser Güte findet man vom Maestro aus den 90ern kaum eine zweite Musik und somit sollte bei der inzwischen recht selten gewordenen CD jeder zugreifen, dem sich die Chance dazu bietet. Und sollte diese ausbleiben, bleibt die Hoffnung auf eine eventuelle Neuveröffentlichung.
*Eine Kuriosität am Rande: Die Albumcredits besagen, dass die Musik in den „Media Ventures“ Studios abgemischt wurde. Es ist durchaus vorstellbar, dass die erwähnten Soundsamples also von Hans Zimmer & Co. im Auftrag Goldsmiths angefertigt wurden. Und auch wenn „Media Ventures“ recht wenig dafür geleistet hat, so gehört „The Ghost and the Darkness“ damit dennoch ganz offiziell zu den besten Scores, die die zimmersche Filmmusikfabrik je verlassen haben.
Matthias Noe / 14.02.08
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