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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Departed (Howard Shore)

Silva / 2006

CD

Bewertung:


    01. Cops or Criminals (2:01)
    02. 344 Wash (2:03)
    03. Beacon Hill (2:36)
    04. The Faithful Departed (3:01)
    05. Colin (2:09)
    06. Madolyn (2:14)
    07. Billy’s Theme (6:58)
    08. Command (3:15)
    09. Chinatown (3:16)
    10. Boston Common (2:53)
    11. Miss Thing (1:45)
    12. The Baby (2:48)
    13. The Last Rites (3:05)
    14. The Departed Tango (3:38)

    TT: 42 min

Remakes von erfolgreichen ausländischen Filmen sind in Hollywood schon lange keine Seltenheit mehr. Dass deshalb „Infernal Affairs“, ein Thriller aus Hong Kong, der viel Erfolg beim Publikum hatte und auch reichlich Kritikerlob eingesteckt hat, mal als Hollywoodremake kommen würde, war eigentlich nicht besonders überraschend. Da das östliche Kino inszenatorisch aber deutlich mutiger ist als alles, was die Studiobosse sich jemals trauen werden, auf die Welt loszulassen, brauchte man eigentlich keine hohen Erwartungen an den Film zu haben. Als dann jedoch Martin Scorsese sich des Stoffes um zwei Doppelagenten (ein Polizeispitzel bei der Mafia, und ein Mafioso bei der Polizei), die sich gegenseitig enttarnen sollen, annahm, stiegen die Erwartungen dann doch ein wenig. Eine eindrucksvolle Besetzung (Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Alec Baldwin und Jack Nicholson) und die übrigen Genies hinter der Kamera, mit denen Scorsese so arbeitet (Schnitt: Thelma Schoonmaker, Kamera: Michael Ballhaus) weckten die Vorfreude auf den Film. Die hohen Erwartungen konnten letztendlich jedoch nicht erfüllt werden, das Original ist dem Scorsese-Film bei weitem überlegen. So hinterläßt Scorseses kürzlicher Oscargewinn doch ein bisschen Wehmut. Einerseits war der Preis für ihn längst überfällig, andererseits hätte er ihn nicht unbedingt für „The Departed“ verdient.

Unüblich für einen Scorsese-Gangsterfilm gibt es neben den wie immer gut ausgewählten Songs diesmal auch einen Score von Howard Shore.
Shore schrieb eine Partitur für 4 Sologitarristen, Streicherorchester und ein paar dezent eingewobene elektronische Elemente. Grund für diese Besetzung dürfte wohl Scorseses Idee sein, einen Tango als Hauptthema einzusetzen, um das Spiel auf Leben und Tod zu unterstreichen.
Das daraus resultierende Klangbild ist überwiegend melancholisch und nicht so sehr spannungserzeugend ausgefallen. In der Partitur für den Skandalfilm „Crash“ von David Cronenberg setzte Shore fast ausschließlich auf E-Gitarren- in den Spannungsmomenten von „The Departed“ baut Shore seine Cues auf diesen Erfahrungen auf, während in den anderen Tracks ausschließlich Akustikgitarren zum Einsatz kommen.
Neben dem schon erwähnten Tango gibt es noch ein Thema für Leonardo DiCaprios Charakter Billy Costigan, welches dem anderen Material nicht so unähnlich ist.

Die ungewöhnliche Herangehensweise ist das große Plus des Scores, denn handwerklich bleibt die Musik hinter anderen Arbeiten von Shore aus der letzten Zeit zurück. Auf der CD ist durchaus einiges Material redundant, die Variationen oftmals nicht besonders ausgefeilt, so dass das gar nicht mal so lange Album hin und wieder ein paar Durchhänger hat. Das klingt jetzt etwas härter, als es gemeint ist, denn die Arbeit von Shore gehört ohne Zweifel immer noch zu den interessanteren des Jahres 2006, so dass eine leicht überdurchschnittliche Bewertung schon angemessen erscheint.

Jan Boltze / 13.04.07

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