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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Dark Knight (Hans Zimmer & James Newton Howard)

Warner / 2008

CD

Bewertung:


    01. Why So Serious? (9:14)
    02. I’m Not a Hero (6:35)
    03. Harvey Two-Face (6:16)
    04. Aggressive Expansion (4:36)
    05. Always a Catch (1:40)
    06. Blood on my Hands (2:16)
    07. A Little Push (2:43)
    08. Like a Dog Chasing Cars (5:03)
    09. I am the Batman (2:00)
    10. And I Thought My Jokes Were Bad (2:29)
    11. Agent of Chaos (6:55)
    12. Introduce a Little Anarchy (3:42)
    13. Watch the World Burn (3:48)
    14. A Dark Knight (16:15)

    TT: 74 min

Dass bei Filmen mit einem Budget von über 180 Millionen Dollar die Marketingmaschinerie fleißig damit beschäftigt ist, einen Hype um den entsprechenden Film zu kreieren, ist nicht weiter überraschend. Aber bevor „The Dark Knight“ in Deutschland anlief, schwappten schon jede Menge Vorschußlorbeeren über den großen Teich herüber. So hatte der Film innerhalb von läppischen 18 Tagen ein Einspielergebnis von 400 Millionen US-Dollar erreicht – so schnell wie noch kein Film zuvor, und zwar mit großem Abstand. „Shrek 2“ schaffte dasselbe in vergleichsweise langen 43 Tagen. Und nicht nur das Publikum schätzte den Film – auch die Filmkritiker gerieten teilweise heftig ins Schwärmen. Herausgehoben wurde von allen gleichermaßen das Schauspiel von Heath Ledger als Batmans Gegenspieler, der „Joker.“ Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass Ledgers viel zu früher Tod im Alter von 28 Jahren in diese Bewertung mit reinspielt, da man nicht schlecht über den Verstorbenen reden wollte. Die Tatsache ist jedoch, dass der „Joker“ der charismatischste Bösewicht in einem Mainstream-Hollywood-Film seit langer Zeit darstellt und ein echter „Showstealer“ ist, neben dem etablierte Schauspiel-Schwergewichte wie Michael Caine, Gary Oldman und Batman-Darsteller Christian Bale nur noch „routiniert“ wirken. Hervorzuheben ist auch noch Aaron Eckharts Leistung als tragischer Held Harvey Dent, der nach einem schweren Schicksalsschlag zum Bösewicht „Two-Face“ verkommt.

Musikalisch wurde der Film wieder von Hans Zimmer und James Newton Howard betreut. Bei „Batman Begins“ konnte das außer bei den ganz festen Zimmerfans eher wenig Begeisterung hervorrufen, hatten sich doch beide für einen Ansatz entschieden, bei dem man dem Protagonisten im Fledermauskostüm kein heldenhaftes Thema gewidmet hat, sondern mit einer eher rhythmisch orientierten Klangpalette gearbeitet hat, die in der Ausarbeitung letzten Endes auch ziemlich schwach war. Aus simpelsten Motivfetzen strickte Zimmer seine Standard-Actioncues aus Drums und tiefen Streichern und Howard steuerte ein paar melodischere Momente in einem ganz anderen Stil bei, der sofort als Fremdkörper im musikalischen Gesamtkonzept auffiel.

Leider muss man feststellen, dass sich an diesem Strickmuster bei „The Dark Knight“ nicht viel geändert hat. Noch immer fällt es leicht zu sagen, wer von den beiden Komponisten welche Cues komponiert hat, und noch immer herrscht thematisch relative Leere. Die größte Neuerung ist das Motiv für den Joker. Zimmer hatte die (durchaus adäquate) Idee, den Charakter, dessen Philosophie das Chaos ist, mit eher formlos-abstrakter Musik darzustellen. Im Eröffnungstitel „Why So Serious?“ bekommt man es gleich zu Beginn der CD zu hören. Leider handelt es sich dabei letzten Endes nur um einen in der Lautstärke anschwellenden Akkord mit Sekundreibungen. Im Film funktioniert das gut, von CD vermag es auf die Dauer weniger zu beeindrucken, wenn auch der Track einer der spannenderen aus den letzten Zimmer-Jahren ist. Von der Instrumentierung mit seinen verzerrten Gitarren und teilweise gekratzten Streichern liebäugelt Remote Control Productions-Chef auch ein wenig mit Goldenthals „Heat“, ohne dessen musikalische Güte zu erreichen. Christopher Nolan nannte Michael Manns Film übrigens als größten Einfluß für „The Dark Knight“ und die Eingangsszene, die eben mit diesem Cue unterlegt ist, funktioniert auch ein wenig als Hommage an die Bankraubsequenz aus „Heat.“

Neben einem emotional sehr mitreißenden Cue von James Newton Howard über den tragischen Harvey Dent mit dem für den Komponisten charakteristischen Klavier- und Streichersound hat die über 70 Minuten lange CD leider wenig Neues zu bietet. Wenn man „Batman Begins“ schon kennt, vermag die CD kaum zu überraschen und bietet nur recht eintönige Actionmusik, die man auch aus der Schmiede Hans Zimmers schon besser gehört. Einzig „Like a Dog Chasing Cars“ versprüht ein wenig des oberflächlichen Reizes, den der deutsche Oscarpreisträger sonst immer recht souverän erzielt. Andere Passagen dafür sind, ohne konkret Note für Note abgeschrieben zu sein, ziemliche „alte Bekannte“ – das hochdramatische Streichercrescendo am Ende von „Watch The World Burn“ ist vom Aufbau her doch sehr stark an „Am I Not Merciful?“ aus „Gladiator“ angelehnt.

Fazit: Im Film durchaus eine gut funktionierende Musik, in der Zimmer zumindestens in Bezug auf den „Joker“ auch mal was für ihn Ungewöhnliches ausprobiert, dem er aber zu wenig an Variationen abgewinnen kann, um die Schwächen wettzumachen, die schon der „Batman Begins“-Score hatte: wenig spannende Motive, kein stilistisches Ganzes, weil James Newton Howard so komplett anders als Hans Zimmer komponiert, gleichförmige Actiontracks und insgesamt kompositorisch zu einseitig. Einen halben Punkt mehr als „Batman Begins“ hat sich das Duo dann aber doch erarbeitet – und landet somit bei 2,5 Sternen.

Jan Boltze / 06.09.08

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