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Kritiken

The Chronicles Of Narnia: The Lion, The Witch and The Wardrobe (Harry Gregson-Williams)

Emi / 2005

CD

Bewertung:


    01. The Blitz, 1940 (02:32)
    02. Evacuating London (03:38)
    3. The Wardrobe (02:54)
    4. Lucy Meets Mr. Tumnus (04:10)
    5. A Narnia Lullaby (01:12)
    6. The White Witch (05:30)
    7. From Western Woods to Beaversdam (03:34)
    8. Father Christmas (03:20)
    9. To Aslan's Camp (03:12)
    10. Knighting Peter (03:48)
    11. The Stone Table (08:06)
    12. The Battle (07:08)
    13. Only the Beginning of the Adventure (05:32)
    14. Can't Take It In -- Imogen Heap (04:42)
    15. Wunderkind -- Alanis Morissette(05:19)
    16. Winter Light -- Tim Finn (04:13)
    17. Where -- Lisbeth Scott(01:54)

    TT: 71 min

Der Hollywood-Mainstream besteht seit Jahr und Tag vor allem aus Trends und aus jenen, die diese Trends Gewinn bringend nutzen wollen. Trendsetter wie Mel Gibson mit seinen “Lethal-Weapon"-Filmen für das Actionkino der Achtziger, die “Matrix"-Trilogie für ebenjenes der Jahrtausendwende oder “Gladiator” für das Historienfilm-Revival möchte jedes Studio gerne herausbringen. Wenn dies nicht gelingt, dann genügt das Aufspringen auf einen Zug, der sich gerade in Bewegung setzt.
“The Chronicles Of Narnia” versuchte im Jahr 2005 gleich auf zwei Wellen gleichzeitig zu reiten. Zum ersten suchte die Verfilmung eines Stoffes von C.S. Lewis den epischen Atem der Massenszenen und Parallelwelten des “Herr Der Ringe” zu kopieren und zum zweiten versprach eine kindliche Produktion im Kielwasser von “Harry Potter” eine riesige potenzielle Zielgruppe. Die Rechnung ging finanziell auf, mit fast 300 Millionen Dollar in den USA und fast 750 Millionen weltweit drängte sich das Projekt mitten unter die Geldmaschinen der Verfilmungen um Mittelerde und Hogwarts. Clevererweise verfilmte man mit “The Chronicles Of Narnia: The Lion, The With and The Wardrobe” Teile einer siebenbändigen Fantasyreihe, Fortsetzungen und weltweites Franchising waren also garantiert. Der zweite Akt folgt in Kürze in Ihrem Kino.

Aus künstlerischer Perspektive hinterließen “Die Chroniken von Narnia” gemischte Gefühle, was sowohl für den Film als auch für seine Vertonung gilt. Die Geschichte, angesiedelt auf dem englischen Land während des zweiten Weltkriegs, bietet einigen Kindern den Ausstieg aus dem tristen Alltag in eine fantastische Parallelwelt. Dort entdecken Sie neben wunderbaren sprechenden Tieren aber schnell Spiegelbilder der Realität, denn auch in Narnia werden selbstverständlich Kriege um die gerechte Sache ausgefochten. Im Kampf gegen die Weiße Hexe werden die Kinder dann unfreiwillig hineingezogen.Problematisch an der Verfilmung ist vor allem die erschreckend geradlinige und highlightarme Geschichte, die oft klinische Sauberkeit der Szenerie und die fast mit dem Holzhammer transportierten christlichen Erlöser-Allegorien. Es bleibt eine seltsam unbeseelt wirkende Fototapete, die wie eine Light-Version eines weit ambitionierteren Projektes wirkt.
Fast mit gleichen Worten lässt sich die Filmmusik von Harry Gregson-Williams treffend umschreiben. Gregson-Williams, der in den Jahren vor diesem Projekt seinen Kinderschuhen bei Media Ventures entwachsen war und mit “Chicken Run” oder “Shrek” Achtungserfolge erzielte, konnte in jenem Jahr mit “Kingdom of Heaven” und “Narnia” zwei Großprojekte an Land ziehen, jedoch gelang es ihm nur bei ersterem, künstlerisch Kapital daraus zu schlagen. Seine Musik zu “Narnia” orientiert sich stark an den eher flachen dramaturgischen Vorgaben des Films und greift zudem häufig auf modische Spielereien wie ätherische Chöre, das Duduk oder auch Klangsynthetik zurück. Den Erwartungen entsprechend, besetzt Gregson-Williams ein großes Orchester nebst Solisten und Chor, doch die Ausdruckskraft der Partitur bleibt leider hinter den Vorbildern von Howard Shore, John Williams oder auch Alan Menken zurück. Nach dem kräftigen, von holstschen Mars-Rhythmen durchzogenen Beginn ("The Blitz, 1940") setzt Gregson-Williams auf eher leise Töne. Viel Streicher, KLavier, Holzbläser und kleinere Klangspielereien wie Harfe und Glockenspiel prägen das erste Drittel des Scores. Dies ist durchaus nett gestaltet ("Lucy Meets Mr. Tumnus"), wird aber durch wenig einprägsame Melodik und dem leichten Hang zur Klangcollage verwässert. Vor allem der einfallslos eingesetzte Chor beschwört ein New-Age-Feeling, welches sympathische Ansätze in der Musik erstickt. Der künstliche Hall der Aufnahmetechnik tut sein übriges.

Mit “The White Witch” drängen sich die düsteren, dramatischen Aspekte der Geschichte stärker in den Film und die Musik. Gregson-Williams’ Reaktion darauf ist konventionell. Celli und Bässe fangen an, nervös zu rotieren, die Blechbläser geben gestoßene Einwürfe zum Besten und die Melodik löst sich zugunsten einer synthetisch überformten Klangcollage auf. Kraftvolle Einsätze sind der großen Trommel vorbehalten und wenn es besonders episch werden soll, tritt der Chor wieder in Erscheinung. “The Battle” versucht noch einmal einen größeren thematischen Entwurf, aber auch hier wirkt dies nur bemüht, blass und leicht hölzern. So will sich auch bis zum Ende des Films kein Profil in der Musik einstellen, denn der sinfonische Ansatz wirkt durch zu viele Konzessionen an den Zeitgeschmack und zu wenig prägende Ideen distanziert und unemotional. Mit diesem Wissen lässt sich eine Fortsetzung dieses Konzeptes (trotz Ansätzen einer leitmotivischen Durchdringung) schwer vorstellen, wir können also auf “The Chronicles Of Narnia: Prince Caspian” gespannt sein.

Fazit: Die vier nachgestellten Songs beweisen eins: Es wurde auf Biegen und Brechen eine massentaugliche, in New-Age- und World-Music-Sinfonik angesiedelte Musikuntermalung gesucht. Für den Score waren dies, zusammen mit der missratenen Filmvorlage, denkbar schlechte Voraussetzungen. Harry Gregson-Williams konnte so auch nur teilweise überzeugen, denn gelungenen Einzelmomenten (vor allem in der ersten Häflte) stehen viele beliebige, fast pop-sinfonische und dem Zeitgeist verhaftete Stücke entgegen. Es wird vor allem interessant zu beobachten sein, wie David Arnold diesen Faden für den dritten Teil der Reihe aufnehmen wird.

Jan Zwilling / 30.04.08

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