Kritiken
Sphere (Elliot Goldenthal)
Varese / 1998
Bewertung:

Filmregisseur Barry Levinson ist einer der fleißigsten „Arbeiter“ in Hollywood. Ein Film pro Jahr als Regisseur war in den 90er Jahren sein Standard- Output, und nebenbei arbeitete er auch noch sehr oft als Produzent. Viele stargespickte „große“ Filme wie z.B. „Rain Man“, „Bugsy“, „Good Morning Vietnam“oder „Sleepers“ gehen auf sein Konto, aber auch kleinere Filme mit „Independent-Feeling“ wie „Wag the Dog“ oder der sehr persönliche „Liberty Heights“ über seine Heimatstadt Baltimore. Zwischen den beiden letztgenannten Filmen drehte Levinson „Sphere“, einen aufwendigen, mit Special-Effekten aufgeladenen Sci-Fi-Film, der Dustin Hoffmann, Sharon Stone und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen aufbot. Die Buchvorlage stammte von Michael Crichton- ein sollte also eigentlich vorprogrammiert sein. Dennoch war die Kino- Auswertung scheinbar ein ziemlicher Flop. Die 80 Millionen Dollar Budget wurden mit Video- und DVD-Auswertung vielleicht gerade wieder hereingeholt, wenn man den in der IMDb genannten Zahlen Glauben schenken darf.
Zu kompliziert und verworren war wohl die Geschichte, die von einem Wissenschaftler- Team handelt, das ein Raumschiff, das auf dem Meeresgrund entdeckt wurde, untersucht. An Bord des Raumschiffes finden sie eine riesige goldene Kugel (englisch: „Sphere“), die eine merkwürdige Wirkung auf alle Leute, die sie sehen, hat. Von da an, geschehen viele merkwürdige Dinge, große Meeresungeheuer greifen an, und viele der schlimmsten Alpträume der Crew scheinen wahr zu werden.
Für die Vertonung engagierte Levinson, der keinen festen Stammkomponisten hat, Elliot Goldenthal, der eine gute Wahl war, um die Bedrohung der Protagonisten musikalisch gut einzufangen. Konzeptionell bewegt er sich dabei nahe an der „Alien3“-Musik, ohne dabei eine blosse Stilkopie abzuliefern. Aber die Art, wie er tiefe und befremdliche Synthesizer-Klänge einsetzt, lässt sich in seinem Frühwerk, das ihn zum Durchbruch verholfen hat, auch wiederfinden. Jedoch gibt es noch ein paar mehr melodiöse Elemente in Sphere, wie zum Beispiel die impressionistisch gehaltenen „Main Titles“, die mit einem sanften Holzbläserostinato das Meeresrauschen einfangen. Ein viertöniges Motiv wird dort auch vorgestellt, dass gelegentlich immer mal wieder eingestreut wird. Schön anzuhören ist davon auch die Variation für Klavier und subtilen Streichersatz in „Andante.“ Ein weiteres melodisches Highlight ist „The Gift“, in der Goldenthal eine einfach wunderbare Melodie in einem großen Crescendo zu einem neo-wagnerianischen Orchestertutti steigert.
Trotz dieser beiden genannten Beispiele ist „Sphere“ jedoch primär ein Score für Hörer, die ein empfängliches Ohr für avantgardistische Tendenzen haben. So fehlt es auch in „Sphere“ nicht an den schroffen Blechbläsereinsätzen für die Goldenthal so berühmt-berüchtigt ist. Auch die Percussions werden hier besonders aggressiv eingesetzt. Einige der Schlaginstrumente sind auch eher von exotischer Ausprägung, und zusätzlich kommen noch Stabglocken ausgiebig zum Einsatz. Besonders herausragend ist hier das „Terror Adagio“, das, anders als der Tracktitel vermuten lässt ein extrem hohes Tempo auffährt. Vielstimmige hohe Blech- und Holzbläser spielen hier in sehr schroffer Rhythmik über einer virtuosen Klavierstimme und den tiefen Streichern, die sehr angerissen klingen. Alles ist hier ein einziges, aggressives Staccato, das zu beeindrucken weiß.
Zu beeindrucken weiß aber auch schon das Eröffnungsstück. Es schafft auch ohne große Lautstärke oder Dissonanzen eine beunruhigende Atmosphäre. „Pandora’s Fanfare“ ist für eine Solo-Trompete über ominösen Synthesizersounds à la „Alien3“ geschrieben. Der Solist schafft es dabei, seine Töne mit einer gewissen Schärfe vorzutragen, obwohl seine Melodie nicht aus dem tonalen Rahmen läuft.
Das einzige Manko an der CD ist die geringe Lauflänge von nur knapp 35 Minuten. Im Film kommt noch wesentlich mehr sehr hörenswerte Musik vor. Wegen Schwierigkeiten in der Post-Production gab es zwei Recording-Sessions mit verschiedenen Orchestern. Um die Re-Use Fees klein zu halten, hat Varèse deshalb nur eine der zwei Sessions ausgewählt und diese dann noch auf diese kurze Länge zurechtgestutzt, da ansonsten die Kosten für die Produktion der Platte zu hoch gewesen wären.
Fazit: „Sphere“ ist eine durchweg überzeugende Arbeit von Elliot Goldenthal, die man sich trotz der geringen Laufzeit auf jeden Fall zulegen sollte, wenn man sich mit dem typisch-aggressiven Stil des Komponisten anfreunden kann.
Jan Boltze / 31.01.07
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