[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Snow Falling On Cedars (James Newton Howard)

Decca / 1999

CD

Bewertung:


    01. Lost In The Fog (02:59)
    02. Carl's Fishing Net (02:52)
    03. Moran Finds The Boat (01:13)
    04. Hatsue And Ishmael Kiss (01:43)
    05. Kendo (00:52)
    06. Driftwoord Hideaway (01:50)
    07. The Strawberry Field (03:55)
    08. The Worst Kind Of News (01:07)
    09. Seven Acres (01:53)
    10. The German Soldier (03:14)
    11. Snowstorm (01:54)
    12. Coast Guard Report (01:13)
    13. Typeset (01:39)
    14. The Evacuation (06:35)
    15. Courtroom Montage (01:34)
    16. Susan Marie Remembers (01:36)
    17. The Defense (01:46)
    18. Snow Drive (01:29)
    19. Typing (01:41)
    20. Tarawa (04:09)
    21. The Battery (00:47)
    22. Carl And Kazuo Negotiate (01:44)
    23. Humanity Goes On Trial (04:48)
    24. New Evidence (01:24)
    25. Snow Angels (02:31)
    26. Can I Hold You Now? (04:47)
    27. End Titles (06:14)

    TT: 67 min

Der 1995 in Deutschland erschienene Roman “Schnee der auf Zedern fällt” war der Debütroman des Amerikaners David Guterson. Mehrere Jahrzehnte verbrachte der Amerikaner mit Recherchen in einem dunklen Kapitel der jüngeren amerikanischen Geschichte. Anhand eines Mordprozesses gegen einen japanischstämmigen Einwohner eines kleinen Fischerörtchens an der Westküste in den 50er Jahren legt Guterson menschliche Schicksale in einer von Nationalismus und von festgefahrenen Denkmustern aus Weltkriegszeiten bestimmten Gesellschaft offen. Mit dem Kunstgriff komplexer Rückblenden entblättert er ein stimmiges, berührendes und beängstigendes Gefüge der sozialen Beziehungen zwischen Japanern und Amerikanern um die Jahrhundertmitte.

Der Roman funktioniert vor allem auf zwei Ebenen: der realistischen, menschenklugen Ausleuchtung der Charaktere und der hintergründigen Analyse von faschistoiden Tendenzen auch in den USA. Die verbotene japanisch-amerikanische Jugendliebe findet sich ebenso eingebettet wie die Vorurteile gegen in Amerika lebende Japaner im Krieg, bis hin zu Schikanierungen und Internierungen. Guterson nimmt hierbei seine Protagonisten ernst und schafft ein faszinierend vielschichtiges Portät, das zugleich wunderschön und spannend, ehrlich und weltklug, stimmig geschrieben und von eleganter Dramaturgie ist.

Das Buch wartete seit seinem erfolgreichen Erscheinen auf eine obligate Hollywoodverfilmung. Der anspruchsvolle und vielschichtige Charakter des Romans sowie die wenig filmreife Handlungstruktur ließen Vorfreude nur bedingt aufkommen, zumal ein Projekt mit Ambitionen abseits des Mainstream, wie sie hier nötig waren, in Hollywood nur selten anzutreffen sind. Doch erfreulicherweise bewies uns Scott Hicks ("Shine") das Gegenteil und adaptierte “Schnee der auf Zedern fällt” 1999 als hintergründiges Drama mit hervorragenden Darstellern und beeindruckenden Bildern. Natürlich wurde die komplette Tiefe des Buches bei weitem nicht erfasst, dies ist einem zweistündigen Film auch gar nicht möglich. Doch zumindest gelang die Übertragung der Erzählstruktur auf das bewegte Bild, ohne den Eindruck einer willkürlich zusammengeschnipselten Montage zu erwecken. Desweiteren gelingt, wenn auch im Detail nur in Bezug auf die Hauptfigur Ishmael Chambers (Ethan Hawke), die Darstellung der persönlichen Schicksale in den Jahren des Krieges und der sozialen Spannungen in der Fischergemeinde. Besonders hervorzuheben ist hier die eindringliche Passage der Deportation der japanischen Bevölkerung und die traumatischen Kriegserlebnisse von Chambers auf dem Tarawa-Atoll.

