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Kritiken

The Chronicles Of Narnia: The Voyage Of The Dawn Treader (David Arnold)

Sony / 2010

CD

Bewertung:


    01. Opening Titles (01:07)
    02. The Painting (02:28)
    03. High King and Queen of Narnia (01:33)
    04. Reepicheep (00:58)
    05. Land Ahoy (01:43)
    06. The Lone Island (01:51)
    07. Lord Bern (01:01)
    08. The Green Mist (01:16)
    09. Market Forces (01:53)
    10. 1st Sword (01:17)
    11. Eustace on Deck (01:11)
    12. Duel (01:45)
    13. The Magician’s Island (04:30)
    14. Lucy and the Invisible Mansion (05:24)
    15. Coriakin and the Map (02:58)
    16. Temptation of Lucy (01:16)
    17. Aslan Appears (00:49)
    18. The Golden Cavern (02:04)
    19. Temptation of Edmund (01:58)
    20. Dragons Treasure (02:53)
    21. Dragon Attack (02:30)
    22. Under the Stars (02:56)
    23. Blue Star (01:04)
    24. Aslan’s Table (02:32)
    25. Liliandil and Dark Island (01:30)
    26. The Calm Before the Storm (01:49)
    27. Into Battle (11:03)
    28. Sweet Water (02:06)
    29. Ship to Shore (03:52)
    30. Time to Go Home (02:46)

    TT: 72 min

Die Verfilmungen der Narnia-Romane des Autors C.S. Lewis gehören zu den erfolgreichsten Fantasy-Streifen der jüngeren Hollywoodgeschichte. Der erste Teil ("The Lion, The Witch And The Wardrobe") schafft es in der Liste der weltweit einträglichsten Filme aller Zeiten mit 745 Mio. Dollar immerhin auf Platz 38. Der Nachfolger ("Prince Caspian") war zwar deutlich weniger erfolgreich, schaffte aber immerhin noch ein Einspielergebnis von knapp 420 Mio Dollar. Es bestanden also keine Zweifel, dass auch ein dritter Teil produziert werden wird, obgleich die Reihe künstlerisch keinen besonderen Eindruck hinterließ. “The Voyage Of The Dawn Treader” läuft seit Dezember 2010 in den Lichtspielhäusern weltweit und dürfte erstmalig seine immensen Produktionskosten von 155 Mio. Dollar nur knapp amortisieren - wobei erfahrungsgemäß ein Film profitabel ist, wenn er das Budget im Heimatmarkt einspielt.

Als ebenso mittelmäßig wie die Filme konnte man bisher die Filmmusik der Reihe einstufen. Harry Gregson-Williams bot zwei zwar im Ansatz angenehme, weil wenig bombastische Scores für die Teile Eins und Zwei, schaffte aber kaum längerfristig im Gedächtnis bleibende Vertonungen. Insofern ist es grundsätzlich zu begrüßen, mit David Arnold einen neuen Komponisten in die Reihe zu holen. Der Schöpfer von “Stargate”, “Independence Day” und allen James-Bond-Scores jüngeren Datums gilt zudem als ausreichend talentiert, um eine solche Musik zu stemmen.
Arnold legte folgerichtig einen deutlich griffigeren Orchestersatz hin als sein Vorgänger. Er schöpft aus dem vollen Orchester nebst Chor und orientiert sich dabei weniger an klangmalerischen, die Grenzen des New Age streifenden Stilismen wie sein Vorgänger als an handfester, altmodischer Abenteuermusik. Das ‘altmodisch’ bezieht sich dabei aber weniger auf wirklich ‘altes’ wie “The Sea Hawk” oder “Don Juan” von Korngold und Steiner, sondern auf familiengerechte Abenteuer jüngeren Datums. Konkret kommen “Hook” von John Williams oder “The Pagemaster” von James Horner in den Sinn, aber auch Arnold selber war stilistisch mit beiden oben genannten Science-Fiction-Musiken nicht weit weg vom Narnia-Klang 2010. Kräftige Blechbläserlinien,viel Percussions und Streicher vor allem in warmen Tutti stehen und standen für einen ehrlichen Orchesterklang, der den direkten Draht zum Kinobesucher suchte - aber kaum Finessen für einen intensiven zweiten Blick übrig ließ.

