Kritiken
The Emperor’s Club (James Newton Howard)
Varese / 2002
Bewertung:

Filme über das Thema „Schule“ gibt es zahlreiche. Der berühmteste Film zu dem Thema ist sicher „Club der Toten Dichter“. Im Kino eher untergegangen ist „The Emperor’s Club“. Kevin Kline spielt darin den Lehrer William Hundert, der Geschichte unterrichtet, und dessen Spezialgebiet das römische Imperium ist, woraus sich auch der Titel des Films erklärt. Hundert bekommt einen aufsässigen Schüler in die Klasse, der sich als ausserordentlich intelligent aber auch als störrisch erweist, und der Tests weit unter seinem Potenzial abschließt. Die zweite Hälfte des Films spielt 25 Jahre später auf einem Klassentreffen.
Die Musik zu dem Film komponierte James Newton Howard. Der Score ist für ein kleineres Orchester und 3 Solisten konzipiert; zum Einsatz kommen Gitarre, Dulcimer (ein 4-saitiges Folklore-Instrument) und eine Solo-Violine. Stilistisch wirkt die Musik sehr an Thomas Newman und Rachel Portman orientiert, wahrscheinlich wurden beim Temp-Track deren Musiken benutzt. In der ersten Hälfte klingt es besonders nach Newman. Dies ergibt sich vor allem aus der Art, wie Howard hier Instrumente wie Klavier und Streicher einsetzt. Letztere werden in den ersten Tracks rhythmisch sehr akzentuiert eingesetzt, was stellenweise an Passagen aus „Shawshank Redemption“ oder „Road To Perdition“ erinnert. Besonders deutlich wird dies im „Main Title“ , in der „Teaching Montage“ und der „Quiz Montage.“
Die bereits erwähnte Gitarre wird übrigens von George Doering gespielt, der auch bei fast jedem Thomas Newman-Score als Solist mit von der Partie ist. Allerdings wird sie hier eher wenig solistisch eingesetzt, sondern erklingt als dem Orchester gleichberechtigtes Instrument.
In der zweiten Hälfte verliert die Musik ihren newmanschen Charakter und bewegt sich etwas mehr im Rahmen der Genre-Standards. Streicherteppiche und Holzbläser spielen hier hauptsächlich, unterstützt durch Harfen, Glockenspiel und Gitarre, leichtfüssige Melodien mit einem melancholischen Touch, bis der letzte Track mit einer gewissen Feierlichkeit, bei der dann auch das Blech nochmal zum Einsatz kommt, die CD abschließt. Hier war eher Rachel Portman das Vorbild. Thematisch bleibt das ganze recht blass. Es gibt zwar eine Art Hauptmotiv für Holzbläser oder Klavier, das aber nur beim aufmerksamen Zuhören richtig hängenbleibt.
Insgesamt ist die Musik sicher routiniert gearbeitet, die Nähen zu anderen Komponisten stören aber ein bisschen, zumal James Newton Howard durchaus einen eigenen Personalstil hat – dass er ihn hier so verleugnet, ist schon ein bisschen ärgerlich. Letztendlich ist „The Emperor’s Club“ aber noch eine solide Leistung.
Jan Boltze / 08.10.07
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