[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Star Wars Episode 4: A New Hope (John Williams)

RCA / 1997

CD

Bewertung:


    CD1

    01. 20th Century Fox Fanfare (Alfred Newman, 1954) (0:23)
    02. Main Title/ Rebel Blockade Runner (2:14)
    03. Imperial Attack (6:43)
    04. The Dune Sea of Tattoine/ Jawa Sand Crawler (5:01)
    05. The Moisture Farm (2:25)
    06. The Hologram/ Binary Sunset (4:10)
    07. Landspeeder Search/ Attack of the Sand People (3:20)
    08. Tales of a Jedi Knight/ Learn about the Force (4:29)
    09. Burning Homestead (2:50)
    10. Mos Eisley Spaceport (2:16)
    11. Cantina Band (2:47)
    12. Cantina Band #2 (3:56)
    13. Binary Sunset (alternate) (2:19)

    CD2

    01. Princess Leia’s Theme (4:27)
    02. The Millenium Falcon/ Imperial Cruiser Pursuit (3:51)
    03. Destruction of Alderaan (1:32)
    04. The Death Star/ The Stormtroopers (3:35)
    05. Wookie Prisoner/ Detention Block Ambush (4:01)
    06. Shootout In The Cell Bay/ Dianoga (3:48)
    07. The Trash Compactor (3:07)
    08. The Tractor Beam/ Chasm Crossfire (5:18)
    09. Ben Kenobi’s Death/ Tie Fighter Attack (3:51)
    10. The Battle of Yavin (9:07)
    11. The Throne Room/ End Title (5:38)

    TT: 105 min

Als John Williams den Score zu einem kleinen, durchschnittlich budgetierten Science Fiction-Film schrieb, waren symphonische, leitmotivische Scores kaum noch zeitgemäß. Junge Filmemacher des „New Hollywood“ hatten die Filmbranche für sich erobert und setzten Popmusik oder mit Poprhythmen durchzogene Scores für ihre Filme ein, die sich in der Regel auch gut als Soundtrackalbum verkauften. Das Interesse an den Stilismen des Golden Age war nur noch gering, Größen wie Bernard Herrmann oder Miklos Rozsa arbeiteten nur noch selten für das neue Hollywoodkino.

George Lucas hatte seine „Star Wars“-Trilogie von Anfang an als Märchen im Weltall angesehen, als „Space Opera“, wie er selbst oft in Interviews sagte. Als Temp Tracks wurden klassische, neoromantische Musik und auch Cues von Miklos Rozsa eingesetzt, und nicht die für damalige Science-Fiction-Filme übliche elektronische oder avantgardistische Musik. Rozsa war übrigens sogar eine Zeit lang von Lucas dafür vorgesehen, „Star Wars“ zu vertonen. Sein Freund Steven Spielberg machte Lucas jedoch mit Williams bekannt- der Rest ist (Film-)Geschichte. Das Soundtrack-Album zu „Star Wars“ verkaufte sich viele Millionen male und machte damit die sinfonische Tradition Hollywoods wieder hoffähig und Williams’ Partitur zur meistgehörten Orchestermusik aller Zeiten.

Die Geschichte von Star Wars ist schnell erzählt, enthält sie doch alle klassischen Inhalte eines Märchens, die man sich nur denken kann, vom bösen schwarzen Mann (Lord Vader) bis hin zur entführten Prinzessin (Leia) und dem weisen Ritter (Obi-Wan Kenobi) und seinem Schüler (Luke Skywalker), der sich dem Bösen stellen muss. Von daher ist dieser sehr „klassische“ Sound, den Lucas für seinen Film haben wollte, ziemlich passend. Lucas holte sogar Alfred Newmans „20th Century Fox Fanfare“ wieder aus der Vergessenheit zurück, um seinen Film zu eröffnen, eine Komposition, die bis in die 50er Jahre vor fast allen Fox-Produktionen zum Einsatz kam, dann aber mit den aufwändigen Breitwand-Epen nach dem Siegeszug des Fernsehens von der Leinwand verschwand. Seine berühmte Eröffnungsmelodie komponierte John Williams sogar in der selben Tonart (B-Dur), womit diese Fanfare sehr schön in den Score als eine Art Ouvertüre einleitet.