Wichtige Faktoren für das Gelingen dieser Verfilmung waren neben dem Drehbuch (von David Guterson persönlich) die vorzügliche Kamera von Robert Richardson und die grandiose Musik von James Newton Howard. Während Richardson ist stilvollen, zurückhaltenden Bildern von teilweise erlesener Schönheit die Geschichte nachzeichnet, schafft Howard einen enorm detaillvollen und dramatischen Score, der durchaus als ein Highlight seiner Karriere anzusehen ist. Die zurückgenommene Tonsprache, die filigrane Verbindung von orchestralen, ethnischen und synthetischen Elementen und die vereinzelten dramatischen Ausbrüche von großer Eindringlichkeit machen “Schnee der auf Zedern fällt” zu einem der besten Scores des Kinojahres 1999.

Howard baute seinen Score als atmosphärisch-tonmalerische Musik ohne große Schaueffekte auf. Das Arrangement beruht auf einer stimmigen Mischung aus hohen Streichern, Soli von Cello und Shakuhachi und einem starken Vokalpart. Wichtiger Bestandteil ist zudem der vor Allem als Klangdesigner wirksame Synthesizer, aus dem die Musik viel ihrer Stimmung bezieht. Die daraus entwickelte Tonsprache ist auf leise weise dramatisch, kühl und einfühlsam. Der winterliche Schauplatz findet sich in hellen, durch die delikaten Soli von Flöten, Shakuhachi und Violine leicht entrückt wirkenden Klängen wieder, auch die leicht asiatischen Einflüsse in den Cellopassagen und begleitenden Glockenspielen wirken konzeptionell gelungen.
Howard hatte von seinen Wurzeln in der Popmusik eine erstaunliche Entwicklung hinzu der gekonnten Gestaltung orchestraler Scores genommen. Die bei “Schnee der auf Zedern” gezeigte Technik ist zweifelsohne als komplex und ausgereift zu bezeichnen, in der Tradition von “Alive” und “The Postman” hat Howard wieder ein Quäntchen zugelegt. Dem detaillierten klanglichen Gesamtkonzept steht auch eine sehr solide Grundlage zum Beispiel in der Motivarbeit gegenüber. Der Titel “Carl’s Fishing Net” zeigt dies besonders eindrucksvoll, ein Motiv wird am Cello vorgestellt und wandert dann - mit der Begleitung verschmilzend - durch verschiedene Instrumentengruppen. Diese subtile Verarbeitung, man möchte fast sagen Verwebung der Motive ist neben dem klanglichen Konzept ein Hauptmerkmal des Scores.

Auf einen Track sei noch gesondert hingewiesen, weil er innerhalb des Gesamtwerkes eine herausragende Stellung einnimmt. Begleitend zu der Schlüsselszene der Hauptfigur, dem dramatisch-traumatischen Erlebnis im zweiten Weltkrieg auf dem Südseeatoll Tarawa, lässt Howard seine Musik mit starkem Chor- und Bläsereinsatz anschwillen. Dies ist in der sonst eher ruhigen, fast meditativen Stimmung ein markanter Moment, weil Howard zudem seine vorherigen Arbeiten - selbst “Waterworld” oder “The Postman” - in der Dramatik bei weitem übertrifft. Kraftvoll und mit einem großen Stimmenspektrum dominiert der Chor, unterstützt von tiefer Orchesterbegleitung und treibenden Percussions. Besonders wirkungsvoll ist das Ende des Cues, als plötzlich Stille eintritt und die großen Pauken einen monotonen Epilog intonieren.

Fazit: “Schnee der auf Zedern fällt” ist eine von vorne bis hinten gelungene Erfolgsgeschichte. Wenig spektakulär, aber umso eindringlicher und ehrlicher präsentiert sich Gutersons Roman, ebensolche Attribute dürfen sich Film und Musik anheften. James Newton Howard zeigt eine ausgereifte Facette seines Schaffens, die jedem auf CD zu empfehlen ist. Die Musik ist zwar als recht schwierig zugänglich zu bezeichnen, besitzt aber eindeutige Klasse. Fünf Sterne scheinen auch retrospektiv als angemessen, leider konnte James Newton Howard dieses Niveau zuletzt nicht mehr erreichen. Hoffen wir, dass seine Phase der Stagnation bald wieder der Klasse weicht.

Jan Titel / 30.07.07

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.