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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Corpse Bride (Danny Elfman)

Warner / 2005

CD

Bewertung:


    01. Main Titles (02:06)
    02. According to Plan (03:45)
    03. Victor's Piano Solo (01:18)
    04. Into the Forest (04:35)
    05. Remains of the Day (03:27)
    06. Casting a Spell (01:25)
    07. Moon Dance (01:28)
    08. Victor's Deception (04:00)
    09. Tears to Shed (02:45)
    10. Victoria's Escape (02:31)
    11. The Piano Duet (01:53)
    12. New Arrival (00:42)
    13. Victoria's Wedding (03:15)
    14. The Wedding Song (03:01)
    15. The Party Arrives (03:21)
    16. Victor's Wedding (02:09)
    17. Barkis's Bummer (02:07)
    18. The Finale (02:35)
    19. End Credits Part 1 (01:50)
    20. End Credits Part 2 (02:33)
    21. Ball & Socket Lounge Music #1 (02:15)
    22. Remains of the Day (03:06)
    23. Ball & Socket Lounge Music #2 (01:10)
    24. Ball & Socket Lounge Music #1 (02:14)

    TT: 60 min

Mehr Phantasie bitte! So oder ähnlich könnte die erste hoffnungsvolle Durchhalteparole für dieses Filmmusikjahr lauten, denn nach dem bisher, von einigen soliden “Highlights” abgesehen, überraschungsarmen und unterdurchschnittlichen Filmmusikjahr läuten nun vor allem Fantasy-Produktionen den spannenden Herbst ein. Danny Elfman begann den Reigen mit dem einfallsreichen “Charlie & The Chocolate Factory”, Harry Gregson-Williams bricht auf nach “Narnia”, in Kürze stehen uns mit “Nanny McPhee” und “Harry Potter and the Goblet of Fire” zwei spannende Doyle-Musiken ins Haus und überraschenderweise versucht sich jetzt James Newton Howard am “King Kong”. Und nicht zuletzt ist es wieder Elfman, der mit der zweiten Musik dieses Herbstes die Phantasien der Zuschauer beflügelt, mit dem Score + Songs zu Tim Burtons Trickabenteuer “The Corpse Bride”.

Im Falle von “The Corpse Bride” könnte man auch eine zweite Parole anbringen: back to the roots! Das magische Gespann Tim Burton und Danny Elfman wandelt hierbei sprichwörtlich auf den Spuren der Vergangenheit, denn obwohl es inhaltlich keinerlei Verbindung gibt, steht der neue Animationsspaß dem Abenteuer “A Nightmare Before Christmas” sehr nahe. Der morbid-skurrile Grundton der Geschichte, das handgemachte Animationsverfahren mit ausgefeilten Stop-Motion-Puppen und nicht zuletzt die Musical-Einlagen schlagen eine breite Brücke zwischen den Werken. Und auch Elfman begibt sich stilsicher und mit Einfallsreichtum auf eine Reise durch seine früheren Werke, gewinnt ihm aber eine unterhaltsame Neuinterpretation ab.
Der Score deckt die vielen verschiedenen Dimensionen der Geschichte durch Stimmungen und Themen ab. Im Grunde ist “The Corpse Bride” nebst aller makabren Ausflüge eine romantische Geschichte und so legt Elfman sein Hauptthema als streicherbetontes, elegisches Stück an, welches im leicht märchenhaften Unterton (Glockenspiel, Celesta) auf “Edward Scissorhands” hinweist, aber auch dem archaischen Charakter der Geschichte durch ein Spinett unterstreicht. Cellopassagen und ein ätherischer Chor formen den romantischen, jedoch dunklen Charakter der Eröffnung. Das Thema ist enorm vielen Variationen unterworfen, so wird es für Victors Flucht, “Into The Forest”, herrlich mit einem peitschenden Chor und wütend aufspielendem Orchester eingesetzt. In dem tumultartigen Arrangement erscheint es plötzlich in den Streichern, dem Chor oder dem Blech, was schon zeigt, dass Elfman hier auf technisch sehr reifem Niveau arbeitet.

Weitere Themen werden durch Songs vorgestellt, am markantesten ist vielleicht “Remains Of The Day”, welches als eine Art New Orleans Jazz Big Band Stück der skelettierten Leichen gedacht ist und ein sehr launiges Stück ist. Kräftige Bläserlinien, Riffs am Bass und eine rauchige Gesangstimme sind erst der morbide Anfang, denn im Stück erweist er seinen eigenen Scores wie “Sleepy Hollow” durch einen schaurig-gothischen Ausflug ebenso Referenz wie der grandiosen Skelett-Musik von Bernard Herrmann für “Sindbads Siebte Reise”. Xylophone in allen Varianten treiben den Rhythmus voran und spielen sogar melodische Fetzen, ein wunderbarer Schachzug für die untoten Toten. Mit ähnlichem Augenzwinkern baute Elfman ein Zitat der Mondschein(!)sonate von Beethoven und im Film sogar aus “Gone With The Wind” ein.
“According To Plan” untermalt die Hochzeitsvorbereitung der beiden Elternpaare und zeigt die gewohnt perfekte Synthese zwischen Musik und Text, denn neben dem einfallsreichen Arrangement wartet Elfman mit Mickey-Mousing auf, zum Beispiel wird die Zeile “We’ll be there, we’ll be seen, having tea with the queen” mit einer verschmitzt-stolzen Fanfare begleitet. Das Springen zwischen den Stilen wirkt bei Elfman wie aus einem Guss, auch das wunderbare Stück “Tears To Shed” (gesungen von Helena Bonham Carter) wirkt nicht wie ein Fremdkörper. Es hat mittelalterliche Anleihen, einen introspektiv-elegischen Mittelteil und nimmt den romantischen Faden wieder auf. Eher klassische Anleihen nimmt sich Elfman für “The Wedding Song”, ein schmissiger Hochzeitchor taucht auf und ein sehr bekannter Hochzeitsmarsch schimmert durch das Arrangement. Auch hier ist der Spaßfaktor der Musik sehr hoch, doch bei genauerer Betrachtung steht die technische Fertigung dem kaum nach und die Ideen wirken stimmig und frisch.

Nun betritt Elfman mit der Musik kein wirklich neues Terrain, obengenannte “Nightmare Before Christmas” und “Edward Scissorhands” stehen Pate und zuweilen hört man auch einen Touch “Spiderman” oder “Charlie und die Schokoladenfabrik” hindurch. Die Wege sind also durchaus schon begangen, aber ausgetretene Pfade sind es noch nicht, denn mit Pfiff und Einfallsreichtum gewinnt Elfman seinem Konzept viel Kurzweiligkeit ab, und die technische Ausführung ist ebenfalls hörenswert. Insgesamt würde ich “The Corpse Bride” zwischen 4 und 4,5 Sternen einordnen, die vier wenn es mit der Vernunft zugeht und die viereinhalb wenn der Spass aus einem spricht. Verteilen wir also kurz und schmerzlos 4 dicke Sterne mit Ausrufezeichen und gehen frohgemut in den Herbst. Mehr Phantasie!

Jan Zwilling / 01.02.07

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