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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Adventures Of Robin Hood (Erich Wolfgang Korngold)

Marco Polo / 2003

CD

Bewertung:


    1. Main Title - Muted Fanfare (01:49)
    2. Sir Guy and Robin Hood (01:48)
    3. The Meeting (01:10)
    4. The Banquet (02:13)
    5. Robin Hood Outside - Robin Hood's Entrance - The Fight - The Chase of Robin Hood - The Victims (06:12)
    6. Robin Hood Meets Little John - Robin Hood Fights With Little John - Jolly Friendship (03:55)
    7. The Oath and The Black Arrow (01:58)
    8. The Fish - Robin Hood Fights With Friar Tuck (03:28)
    9. A New Companion (Friar Tuck) (00:55)
    10. Robin Hood Attacks Sir Guy's Party - The Attack (05:11)
    11. Flirt - Feast - Poor People's Feast - Gold (05:58)
    12. The Poor People (04:19)
    13. The Tournament - Robin Hood's Appearance at the Archery Field - Preparation for the Archery Contest - Robin Hood Starts to Shoot - Finale of the Archery Contest (06:37)
    14. Arrest of Robin Hood (00:47)
    15. Tribunal - The Jail (02:26)
    16. The Gallows - The Flight of Robin Hood (04:39)
    17. Love Scene (06:24)
    18. Arrest of Lady Marian (00:45)
    19. Much: The Knife Fight (01:10)
    20. Richard Meets Robin Hood - Richard The Lion Heart (04:03)
    21. The Procession (03:08)
    22. Prince John (01:32)
    23. The Battle - The Duel - The Victory (05:36)
    24. Epilogue (01:33)
    25. End Cast (00:35)
    26. Original Theatrical Trailer Music (04:15)

    TT: 82 min

Für den österreichischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold war der im Jahr 1938 entstandene Score zu “The Adventures Of Robin Hood” einer der bedeutendsten seiner Karriere. Und dies nicht - oder vielmehr nicht nur - wegen seiner musikalischen Qualitäten als wegen der tragischen, ungewöhnlichen Begleitumstände, unter denen die Komposition entstand.
Korngold, der bereits mit den Musiken zu “Captain Blood” oder “The Prince and The Pauper” ein etablierter und angesehener Künstler in Hollywood war, konnte sich dem starren Studiosystem zu Teilen entziehen und verbrachte einige Zeit jedes Jahr mit Kompositionen für Opernhaus und Konzertsaal in seiner Heimat Wien. Anfang des Jahres ‘38 arbeitete er an seiner Oper “Die Kathrin”, als er eine kurzfristige Meldung aus Hollywood bekam, ob er binnen weniger Tage seine Arbeit an der Vertonung zu “Robin Hood” beginnen könne. Die Familie Korngold reiste fast überstürzt nach Los Angeles, wo Erich Wolfgang Korngold nach der Sichtung des geschnittenen Films das Engagement ablehnte, weil er sich nicht der für ihn frustrierenden Arbeit aussetzen wollte, einen zu 90% aus Action bestehenden Film zu unterlegen. Der Einfall Hitlers in Österreich, die knappe Evakuierung seiner restlichen Familie und dringende Bitten der Produzenten veranlassten Korngold allerdings dazu, den Film in Angriff zu nehmen.

Aus dieser biographischen Situation heraus ist seine farbige und luftig-lockere Tonschöpfung zu “Robin Hood” fast erstaunlich zu nennen. Der Film (Mit Errol Flynn und Olivia de Havilland) ist eine augenzwinkernde Hommage an den Robin-Hood-Mythos, mit viel leichthumoriger Action, sattem Technicolor und dem damals unübertroffenen Budget von über 2 Mio. Dollar. Über den Film schreibt Rudy Behlmer im Booklet dieser Veröffentlichung: “The definitive Robin Hood for most people is the 1938 version, wherein many elements of popular entertainment are beautfully fused: fairy-tale romance, spectacle, colour, action, pageantry, humour, the triumph of right over might, the exultation of the Free Spirit, the lure of the greenwood, and a vague nostalgia for a partly mythical age of chivalry.”

