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Kritiken

The Chronicles of Narnia: Prince Caspian (Harry Gregson-Williams)

Disney / 2008

CD

Bewertung:


    01. Prince Caspian Flees (04:33)
    02. The Kings And Queens of Old (03:26)
    03. Journey To The How (04:39)
    04. Arrival At Aslan's How (02:53)
    05. Raid On The Castle (07:00)
    06. Miraz Crowned (04:42)
    07. Sorcery And Sudden Vengeance (06:15)
    08. The Duel (05:51)
    09. The Armies Assemble (02:17)
    10. Battle At Aslan's How (05:14)
    11. Return Of The Lion (04:10)
    12. The Door In The Air (07:50)
    13. The Call -- Regina Spektor (03:07)
    14. A Dance 'Round the Memory Tree -- Oren Lavie (03:38)
    15. This Is Home -- Switchfoot (03:58)
    16. Lucy -- Hanne Hukkelberg (04:31)

    TT: 74 min

Wenn es so etwas wie eine gefühlte Fortsetzungssättigung in Hollywood gibt, dann dürfte sie jetzt den Höchststand seit Anbeginn der Filmindustrie erreicht haben. Obgleich kaum mehr zweite und dritte Teile das Licht der Kinos erblicken als noch vor zehn Jahren, macht sich doch aufgrund des Fehlens von hervorragendem originalem Material im Mainstream Ernüchterung breit. So gibt es wenig Gründe, aufgrund von “The Chronicles Of Narnia: Prince Caspian” in Begeisterung zu verfallen. Schon der erste Teil der Fantasy-Reihe konnte nicht überzeugen und der Score von Harry Gregson-Williams entfachte ebenfalls nicht die Lust nach mehr. Schlechte Vorraussetzungen, möchte man meinen.

Sowohl der Film als auch die Musik vom ersten Teil von “Die Chroniken von Narnia” boten aber gewisse Ansatzpunkte, um positiv fortzusetzen. Gerade das erste Drittel des Films, welches ruhigen Schrittes die Charaktere vorstellt und wie ein Schleier die Welt von Narnia enthüllt, zählte zu den Stärken. Einige verspielte, magisch anmutende Passagen schafften es demnach auch in die Musik und boten mehr Hörspaß als die hölzern und statisch geratenen Actiontableaus der zweiten Hälfte. Doch wie es das Schicksal will, entwickelt sich die Reihe mit “Prince Caspian” stark in Richtung actionbetontem Fantasy-Abenteuer und läßt die kindliche Sicht auf die Dinge links liegen.
Somit ist auch der musikalische Ansatz von Gregson-Williams seiner zentralen Stärke des ersten Teils beraubt. Er ist gezwungen, langgestreckte, düstere Actionpassagen zu vertonen und verliert damit an Variabilität. Gleich zum Beginn des Films wird mit Prinz Caspian die neue Figur eingeführt und darf sich in einer nächtlichen Verfolgungsjag beweisen. Gregson-Williams ersann dafür ein neues Thema und kleidete es in dynamisch-dunkles Gewand. Schnelle Streicherläufe als Begleitung für langsam ansteigende, Dramatik signalisierende Einzeltöne des Bleches und viele stampfende und pulsierende Percussions prägen diesen Auftritt. Das Thema selber ist eine wenig einprägsame Melodie und wird von Streichern mit Chorbegleitung in die Action integriert. Schon hier stellt Gregson-Williams eine kleine Armada an Spielern zur Verfügung, was für einen auf den ersten Blick wuchtigen und markanten Auftritt sorgt, sich aber schnell zu wenig dynamischem Bombast abnutzt. Auffällig sind auch schon hier die elektronischen Bass- und Schlagwerkzusätze und die ingesamt wenig sinfonisch-inspirierte Ausarbeitung. Fast dupliziert kann man das Thema in “Battle At Aslan’s How” noch einmal hören, das fast identische Arrangement präsentiert die wenig Sinn für subtile Dramaturgie zeigende Vertonungsweise. Für kurze Momente gelingt auch hier die Untermalung von Heroik, Epik und Wucht, als ganzes ist der Cue aber zu unbelebt und statisch.

Neben diesem neuen Thema werden auch die Melodien und Motive aus dem ersten Teil in die Musik eingebunden. Besonders augenfällig ist die Übernahme von kompletten Passagen aus dem Track “The Battle”, welches das Narnia-Thema wieder aufgreift. Reizvoll sind auch die Anleihen an das Thema der Kinder im Titel “The Kings and Queens Or Narnia”. Dies ist eine der raren Stellen, an denen man erkennen kann, dass mit feinsinniger Themenentwicklung und schöner Instrumentierung mit Solo-Horn, Streichern und Glockenspiel weitaus mehr Magie und Phantasie erzeugen kann, als mit den überladenen Actiontableaus, die weite Teile der Komposition prägen. Gut die Hälfte der Titel sind ausschließlich Action gewidment und vorher kann sich ebenfalls nur selten eine bemerkenswerte Passage wie das pompöse “Arrival At Aslan’s How” in den Vordergrund drängen.
Sicherlich ist dies nicht der Fehler des Komponisten, sondern des Films, doch auch innerhalb dieses Rahmens war mehr Diffenziertheit und Detailarbeit denkbar. Warum gerade pulsierende elektronische Rhythmen und drönende Drumsets die markanten Stellen prägen, erschließt sich nicht. Dass Elektronik einen Fantasy-Film ganz großartig unterstützen kann, hat Jerry Goldsmith mit “Legend” bewiesen, die Art und Weise der synthetischen Unterstützungen in “Prince Caspian” rückt den Film aber eher in die Nähe von üblichen Actionkrachern. Dass dies letztlich die Oberhand gewonnen hat gegenüber den schönen Klangwelten des ersten Drittels des ersten Films, ist bedauerlich. Nach diesem Score hat die Welt von Narnia eine filmmusikalische Neubelebung durch David Arnold im dritten Teil durchaus nötig. Hoffen wir das Beste.

Zum Schluss eine Bemerkung zu den Songs: Wieder finden sich vier Lieder im Geiste des Songwriter/New-Age-Gestus von Teil 1 auf dem Soundtrack. In Ermangelung großer Namen gestaltet dies noch kitschtriefender, massenkompatibler und schwülstiger als zuvor. Diese wässrigen, pop-sinfonischen Lieder sind selbst im Vergleich mit dem mittelmäßigen Score überflüssig wie ein Kropf.

Jan Zwilling / 25.06.08

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