Kritiken
Star Trek: The Wrath Of Khan (complete) (James Horner)
FSM / 2009
Bewertung:

Das Timing von Film Score Monthly war fast perfekt. Gerade erlebte der Star-Trek-Mythos im Kino einen neuen Höhepunkt, als das Label mit einer kompletten Fassung von James Horners „Star Trek: The Wrath Of Khan“ aufwartete. Dass die Veröffentlichung zwei Monate nach dem Kinostart von J.J. Abrams’ „Star Trek“ erschien, mag als kleiner Schönheitsfehler gelten, aber zumindest in der Filmmusikgemeinde haben die früheren Scores der Kinoreihe noch immer ein großes Aufmerksamkeitshoch – so dürften gute Verkaufszahlen für FSM garantiert sein.
Die Zweimonatslücke hat aber auch den Nebeneffekt, dass http://www.original-score.de die ursprüngliche CD von GNP Crescendo jüngst mit einer Rezension bedacht hatte, als FSM auf den Plan trat. Alles über die Musik geschriebene hat somit weiterhin seine Gültigkeit und ist an dieser Stelle nachzulesen. Offen bleiben zwei Fragen: Welchen musikalischen Mehrwert bietet der Zuwachs von knapp 30 Minuten Score und inwieweit ist die Präsentation ein Kaufanreiz?
Im ersten Punkt muss das Fazit der Rezension der Erstveröffentlichung leicht revidiert werden. Zwar deckt die CD von GNP alles Wesentliche ab, doch überflüssig ist der Nettogewinn an Musik keinesfalls. Vielmehr bekommt der Hörer nun ein umfassendes, rundes und wahrlich komplettes Bild der Musik, deren Dramaturgie und Qualität durch die Verlängerung nicht geschmälert wird. Die Palette der neuen Titeln reicht von den bedrohlich anschwellenden Dissonanzen von „Surprise on Ceti Alpha V“ bis zur Dudelsackmusik („Amazing Grace“) von Spocks Beerdigung. Dabei kommen einige wirkliche Highlight dazu. „The Genesis Cave“ bereichert beispielsweise das Actionfinale um um ein klangvolles Intro mit effektvoll schimmernden Akkorden für Streicher und Percussions. Dunkel und kraftvoll wird es in „Enterprise Attacks Reliant“, wo die furiosen Arpeggien, die große Teile der Musik von „Krull“ prägen, fast exemplarisch ausgearbeitet sind. Eher atmosphärisch ist der von Craig Hunter komponierte Cue „Genesis Projekt“. Der Keyboardkünstler schuf einen synthetischen Klangmix, der keinen Bezug zu Horners Score aufweist. Sehr schön ist hingegen der dialogfreie Epilog, der als Bonus angehängt wurde. Zwar ist er etwas kürzer als das Original, da nachträglich einige Szenen eingefügt wurden, er bietet aber die Möglichkeit, die reine Musik zu genießen.
Wie bei FSM üblich, verbindet die Veröffentlichung das komplette Musikprogramm mit einem ansprechend gestaltetem Booklet. Neben der lesenswerten Track-by-Track-Analyse erfährt der Leser auf einige interessante Kleinigkeiten um die Produktion. So gibt Autor und Regisseur Nicholas Meyer zu Protokoll, dass er zumindest erwogen hatte, Miklos Rozsa um die Musik zum Film zu bitten. Für Meyer, der mit dem Ungarn beispielsweise „Time after Time“ gemacht hatte, war aber aus Budgetgründen frühzeitig klar, dass diese Vision niemals Wirklichkeit werden würde. So wird nochmal sehr deutlich, dass der Zuschlag für Horner neben dessen unbestreitbarem Talent auch darin begründet lag, dass er als Neuling billig zu haben war und das knappe Budget des Films nicht belastete. Im Nachhinein ein Glücksfall.
Fazit: Die vorliegende Edition von FSM ist vorzüglich produziert, präsentiert den Score von James Horner in exzellentem Licht und ist daher fast gänzlich ohne Einschränkungen zu empfehlen. Für die Gesamtwertung ist daher ein Aufschlag von einem halben Stern gegenüber der Rezension der GNP-CD angemessen. Damit gehört die FSM-CD zu „Star Trek: The Wrath Of Khan“ zu den absoluten Essentials in Sachen Horner.
Jan Zwilling / 05.08.09
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