Kritiken
Star Wars Episode 5: The Empire Strikes Back (John Williams)
RCA / 1997
Bewertung:

Der Erfolg von George Lucas’ “Star Wars” veränderte nicht nur die Kinolandschaft in den USA, die Art und Weise wie in Hollywood Blockbuster produziert und vermarktet werden, sondern auch Lucas persönliches Engagement für die Komplettierung seiner ursprünglich dreiteilig angelegten Geschichte. Schon allein das Drehbuch für die geplanten Fortsetzungen legte nahe, dass ein hoher finanzieller Input vom ersten Film vonnöten war, um die aufwändigen Raumschlachten, die vielen Locations und Kreaturen der Episoden 5 und 6 zu verwirklichen. Mit einem gigantischen Einspielergebnis von 798 Mio. $ (fast doppelt so viel wie der bis dato erfolgreichste Film “Jaws") ergab sich für Lucas also die Möglichkeit, das erste Sequel, “The Empire Strikes Back” selbst und mit angemessenem Budget zu produzieren.
Doch nicht nur den massiv erhöhten Aufwand konnte man durch bedeutend verbesserte Spezialeffekte und beeindrucken realistsiche Weltraumschlachten bewundern, für das Sequel traf Lucas zwei personelle Entscheidungen, die dem Film zugute kamen. Lawrence Kasdan wurde engagiert, um basierend auf der Geschichte von Lucas das Drehbuch zu schreiben (ein wahrer Glücksfall, wenn man sich die haarsträubenden Scripts aus Lucas’ Feder zu den Prequels anschaut) und der eher als Charakter-Regisseur bekannte Irving Kershner übernahm den Regieposten. So kann man ohne Bedenken die Teile 5 und 6 als diejenigen mit der ausgefeiltesten Story und überzeugendsten Charakterzeichnung ansehen - ein unabdingbarer Faktor auch für einen Komponisten, der aus den Emotionen der Figuren sowie dem Rhythmus der Handlung sein sinnvolles Vertonungskonzept ableiten muss. Das scheint mir maßgeblicher Grund dafür zu sein, warum John Williams den brillianten, thematisch durchdrungenden Stil der Star Wars Reihe gerade in den Episode 5 und 6 zum Höhepunkt brachte. Episode 2 zeigte, dass Williams zwar auf extrem hohem technischen Niveau die Bilder und Actionsequenzen untermalen konnte, aber das Storykonstrukt und die Personen gegenüber den Effekten zuweit in den Hintergrund traten, um daraus noch wirklich Sinn zu machen.
Dass dies in “Empire” noch lange nicht der Fall war, sondern dass im Gegenteil Williams mit diesem Score zu seiner höchsten Form aufgelaufen ist, lässt schon ein Blick auf die zum ersten Film neu hinzugekommenen Themen zu. Ein elegantes, ausschwingendes Love Theme für Han Solo und Leia, das weise “Yoda’s Theme”, eine einprägsame Phrase für Lando Calrissian und über allem der dramatische “Imperial March”, heute neben dem Main Title das eindeutig bekannteste Stück aus allen “Star Wars” Teilen. Daneben bekommt man ein paar der eindrucksvollsten “Showpieces” der Saga zu hören, das “Asteroid Field” und die gigantische “Battle Of Hoth”, sowie die furiosesten End Credits der Serie. Zusammen mit den Themen des ersten Teils ergab sich somit der erste große Schritt zu einem mannigfaltigem Klangkosmos, der vor kurzem mit “Episode 3” komplettiert wurde.
Doch fangen wir anders an. Es ist zu konstatieren, dass Williams den großer, ausgefeilter und dramatischer gewordenen Bildern ebenso einen deutlich voller und kräftiger orchestrierten Score zur Seite gestellt hat. Gegenüber “Star Wars” erlaubt er sich zuweilen höchstkomplexe Klangschichtungen, die vor allem die Actionmusik eine deutliche Spur größer wirken lässt. Blechbläsercluster, enorme Schlagwerkattacken besonders von Pauke und Becken stehen neben gehämmerten Klavieren in der “Battle In The Snow”, den wohl kraftvollsten Posaunenattacken der Saga in den Einarbeitungen des “Imperial March” und vielfältig wirbelnden Streichern.
