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Kritiken

Star Wars Episode 3: The Revenge Of The Sith (John Williams)

Sony / 2005

CD

Bewertung:


    01. Star Wars and The Revenge Of The Sith (07:31)
    02. Anakin's Dream (04:46)
    03. Battle Of The Heroes (03:42)
    04. Anakin's Betrayal (04:03)
    05. General Grievous (04:07)
    06. Palpatine's Teachings (05:25)
    07. Grievous And The Droids (03:27)
    08. Padme's Ruminations (03:16)
    09. Anakin vs. Obi-Wan (03:57)
    10. Anakin's Dark Deeds (04:05)
    11. Enter Lord Vader (04:14)
    12. The Immolation Scene (02:41)
    13. Grievous Speaks To Lord Sidious (02:49)
    14. The Birth Of The Twins and Padme's Destiny (03:37)
    15. A New Hope and End Credits (13:05)

    TT: 71 Min

Pünktlich zum traditionellen Starttermin im Mai kommt dieses Jahr die letzte Episode eines der größten Filmfranchises der Kinogeschichte in die Lichtspielhäuser. George Lucas setzt mit “Star Wars Episode III - Revenge Of The Sith” den Schlusspunkt unter die Prequel-Trilogie und bis auf weiteres auch den Schlusspunkt unter die komplette sechsteilige Reihe. Gerüchteweise sollte es die Episoden 7 bis 9 ebenfalls in einem frühen Planungsstadium auf dem Papier gegeben haben, doch eine Rede ist davon vorerst nicht mehr. Mit erstaunlich wenig Medienrummel findet die Saga nun also ihren Abschluss und mit ihr kommt zum letzten Mal ein Score von John Williams für Star Wars zu Gehör. Mit einem Bedauern konstatiert man für Williams das Ende seines nun fast 28 Jahre währenden Großprojektes. Nach dem Ausscheiden aus der Harry Potter Serie steht der Altmeister jetzt fast gänzlich ohne die von ihm immer erstklassig vertonten Trilogien, Hexalogien und Fortsetzungsserien da. Allein der vierte Indiana Jones steckt auf dieser Schiene noch in der Hinterhand.

Anders als bei den drei Harry Potter Filmen, deren filmische Qualität von Folge zu Folge eher zunahm und Williams für den dritten eine der phantasievollsten und freudigsten Musiken der letzten Jahre schrieb, sah sich Williams bei den neuen Star Wars Filmen gewissen Undankbarkeiten für einen Filmkomponisten gegenüber. Der extrem visuell geprägte Inszenierungsstil und zunehmende Austauschbarkeit und Eindimensionalität der Charaktere, gepaart mit ständig schneller und häufiger werdenden eye-candy Actionsequenzen, stellten den klassischen, neowagnerianischen Stil der Star Wars Musiken auf eine harte Probe. Vernetzungen, Verstrickungen und Andeutung in der Geschichte vermochte Williams immer mit grandiosem thematischen Einfallsreichtum zu deuten und das Wechselspiel zwischen Action und Handlung dramaturgisch erstklassig zu verwerten.
Für “Star Wars Episode I” versuchte Williams mit sehr beachtlichem Erfolg dieses Konzept weiterzuverfolgen und ersann eine Handvoll neuer thematischer Ideen. Für die dramaturgische Bruchlandung von “Episode II” änderte er allerdings sein Konzept und konzentrierte den zentralen Handlungsgedanken in genau ein neues Thema. Selbige Herangehensweise ist bei dem jüngsten und letzten Film “Episode III” zu konstatieren, der offensichtlich kaum mehr Anhaltspunkte für den pompösen Themenreichtum bot. Dass Williams auch auf dieser Schiene erfolgreich war, hatte er mit seinem Score zu “Episode II” bewiesen. Ein überragendes “Across The Stars” und eine überaus sorgfältige Verarbeitung der Actionsequenzen, gepaart mit gelungen Statements der alten Themen überzeugten auch hier. Für die nun erschienene Musik zu “Episode III” lässt sich dieses Statement leider nicht mehr pauschal vertreten.