Neben zahlreichen Nebenmotiven wird die leitmotivische Musik vor allem von 3 musikalischen Leitgedanken angetrieben. Zum einen wäre da das heroische Haupt-Thema für Luke Skywalker, das in der Folge sämtliche Star Wars-Filme eröffnete (auch die der Prequel-Trilogie, in denen Luke gar nicht vorkommt), das Thema für „The Force“, etwas, dass die Jedi-Ritter einsetzen können, um Menschen und Objekte zu manipulieren, ein Thema, dass in besonders vielfältigen Variationen zum Einsatz kommt, sowohl mächtig-kraftvoll, als manchmal auch die Weisheit von Generationen von Jedi repräsentierend. Und dann ist da noch das Thema für Prinzessin Leia, eine filigrane Melodie für Flöten und Streicher.
Aber nicht nur die hervorragenden Melodie-Einfälle an sich machen „Star Wars“ zu etwas ganz besonderem, sondern auch die exzellente thematische Verarbeitung. Sofort nach den Main Titles, im Cue „Imperial Attack“ fährt Williams fast alle Hauptthemen auf. In einer Szene speichert Prinzessin Leia wichtige Geheiminformationen in dem Roboter R2-D2 für den Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi, was gleich dazu führt, dass beide Themen intoniert werden. Später betritt Lord Vader das Schiff, auf dem die Prinzessin geflüchtet ist und sein Motiv für Fagotte und gestopfte Trompeten übernimmt die Überhand und dominiert den Rest des Cues, bei dem Vaders Thema durch fast alle Sektionen des Orchesters läuft. Der ganze Score steckt voll solcher Beispiele. Zu den spannendsten gehören dabei die Action-Cues. Bei „TIE Fighter Attack“ zum Beispiel wird das Rebellen-Motiv durch absteigende 5-Noten-Phrasen noch dynamischer, und in diesem Falle genau auf Schnittfolge und sämtliche Bewegungen in der Sequenz angepasst.

Jeder Star-Wars-Film hat meistens auch mindestens eine große Weltraumschlacht, in die viele Raumjäger und andere Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge involviert sind. Im ersten Film von 1977 heisst diese Schlacht „Battle of Yavin“, obwohl dieser Planet keine große Rolle spielt, greifen die Rebellen doch den Todesstern, die gefährlichste Waffe des Imperiums und Lord Vaders an. Dominierende Motive sind hier Luke Skywalkers Thema, da er an der Schlacht als X-Wing-Pilot teilnimmt und natürlich der entscheidende Faktor in diesem Kampf ist, sowie das Thema von Obi-Wan Kenobi bzw. der Macht für die entscheidenden Momente in denen Luke sein Zielsuchgerät abschaltet und seine Raketen mit „der Macht“ ins Ziel lenkt. All dies passiert über einem rasend schnellen Kontrapunkten aus wirbelnden Streichern und clever eingesetzten Pauken, die zum Beispiel auf ungewöhnliche Art und Weise mit einem fast schon melodiösen Solo Lukes Thema einleiten, das dann in leichter Dissonanz erklingt, um die Spannung der Szene noch zu unterstreichen.

Auch berühmt geworden ist die Source-Music, die John Williams für eine Weltraumbar auf dem Wüstenplaneten Tattooine geschrieben hat. Die Vorgabe von George Lucas für diese Stücke an den Komponisten war, dass er sich vorstellen solle, wie sich das anhört, wenn Aliens irgendwo alte Platten von Benny Goodman aus dem Jahre 1930 finden und die Musik selber aufführen. Um diesen schrägen Eindruck zu erzielen, besetzte Williams eine Jazz-Combo (neben einigen Standardinstrumenten wie Saxophon, Trompete und Klarinette) mit Steel Drums und diversen anderen Schlaginstrumenten. Herausgekommen sind zwei sehr spaßige Tracks, die einen netten Kontrast zu der spätromantischen Opulenz des Scores darstellen.

Trotz seiner ungemeinen Popularität hat es bis 1997 gedauert, als die „Special Editions“ der alten Trilogie ins Kino kamen, bis die Scores in kompletter Form erschienen, mit digital überarbeitetem Ton und umfangreichen Liner Notes von RCA Victor.
Mittlerweile hat Sony Classical die Rechte an den Scores der alten Trilogie übernommen. Die Veröffentlichung dieser Scores bietet inhaltlich keinen Unterschied- zwar wirbt Sony damit, dass sie ein neuentwickeltes Tonsystem für das Mastering benutzt haben, dennoch ist der Klangunterschied nicht besonders nennenswert, auch die leichten Tonschwächen von „Return of the Jedi“ konnte Sony damit nicht ausbügeln. Statt der Booklets mit den interessanten Liner Notes des RCA Victor-Releases enthalten die Sony-Veröffentlichungen nur ein Poster. Stellt sich nur die Frage, welcher Soundtracksammler seine Cover an die Wand nagelt. Wenn man diese Musik noch nicht hat, sollte man von daher versuchen, die ältere Veröffentlichung von RCA Victor zu bekommen. Diese sollten gelegentlich bei ebay und Konsorten erhältlich sein.

Fazit: „Star Wars“ ist filmmusikalisch einer der größsten Klassiker überhaupt und somit eine Pflichtanschaffung für jede Sammlung.

Jan Boltze / 31.01.07

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.