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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

The Accidental Tourist (John Williams)

Warner / 1989

CD

Bewertung:


    01. Main Title (02:31)
    02. Maron Alone (04:41)
    03. Trip To London (01:52)
    04. The Healing Process (05:09)
    05. Fixing The Plumbing (03:13)
    06. On A Rainy Afternoon (03:10)
    07. A Second Chance (03:10)
    08. Wedding Scene (02:49)
    09. Back With Sara (04:03)
    10. Bedroom Conversation (04:36)
    11. Rose And Julian (02:08)
    12. A New Beginning (03:26)
    13. End Credits (A Second Chance) (03:10)

    TT: 44 min

Um die Dekadenwende 80er/90er Jahre konnte man bei John Williams eine interessante Zweiteilung seines Outputs beobachten. Zu dieser Zeit schuf er bedeutende Scores wie “Empire Of The Sun” (1987) oder “Born On The Fourth Of July” (1989) und “JFK” (1991) und begeisterte die Fans auch mit typischen Unterhaltungshochkarätern wie “Indiana Jones and The Last Crusade” (1989), “Hook” (1991), beiden “Home Alone” Teilen (1990 und 1992) oder “Far and Away” (1992). Mitten diese scheinbar höchst kreative Phase seines Schaffens fallen interessanterweise auch ein Großteil seiner belanglosen Filmmusiken, derer es in seiner Filmographie eine gute Handvoll gibt. “Always”, “Stanley & Iris” und “Presumed Innocent” enstanden alle im Verlaufe von zwei Jahren, die hier vorgestellte Musik zu “The Accidental Tourist” war seine einzige Musik im Jahr 1988.

“Die Reisen des Mr. Leary”, so der deutsche Titel, beschreibt einen kritischen Lebensabschnitt von Malcolm Leary (William Hurt), der nach dem Tod seines Sohnes sein Trost in langen Streifzügen durch die Lande sucht. Selbst ein Autor von Reiseliteratur, lernt er die scheinbar heilende Wirkung der Ablenkung zu schätzen. Doch eine gemeinsame Aufarbeitung mit seiner Frau (Kathleen Turner) erreicht er nicht und ihre Ehe geht zu Bruch und beider Leben den Bach runter - bis die forsche Muriel (Geena Davis) in ihr Leben tritt.
Für diese tragische Romanze wählte John Williams einen musikalischen Ansatz, der heutzutage - zum Teil mit abfälliger Konnotation - mit Rachel Portman oder Gabriel Yared identifiziert wird. Er stützt sich auf ein mittelgroßes Orchester, das sich quasi ausschließlich aus Streichern, Holz und einem Klavier zusammensetzt. Starke Parallelen in der Besetzung gibt es augenscheinlich zu Williams’ späterer Musik zu “Angela’s Ashes”, doch musikalisch ist “The Accidental Tourist” merklich aus einfacherem Holz geschnitzt. Seine melancholische Atmosphäre, die einfach strukturierten und kaum variierten Motive und die wenig Entwicklung zeigende Orchestration taugen somit als gepflegte Nebenbeimusik, die zwar routiniert ausgeführt ist, aber an zündenden Ideen arm ist.

Kernstück sind zwei ähnliche Motive für Klavier und Holzbläser. Beiden gemeinsam ist der repetetive Aufbau, eine Tonfolge wird symbolhaft immer wieder auf und ab gespielt, um das ziel- und rastlose Wandern der Figuren zu illustrieren. Das Thema für Klavier wirkt dabei etwas optimistischer, vor allem weil es als helle Klangfarbe gegen die oft in den unteren Lagen spielenden Streicher gesetzt wird. Ein künstlich hinzugefügter Hall verstärkt aber auch hier den Eindruck, dass es sich im Grunde um ein sehr einfach gestricktes Motiv handelt, dessen emotionale Wirkung anders als bei gehaltvolleren Williams-Scores wie “Schindler’s List” oder dem oben erwähnten “Angela’s Ashes” eine oberflächliche und sehr direkte ist. Ähnliche Attribute lassen sich für das andere Thema finden, welches oft von Klarinette und Oboe gespielt wird.
Die Streicherbegleitung erweits sich häufig als stimmungsvoll, aber wie bei Rachel Portman häufig zu hören auch als ziemlich substanzlos. Dass Williams zu differenzierten Arrangements durchaus in der Lage ist, kann man allein an seinen ruhigen Star Wars Themen (Luke and Leia), an “Marion’s Theme” aus “Raiders Of The Lost Ark” oder auch den finalen Momenten aus “JFK” erkennen. Hier zeigt der Streicherteppich kaum eine Entwicklung, auch wenn zuweilen die Melodiestimmen in die Geigen wechseln. Einzig der Track “Rose and Julian” gibt der Dramatik etwas Raum und das zweite Thema wird in einem größeren Streicherarrangement dargeboten.

Fazit: Ohne Zweifel war Williams schon deutlich besser. “The Accidental Tourist” ist durchaus anhörbar und atmosphärisch, aber musikalisch relativ unspannend und eindeutig als mittelmäßige Routinearbeit einzustufen. Die inzwischen seltener gewordene Score-CD kann somit allenfalls als Ergänzung der Sammlung dienen.

Jan Zwilling / 31.01.07

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