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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Bourne Ultimatum (John Powell)

Decca / 2007

CD

Bewertung:


    01. Six Weeks Ago (4:31)
    02. Tangiers (7:40)
    03. Thinking of Marie (3:51)
    04. Assets and Targets (7:18)
    05. Faces without Names (3:31)
    06. Waterloo (10:38)
    07. Coming Home (3:19)
    08. Man Verses Man (5:46)
    09. Jason Reborn (4:04)
    10. Extreme Ways (Bourne’s Ultimatum) -- Moby (4:22)

    TT: 55 min

2002 bestand das Agentenfilmgenre eigentlich nur noch ausschließlich aus den neuesten Bondfilmen, die keine gute Entwicklung nahmen – immer mehr doofe Sprüche von Pierce Brosnan und immer unglaubwürdigere Action (inklusive unsichtbarer Autos) führten dazu, dass viele Zuschauer das Interesse an Spionagethrillern verloren. Doch dann kam Jason Bourne und belebte das Genre neu, erdete es durch einen glaubwürdigen Charakter, der nicht unverletzlich war, Action, die überwiegend aus Faustkämpfen Mann gegen Mann und rasanten Autoverfolgungsjagden bestand.
Die Geschichte handelte von einem CIA-Killer, der sein Gedächtnis verloren hat, und von seinen ehemaligen Ausbildern ausgeschaltet werden soll, weil das Projekt „Treadstone“, bei dem er tätig war, zu heiß wird und eingestampft werden soll, ohne dass Geheimnisse darüber nach draußen dringen. Die CIA weiß zunächst nicht, dass Bourne unter Amnesie leidet.

Seit dem 06.09. läuft die zweite Fortsetzung in den deutschen Kinos. Wie bei den beiden Teilen zuvor schrieb John Powell die Musik, der das Konzept der bisherigen Vertonungen hier nahtlos ohne nennenswerte Überraschungen weiterführt.

Im Gegensatz zu anderen Actionscores von aktuellen und ehemaligen Zimmer-Zöglingen haben die „Bourne“-Scores schon immer recht viel auf rhythmisch komplexe Streicherläufe anstatt auf fett orchestrierte Melodien und Drumloops gesetzt. Dies ist auch im dritten Teil nicht anders, wenn auch die Musik stellenweise mit dem Pompösen liebäugelt.
Damit sind wir schon beim Schwachpunkt der Musik, denn nahezu die ganze Zeit ist die Musik wie ein alter Bekannter, es gibt wenig wirklich neue Einfälle. Ein paar Variationen des bekannten thematischen Materials sind recht gelungen und sehr eindrucksvoll. Als Beispiele hierfür sein die ersten beiden Tracks genannt. In „Six Weeks Ago“ wird ein melancholisches Thema aus den Vorgängerfilmen mit dramatisch-dynamischen Streicherostinati unterlegt und bekommt dadurch unerwartete Power. Der siebenminütige Track „Tangiers“ hingegen gefällt mit rasanter Actionmusik, die orientalisch angehaucht ist, ohne dabei in die Weltmusikklischeekiste zu greifen – auch hier dominieren die Streicher mit Pfiff das Geschehen, exotisches Instrumentarium kommt nur ganz am Anfang des Tracks für Sekundenbruchteile zum Einsatz. Der Cue „Assets and Targets“ verlässt sich zwar auch auf die typischen Bourne-Musikschemata, basiert dafür aber nicht auf schon früher benutzten Motiven. In „Faces without Names“, einer Szene, in der Bourne voller Schuldgefühle an alle seine Opfer zurückdenkt, die er ausgeschaltet hat, setzt John Powell dann noch eine neue, sehr kontemplative Melodie ein, obwohl ja in den ersten beiden Filmen für solche Momente schon ein Motiv für Fagott etabliert wurde – welches im späteren Verlauf der CD auch hier wieder zum Einsatz kommt.

Spätere Tracks hingegen wirken beinahe ein bißchen als ob der Music Editor per Copy&Paste Passagen aus der „Bourne Supremacy“ recycelt hätte. Gerade der 10minütige Track „Waterloo“, zu einer der Schlüsselsequenzen des Films bietet Rekombinationen von altem Material ohne nennenswerte Variationen. So hinterlässt die CD einen zwiespältigen Eindruck beim Hörer, sofern er schon mit den Vorgänger-CDs vertraut ist. Der dritte Score enthält zwar die rasantesten und interessantesten Cues der Reihe, aber auf der anderen Seite wird massiv recycelt. Eine Wertung von 3 Sternen erscheint mir hier deshalb angemessen, obwohl die Musik für sich selbst genommen eigentlich schon oberhalb des Durchschnitts anzusiedeln wäre.

Jan Boltze / 15.09.07

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