Nach sorgfältigem Hören zerfällt seine Musik zu “Revenge Of The Sith” in zwei Teile, einer der entlang der klassischen Vertonungsmuster einige Highlights präsentiert und ein zweiter, der aus verschiedensten Gründen als Enttäuschung zu verbuchen ist. Zum ersten Male erscheint also ein Star Wars Score in etwas ambivalentem Licht, über die möglichen Gründe lässt sich nur im Detail spekulieren.

Fangen wir mit den positiven Seiten der Musik an. Als neues Thema präsentiert uns Williams “Battle Of The Heros”, welches - der neuen Herangehensweise folgend - nicht einer Person zugeordnet ist, sondern den zentralen Konflikt des Films charakterisiert, das ausbrechende Duell zwischen Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi. Das Stück ist dramatisch und emotionsgeladen für großes Orchester und Chor geschrieben, anders als im “Duel Of The Fates” tritt der Chor hier aber als flächiger Klangfüller im Hintergrund auf. Eine einfache Phrase bildet die Hauptmelodie, ihre Inspirationsquelle scheint irgendwo zwischen “Across The Stars”, “Amistad” und dem mittelalterlichen Schicksalsmotiv “Dies Irae” zu liegen. Häufig wird es von den Blechbläsern intoniert, in den dramatischsten Stellen unterstützt vom Chor. Somit ist es als kurzweilige dramatische Untermalung durchaus wirkungsvoll, wie zum Beispiel im zentralen Titel “Anakin vs. Obi-Wan”, kombiniert mit dem Imperial March. Doch anders als alle anderen Star Wars Themen bietet die Melodie des “Battle Of The Heroes” kaum eine Möglichkeit zum Einflechten in längere Arrangements, sie hat keine Einleitung, keine Brücken-Passagen und kaum Variation in der Stimmführung. Die Themensuite (Track drei auf der CD) gestaltet sich somit etwas holprig, denn wo sonst die Themen - vom “Imperial March” bis zu “Across The Stars” - wirkungsvoll entwickelt werden, bietet Williams hier nur Wiederholung derselben Melodiefolge mit geringfügig geändertem Arrangements und zuweilen etwas ungelenk wirkenden Zwischenspielen. Trotz des gelungenen Klangeindrucks steht “Battle Of The Heroes” den Vorgängerthemen demnach etwas hintenan.
Positiv hervorzuheben sind noch die beiden tempotreibenden Tracks “Revenge Of The Sith” (an den “Main Title” anschließend) und “General Grievous”. Die eröffnende Schlacht ist eine williamssche Actionmusik in Reinkultur. Rhythmische Figuren von Blech und Percussions, viel Dynamik in den Streichern, häufige Einsätze der Pauke und fanfarenartig gestoßenes Blech geben ordentlich Gas. Thematisch bekommt man zu Beginn der Schlacht das “Force Theme” in einer militaristischen Version zu hören. Die Musik für den vierarmigen “General Grievous” ist sehr perkussiv angelegt, komplexe rhythmische Strukturen vom Schlagwerk werden ergänzt von Blechstößen und vor allem hohen Holzbläsern, zum Beispiel den Flöten. Erinnerungen werden hierbei an “The Lost World” wach, insbesondere die Hunt-Sequenz. Hier sind also zwei recht gelungene, dynamische Tracks zu konstatieren - aber wiederum “nur” sehr gute Williams-Routine.

Für den düsteren Teil der Handlung komponierte Williams mehrere dunkle streicherlastige Stücke, von denen vor allem “Anakin’s Dream” und “Anakin’s Betrayal” hervorstechen. Für ersteres arbeitete er gekonnt das “Across The Stars” in die Eröffnung ein, schön von Viola und Violine umspielt. Vom Gestus stehen diese Stücke am ehesten “Born On The Fourth Of July” nahe, ein wirkliches Aha-Erlebnis bieten sie trotz der wie gewohnt hochklassigen orchestratorischen Behandlung nicht.

