Kritiken
Runaway Jury (Christopher Young)
Varese / 2003
Bewertung:

„Runaway Jury“ ist die Verfilmung eines weiteren John Grisham-Justizthrillers, in dem es um die (legale und illegale) Beeinflußung der Geschworenen in einem millionenschweren Prozess gegen die Waffenindustrie geht. Mit viel Starpower (John Cusack, Rachel Weisz, Gene Hackman und Dustin Hoffman) in den Hauptrollen lief der spannende, handwerklich solide Film, der bescheidene 60 Millionen Dollar gekostet hat, mit einigen Erfolg in den Kinos.
Für die Musik wurde Christopher Young engagiert, der mit Justizfilmen bisher noch nicht so viel Erfahrung hatte, aber in diesem Bereich einen seiner eindrucksvollsten Scores jenseits des Horror-Genres vorgelegt hatte. „Murder In The First“ war eine emotional beeindruckende Musik, in der Young eine eigene Version von Barbers „Adagio for Strings“ konzipierte und teilweise noch mit klagendem Chor anreicherte. Der Score zu „Runaway Jury“ geht aber mehr in Richtung Suspense. Die Spannungsmusik überwiegt, sogar zwei eindrucksvolle Action-Cues finden sich auf der fast 60 Minuten langen CD von Varèse.
Der Score hat, trotz vieler überzeugender Einzelcues ein Problem: er ist zu eklektisch, die einzelnen Cues scheinen nicht viel miteinander zu tun zu haben. Im Eröffnungstrack klingt Youngs Musik wie Thomas Newman, warme Streicher, wabernde Synthies im Hintergrund, eine Solostimme und Melodiefragmente auf dem Klavier klingen klar nach dem Sohn von Alfred Newman. Die nächsten Tracks erinnern dann wieder an David Holmes’ Scores zu den Steven Soderbergh-Filmen „Out Of Sight“ und „Ocean’s Eleven“ und vielleicht noch ein wenig an Youngs Swing-Musik zu „Wonder Boys“ und „Bandits.“
Das alles ist meistens routiniert, stellenweise sogar hervorragend gearbeitet, hinterläßt aber kein geschlossenen Eindruck, der eine konzeptuelle Herangehensweise erkennen läßt. Alles wirkt ein bisschen wie Stückwerk. Eine durchdachtere motivische Arbeit (kleine wiederkehrende musikalische Fragmente gibt es schon, diese sind aber recht unauffällig geraten) hätte hier Wunder gewirkt, aber Young bleibt es schuldig, diese disparaten Elemente (in „Voir Dire“ wurden sogar, ähnlich wie bei „Copycat“ hektische Atemgeräusche in die Musik gemischt, um eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen. Bei einigen Tracks gibt es noch ein bisschen Kohärenz durch einen jazz-orientierten „Südstaaten“-Musikstil.
Trotz dieser Mängel ist Chris Young jedoch eine Musik gelungen, die genug Qualitäten besitzt, um einen Kauf zu rechtfertigen. Alleine schon „Shark Tactics” mit seinen wilden Blechbläsereinlagen à la Goldenthal und den dynamischen (teilweise synthetischen) Percussions zeigt Youngs Talent im Umgang mit dem Orchester.
Jan Boltze / 22.09.08
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