Neben seiner orchestratorisch konservativen Ausführung versucht die Musik aber auch durch die thematische Gestaltung eher im traditionellen Milieu zu punkten. Eine handvoll Leitmotive etablierte Arnold und dirigierte sie lehrbuchmäßig durch die Partitur. In den “Opening Titles” werden die beiden Hauptmotive vorgestellt, ein sich wiederholendes dreinotiges für die “Dawn Treader” und ein eher lyrisch gleitendes für die Pevensie-Sprösslinge, den mittlerweile den Kinderschuhen entwachsenen Hauptcharakteren der Filmreihe. Besonders das durch die Wiederholungen einprägsame Titelmotiv schafft es durchaus, am Ende der Musik als Ohrwurm einige Stunden nachzuhallen. Arnold setzt es durchweg als Erkennungsmarke in verschiedener Klangfärbung ein, etwa mystisch mit Hörnern in “The Painting” oder als Streicherschmachtfetzen nebst pastoralem Blechkontrapunkt in “Time To Go Home”.
Nebenmotive schaffen derweil keine solch ohrfälligen Momente, bemerkenswert ist allenfalls noch der kurze Auftritt von Harry Gregson-Williams’ Motiv für den Löwen Aslan und ein aus Godzilla entlehntes Motiv für die Mäuse in “Reepicheep”. Arnold selbst hatte die Melodie nach eigenen Aussagen so liebgewonnen, dass er sie in anderem Kontext (sprich in anderer Orchestration wie hier gezeigt) wiederverwenden sollte. Dies ist nun weder eine sonderlich einfallsreiche Idee noch der Mühe wert, sich deswegen über die Maßen zu echauffieren. Im melodischen Kontext seiner Narnia-Musik fällt das Motiv weder negativ noch positiv auf.
Als eher störend, im Nachhinein aber vernachlässigbar, erweist sich die Nähe des Actionscorings zu Arnolds Bond-Vertonungen. Wird das Arrangement nicht vom wuchtigen Chor getragen, spielen sich mitunter Percussions (Trommeln, Pauken und Becken) in den Vordergrund. Gemeinsam mit fetzigen Blechbläserlinien geraten die Passagen, am offenkundigsten in “The Lone Island”, so deutlich in die Nähe der Agentenikone, dass die klangliche Geschlossenheit der Musik leidet. Dies betrifft letztlich aber nur kurze Abschnitte der Partitur.

Die mit gut 70 Minuten prall gefüllte Soundtrack-CD von Sony dürfte insgesamt gesehen ihre Freunde finden. Wie eine Zeitmaschine versetzt sie einen zurück in die 90er Jahre, als Arnold, Horner, Williams und zu Teilen auch Goldsmith unverkrampft großorchestrale Musik zimmerten, deren mangelnder Tiefgang kaum negativ bemerkt wurde. Wer also Spaß an “The First Knight”, “Stargate” oder auch “The Musketeer” hatte, kann hier bedenkenlos zugreifen und wird sicherlich besser unterhalten als von Gregson-Williams’ Beiträgen.
Dem Genre etwas hinzuzufügen hat aber David Arnold ebenso wie sein Vorgänger nicht. Die Pfade sind ausgetreten, die Klangwelt bekannt, die Melodien keine Meilensteine und vor allem die Orchestration lediglich guter Durchschnitt. Arnold fehlt die Ambition zu klanglicher Finesse, zum kleinen Experiment oder zum Kontrastieren von Klangfarben. In jüngerer Zeit gab es zwei Scores die dies deutlich besser gemacht haben und mindestens eine Liga über “The Chronicles of Narnia: The Voyage Of The Dawn Treader” spielen: “The Golden Compass” von Alexandre Desplat und “Inkheart” von Javier Navarrete.

Jan Zwilling / 12.01.11

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