Kritiken
Spider-Man 2 (Danny Elfman)
Sony / 2004
Bewertung:

Die Synthese von Orchester und Synthesizer ist auch Jahrzehnte nach der technischen Einführung eine kompositorische Herausforderung, die neben großem Potenzial vor allem viele banale musikalische Lösungen hervorgebracht hat. Nach frühen Meilensteinen wie “The Day The Earth Stood Still” von Bernard Herrmann war vor allem der kürzlich verstorbene Jerry Goldsmith ein Meister in diesem Bereich ("Logan’s Run”, “Legend”, “Basic Instinct"). Heute assoziiert man mit Synthesizer viel zu oft Soundbrei a la Media Ventures, doch Danny Elfman zeigt auch in diesen Tagen, wie man beide musikalische Welten gewinnbringend verknüpfen kann.
Nach “Planet Of The Apes” konnte der Autodidakt vor allem mit den Comic-Verfilmungen “Hulk” und “Spider-Man” auf diesem Terrain überzeugen – hier liegt der zweite Teil zu „Spider-Man“ vor und Elfman beweist wieder eindrucksvoll sein Händchen für synthetisch-orchestrale Arrangements.
Das Konzept hatte sich gegenüber dem ersten Teil nicht geändert, ja musikalisch stehen sich die beiden Musiken sogar so nahe, dass sie fast wie aus einem Guss komponiert zu sein scheinen. Kern der Musik ist wie schon in Teil Eins das einprägsame viernotige Hauptthema und das daraus entwickelte Helden-Thema, die im „Main Title“ quasi als Konzertarrangement zu hören sind. Das Thema für den grünen Kobold erscheint - handlungstechnisch stimmig, als Harry Osborn das Kostüm seines Vaters findet - gegen Ende des Films ebenfalls noch einmal.
Neu hinzu kommt ein zweiteiliges Thema für den Bösewicht des Films “Doc Ock”, dem Wissenschaftler Otto Octavius (Alfred Molina), der sich vier mechanische Gliedmaßen implementiert hat. Die Hauptmelodie ist eine Achtnotenphrase (passend zu den nun acht Gliedmaßen), die düster-absteigend den Weg des Wissenschaftlers vorzeichnet. Das Actionmotiv besteht wiederum aus 8 Noten, vier krachend stampfenden und vier schnell hinterher geschobenen leichter orchestrierten Tönen. Dies clever ausgedachten Bestandteile weiß Elfman zudem miteinander zu verweben und kann damit in punkto thematischer Arbeit einige Punkte sammeln.
Aus diesen thematischen Grundbausteinen arrangierte Elfman einen ausgereiften, stimmigen und technisch durchaus hörenswerten Score. Die orchestralen Anteile wirken sehr gewissenhaft und einfallsreich ausgearbeitet, Finessen wie schnelle Ostinati, col legno Spiel oder die bemerkenswerte rhythmische Arbeit der Streicher machen den Reiz des Mehrfachhörens hier aus. Die vielen Actionpassagen sind komplex ausgearbeit und bieten neben dem dynamischen Gesamteindruck auch eine Menge an Details zu entdecken. Die Idee, jede musikalische Pause in eine Instrumentengruppe durch Akzente in anderen zu füllen, wie es John Williams perfektionierte, greift auch Elfman hier auf. Die Tracks “The Bank / Saving May” oder der beste Actiontrack “Train / Appreciation” sind daher kaum als stupide Soundeffekt-Unterstützung anzusehen.
Der Chor tritt wiederum prominent in den pompösen Momenten, meistens während der spektakulären Flüge durch New York, hinzu. Auch verstärkt sich der Eindruck, dass mit Geschick und Einfallsreichtum gearbeitet wurde.
Bedeutend sind wie eingangs angedeutet ebenfalls die synthetischen Elemente, die “Spider-Man 2” einen guten Teil der Identität geben. Rhythmische Vielfalt und die konsequente Ergänzung des Orchesterapparates hat Elfman erreicht und damit die Musik durchaus bereichert. Die E-Gitarren aus Teil 1 tauchen nicht mehr auf, die synthetischen Elemente halten sich mehr versteckt oder als gleichberechtiges Element wie die Percussions und Drumloops zu Beginn von “Train / Appreciation”.
Als Beigaben anzusehen sind sicherlich die ruhigen Momente der Musik, die Elfman zwar qualitätvoll abhandelt, wo er sich aber zu einem tiefgreifenden thematischen Gedanken noch nicht durchringen kann. Außerdem enthält die CD noch das Lied “Raindrops Keep Falling On My Head”, das bezeichnenderweise das einzige Lied im Film mit dramaturgischer Funktion ist - und auf der Score-CD genau richtig.
Fazit: Eine rundum gelungene Fortführung des Konzeptes, keinen Deut schlechter als der erste Teil und mit perfekter Aufnahmetechnik auf CD gebannt. Die 48 Minuten der Score-CD sind das Geld auf jeden Fall wert, zumal es der letzte „Spider-Man“ mit Musik von Elfman sein wird. Man darf gespannt sein, ob und wie Christopher Young an die Musiken seines Vorgänger anknüpfen kann.
Jan Zwilling / 03.03.07
Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.
Nutzer-Kommentare anzeigen
Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .
» Alle Kommentare anzeigen