Ebenso auf Unterhaltung angelegt ist Korngolds Score, der in mehrerer Hinsicht typisch für den Österreicher ist. Er enthält ein ganzes Bündel prägnanter Themen, prägt mit dem schwungvollen Actionstil ganz entscheidend den “Swashbuckler-Stil” und legt Zeugnis ab von den klassischen Wurzeln des Komponisten. So entstand eine bunte, unterhaltsame Mischung aus Fanfaren, schwelgerischen Liebes-Themen und viel leichter Actionkost. Für die Kumpanen von Robin, den Merry Men, komponierte er einen Marsch mit einem kräftigen Schuss Wiener Walzer, der dem englischen Wald von Sherwood einen ironischen klassischen Anstrich gibt. Er ist instrumentiert für Bläser und Percussions in der Begleitung, während die Streicher und das Holz vornehmlich die Melodie übernehmen. In seinem Gestus ist er keinesfalls so kraftvoll wie packende Themen aus “The Sea Hawk”, er huldigt vielmehr dem Stil der lockeren Unterhaltung des Films.
Dies setzt sich im gesamten Score fort. Viele Themen, so etwa für Robin Hood selber (das aus einem früheren Stück Korngolds stammt, “Sursum Corda” von 1919) oder die noble Fanfare für Richard Löwenherz tauchen prominent auf, auch der obligatorische Liebesplot zwischen Robin und Marian erhält seine thematische Entsprechung. In der “Love Scene” mixt Korngold zudem mehr als eine Handvoll Themen in sein wunderschönes Arrangement mit Cello und Violine, Celesta, Harfe und Klavier sowie der vollen Orchesterbegleitung. Mit der getragenen Stimmung und dem delikaten Arrangement zählt der Track zu den Highlights der Musik.

Rückgrat der Musik ist aber neben dem Themenreichtum auch seine farbenfrohe und verspielte Orchestration, die zwar im Gegensatz zu anderen Werken ebenfalls eher leichte Kost präsentiert, aber durchaus handwerklich gut gemacht ist und sich dem Stil des Scores konsequent unterordnet. Ähnlich wie Max Steiner zeigt Korngold hier auch seine Freude an kleinen Klangspielereien und Mickey Mousing.

Die Veröffentlichung der Filmmusik auf dem Marco Polo Label ist eine in vielerlei Hinsicht erfreuliche Angelegenheit. Zuerst ist damit zum ersten Mal in der Geschichte dieser Score in Gänze auf Tonträger erhältlich, einzelne Stücke auf Gerhardt Samplern oder die 43-minüte Varése Version aus den 80er Jahren werden damit zumindest diskographisch überflüssig. Aber auch interpretatorisch gibt es wie immer nichts zu deuteln, die Moskauer spielen gut fließend, akzentuiert und mit hörbarem Spaß. Als besonderer Bonus ist die Musik - sogar mit der vierminütigen Trailermusik als Zugabe - als DVD-Audio erhältlich, deren Sechskanal-Tonspuren auch auf herkömmlichen 5.1.-Home-Theaters Freude verbreiten. Nach einigen Probeläufen zur Justierung der Lautstärke und der Kanalbalance füllt der gute Dolby- oder DTS-Mix den Raum mit voller Klangpracht. Es bleibt zu wünschen, dass sich diese Praxis in Zukunft fortsetzt und mehr Filmmusiken in dem technisch längst ausgereiften Modus erhältlich sein werden.

Fazit: Erich Wolfgang Korngolds Score ist eindeutig zu empfehlen. Er besitzt zwar nicht den dramatischen Gehalt mancher Meisterwerke, bietet aber Unterhaltung auf hohem Niveau. Für die Musik halte ich eine Wertung von 4,5 - 5 Sternen für angemessen, die gelungene Einspielung und vor allem der Kunstgriff mit der DVD-Version lassen mich aber ohne Bedenken zu den 5 Sternen greifen. Das Booklet präsentiert sich vorbildlich betextet mit mehreren längeren Analysen und einem kompletten “Listening Guide”, nur an Abbildungen mangelt es leider. Trotzdem aber ein Lob an Marco Polo für diese Veröffentlichung.

Jan Zwilling / 21.03.07

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