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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Soul Of The Ultimate Nation (Howard Shore)

Sony / 2006

CD

Bewertung:


    01. Sanctuary of Ether (02:35)
    02. A Prelude To Revolt (06:47)
    03. Tides of Hope (03:19)
    04. Helron’s Castle (02:10)
    05. The Triumph (02:08)
    06. The Valley of Dragons (02:18)
    07. Forest of The Beasts (04:03)
    08. Empire Geist (03:23)
    09. Night of The Crescent Moon (03:05)
    10. The Epitaph (01:35)
    11. Hymns of Battlefields (02:14)
    12. Immortal Emperor (02:44)
    13. March To Victory (02:10)
    14. A Poem For Nemesis (02:20)
    15. Soul of The Ultimate Nation (03:13)
    16. Requiem For The Dead (04:35)
    17. Ethereal Life (02:53)
    18. A Pernicious Plot (02:12)
    19. Graveyard of Aiort (02:45)
    20. Menace of The Army Wings (07:54)

    TT: 64 min

Dass sich gestandene Filmkomponisten im Genre des Computerspiels versuchen, ist keine neue Tatsache. Bereits vor über 10 Jahren wagte Bruce Broughton den Ausflug in die interaktive Welt mit seinem wunderbaren Score zu “Heart Of Darkness”. In den letzten Jahren ist aber eine Tendenz zu beobachten, dass Scores für Computerspiele stärker sinfonisch ausgerichtet werden. Entstanden in den Neunzigern noch die meisten Untermalungen mit Samples am PC, siehe die vielen Arbeiten von Chris Hülsbeck oder die japanischen Musiken für Final Fantasy, schienen in den letzten Jahren die Genres Filmmusik und Spielemusik miteinander zu verschmelzen. Dazu trugen nicht zuletzt die vielen Spieleauskopplungen aus Blockbustern wie “King Kong” oder “Matrix” bei, die einen Teil der Vertonungen aus den Filmen in die Spiele integrierte. Doch auch aus sich selbst heraus ist dieser Trend zubeobachten, betrachtet man alleine die vielen Musiken von Michael Giacchino für die Kriegssimulationen. Er hat den umgekehrten Weg geschafft und sich mit einer kinotauglichen Sinfonik aus der Spielewelt auf die große Leinwand katapultiert.

Zu dem illustren Kreis der prominenten Komponisten für Computerspiele darf sich nun neben Danny Elfman auch Howard Shore zählen, der jüngst für “Soul Of The Ultimate Nation” einen großsinfonischen Score schrieb. Das Spiel ist eine Art Multiplayer Science Fiction oder Fantasy Epos, an dem sich über das Internet mehrere tausend Leute beteiligen können. Es ist in Korea konzipiert worden und kommt dieses Jahr auch nach Europa und Amerika.
Die Vorraussetzungen für ein Score zu einem Computerspiel sind natürlich deutlich andere als bei einem Film, was in der notwendigen Flexibilität der Musik gegenüber unterschiedlich schnellen und anders ablaufenden Handlungsabfolgen begründet liegt. Früher wurde dies zum Teil durch elektronische Endlosschleifen gelöst, aber gerade Michael Giacchino zeigte mit der “Medal of Honour” Reihe sehr ansprechende sinfonische Lösungen. Howard Shore komponierte für das Spiel durchaus im klanglichen Kosmos seiner “Herr der Ringe” Vertonungen, ein großes Orchester mit Chor und Solostimmen stand ihm auch hier zur Verfügung. Seine Tendenz zu statischen und flächigen, musikalisch wenig differenzierten Orchestersätzen, die sich im Ansatz schon im “Herr der Ringe” zeigten, durch melodische und orchestratorische Abwechslung aber weitgehend kaschiert wurden, kommt hier voll zum Tragen. Der Prämisse der Flexibilität kommt er eben mit langen, getragenen und wenig Entwicklung bietenden Titeln nach.

Der Grundton der Musik ist dabei vielen Stellen aus der “Herr der Ringe” Trilogie nicht unähnlich, namentlich die unheilsschwanger und düsteren Momente mit dunklem Klangbild, die oft als Brücken zwischen aufpeitschenden dramatischen Momenten oder sphärischen Ruheinseln eingesetzt waren. Hier machen sie den Hauptteil der Musik aus, eine gewisse Unvariabilität macht sich schnell bemerkbar. Zumeist erklingt ein dunkler Streicherteppich, der von einem ostentativen Rhythmus durchzogen ist und dann von einer einfachen Motivlinie vom schweren Blech ergänzt wird. Hierbei wiederholt Shore häufig einzelne Töne oder kurze Motivsplitter, was sich sicher teilweise durch oben genannte Vertonungsanforderungen erklärt. Fast äquivalent zur “Herr der Ringe” wird an mehreren Stellen der Chor als klanggewaltige Unterstützung eingesetzt, hier fehlt aber auch ähnlich prägnanter Einsatz wie zum Beispiel beim Thema der Ringgeister oder im Finale von “Rückkehr des Königs”.
Der Shore von früher, zum Beispiel von seinem Horrormeisterstück “The Fly”, schimmert selten durch, wenn es auch einige Stelle gibt wie in “Forest Of The Beasts”, in denen er etwas elaboriertere Streichersätze einsetzt. Von einem komplexen Klangbild zu sprechen, wäre aber auch hier übertrieben. Es handelt sich zumeist um schnelle, mitunter mehrstimmige Ostinatofiguren, die auch im Gesamtklangbild etwas verschwinden. Interessant ist noch der Einsatz einer synthetischen Stimme, zum Beispiel in “The Epitaph”.

Die gut eine Stunde Musik ist somit als nette Dreingabe für Fans der “Herr der Ringe” Musiken durchaus interessant. Sie ist weder sonderlich schlecht gemacht, noch übermäßig langweilig verarbeitet, einige kleine Motive sorgen für ein Mindestmaß an Abwechslung. Doch zu mehr reicht es nicht, ist es doch wegen obiger Einschränkung eine sehr routinierte und statische Musik ohne große Rafinesse. Somit scheint eine Bewertung im soliden Mittelfeld mit 3 von 6 Sternen angemessen.

Jan Zwilling / 01.02.07

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