Die schlechten Erfahrungen der Musik lassen sich vielleicht am Besten wie folgt umreißen: Williams scheint einerseits vielen Anregungen oder Gängelungen von dritter Seite (Lucas oder Produzent Rick McCallum) ausgesetzt worden zu sein und andererseits wirken mehrere Passagen so lustlos ausgeführt, dass esscheint als ob Williams recht froh sei, dass die Reihe der immer schlechter werdenden Prequels jetzt ein Ende hat.
Den unliebsamen Einfluss kann man vor allem an heftigen choralen Einsprengseln erkennen, die deutlich auf den dritten Teil der “Herr der Ringe” Trilogie hindeuten. In “Grievous Speaks To Lord Sidious” und überdeutlich in “Anakin’s Dark Deeds” erklingen Töne, die Williams nicht ähnlich sehen. Letzterer Titel wartet sogar mit einer “elbenhaften” Einleitung auf, die wohl kaum auf dem Mist von Williams persönlich gewachsen ist. Ähnlich verhält es sich mit “Padme’s Ruminations”, indem eine extrem nach “Gladiator” klingende Vokalise über einen sphärischen synthetischen Klangteppich gelegt wurde.
Enttäuschend sind auch mehrere Stellen in der Musik, an denen Williams alte Star Wars Scores uninspiriert kopiert. Eine Passage des Duells von Luke mit Vater aus “Empire Strikes Back” wird eingebunden, ohne eine Note zu verändern, ebenso eine Actionphrase und “Qui-Gon’s Funeral” aus “Episode I”. Vor allem jedoch die “End Credits”, in denen “Leia’s Theme” und der “Throne Room” in einer komplett unveränderten Form wiedergegeben werden verstärken den lustlosen Eindruck und enttäuschen ob der vertanen Chancen. Wieso der “Throne Room” in seiner kompletten Suitenform von Anfang bis Ende erklingen muss, ist inhaltlich ebenso schleierhaft. Die zehn Minuten auf der CD sind somit komplett überflüssig, denn alles hat man bereits in vielfacher Ausführung in verschiedensten Einspielungen.

Nette Dreingabe zur der Soundtrack-CD ist die DVD, die in 16 Episoden die Star Wars Reihe musikalisch vorstellt. Die berühmten Themen werden gespielt, dazu eine Montage passender (manchmal auch weniger passender) Bilder oder Konzeptzeichnungen gezeigt. Glücklicherweise gibt es entgegen den Ankündigungen keine Soundeffekte und die Dialogschnipsel halten sich in Grenzen. So lassen die zum Teil spektakulären 5.1-Mixes der Stücke recht ungestört genießen. Wegen des räumlichen Sounds eine erfreuliche Beigabe also. Über die Qualitäten der “Episode III” kann aber auch der Bonus nicht hinwegtäuschen.

Was bleibt am Ende? Vor allem die Erkenntniss, dass “Revenge Of The Sith” leider der eindeutig schwächste Star Wars Score der Saga ist. An die alten Musiken kommt er eindeutig nicht heran und auch zu “Episode II” und “Episode I” ist es noch ein kleiner Sprung. Eine Programmierung der CD auf eine gute halbe Stunde Highlights lässt noch den Spaß an hochklassiger Routine aufkommen, doch in Gänze genossen, kann man nur von einer Enttäuschung auf recht hohem Niveau sprechen. So bleibt am Ende vielleicht die Hoffnung auf die kommenden Arbeiten und mal wieder eine inspirierende Vorlage in diesem Stil für Williams. “Indy 4” vielleicht?

Jan Titel / 31.01.07

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