Der Film erlaubte durch seine lange Eröffnungssequenz auf dem Eisplaneten Hoth eine massive Actionsequenz, die quasi die ersten 35 min des Scores einnimmt. Sie besticht vor allem durch die Konsistenz, mit der Williams Motive eingeflochten hat und sie für bestimmte Stimmungen anpasst. Häufig erklingen von hohen Flöten durchsetzte, flirrende Streicherteppiche und eisige Beckenschläge um die frostige Umgebung zu versinnbildlichen. Trotz der über die komplette Zeit hochdramatischen Musik schafft Williams so eine exzellente Signatur. Dass er innerhalb dieser Sequenz den “Imperial March” von einer kleinen Flötenmelodie bis zum kompletten Statement entwickelt, ist höchst brillant. Zudem ergänzen häufig Lukes und Leias Themen organisch die Arrangements.
Der “Imperial March”, eindrucksvollstes Statement der fünften Episode, ist ebenso wie “Yoda’s Theme” zweiteilig angelegt. Haupthmotiv ist ein stampfender Blechbläserchoral, der mit der sehr einfachen und einprägsamen Melodie und dem ostentativen Rhythmus schon binnen Sekunden einer Szene ihren Stempel aufdrückt. Der Wiedererkennungswert ist derart hoch, dass Williams mancherorts nur die ersten beiden Töne (die zudem gleich sind) plus Begleitung als Signal setzt und schon erscheint Darth Vader musikalisch auf der Leinwand. Der Nebensatz des Themas ist für Streicher und Flöte geschrieben, die mit viel Vibrato eine ruhige, sinistre Stimmung erzeugen. Den eindrucksvollsten Auftritt hat der “Imperial March” im ersten großen Duell zwischen Luke und Vader, den von Trompetenstößen durchsetzten Marsch an dieser Stelle hat Williams für seine “Episode III” recycled.
Yoda ist im Star Wars Universum so etwas wie die große unfehlbare Instanz des guten, ein reiner Lehrmeister und in “Das Imperium schlägt zurück” der Vermittler moralischer Werte für Luke Skywalker. Die edle Persönlichkeit versteckt sich in einem kleinen, knuffigen Gnom und so hat Williams das Thema für Yoda ebenfalls zweigeteilt. Die Hauptmelodie betont das edle Gemüt und die Reinheit der Seele, verkörpert durch ein überaus elegantes, warmes und rundes Thema für tiefe Streicher. Das sonore Schhnarren der Celli erscheinen perfekt, die Umspielung vom Holz und Harfe mit leichten Untertönen vom Blech erinnern an das ähnlich angelegte Thema für Fawkes aus “Harry Potter and The Chamber Of Secrets”.
Die zweite Häfte des Themas ist melodisch mit der ersten verwandt, doch ist es ein kleiner tapsiger Marsch mit einer schrulligen, komischen Ausstrahlung. Streicherpizzicato und Glockenspiele komplettieren das Bild von Yoda, das Luke zuallerst sieht als er auf Dagobah ankommt. Das “Arrival On Dagobah” und “Luke’s Nocturnal Visitor” sind mit dem perfekten Mickey Mousing zwei der kleinen, aber feinen Perlen der Musik. Williams verbindet hier meisterhaft die Beschreibung der Atmosphäre des Planeten mit szenen- und charakterbezogenem Mickey Mousing und damit auch den höchsten technischen Anspruch mit der emotionalen Wirkung.
Jegliche Highlights der Musik aufzuzählen würde jetzt zuweit führen, doch zwei Stücke sollten nicht unerwähnt bleiben. Zum ersten ist da das strukturell hochklassige “Asteroid Field”, für die Verfolgungsjagd durch das Meteoritenfeld verpackte Williams die rasante Action ähnlich beim “Scherzo for Motorcycle and Orchestra” aus Indy 3 in eine leichte, fast tanzbare Form. “Han Solo and The Princess” ist das Liebesthema für die genannten Figuren, das ähnlich wie “Leia’s Theme” aufgebaut ist. Im Film findet es sich nicht in einer auskomponierten Form, doch die Suite des Themas ist auf mehreren Samplern zu finden.
Da die Veröffentlichungslage der Musik zu “Empire Strikes Back” mehr als luxuriös ist - neben dem kompletten Score gibt es eine Menge Auszüge auf verschiedensten Samplern” - steht dem ungetrübten Erlebnis dieses Meisterwerkes nichts mehr im Wege. Das ist Williams at his best und dafür kann es nur eines geben: die Höchstwertung!
Jan Titel / 31.01.07
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