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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Rosewood (John Williams)

Sony / 2000

CD

Bewertung:


    01. Rosewood (03:34)
    02. Look Down Lord (02:13)
    03. The Hounds Of Sumner (01:50)
    04. Healing (04:10)
    05. Light My Way (03:43)
    06. Trouble In Town (03:16)
    07. Aunt Sara's Death (03:18)
    08. After The Fire (03:38)
    09. The Town Of Sumner (02:36)
    10. The Town Burns (04:21)
    11. Scrappie And Mann Bond (04:14)
    12. The Freedom Train (01:53)
    13. False Accusation (03:19)
    14. Mann At Rosewood (03:14)
    15. Look Down Lord (Reprise And Finale) (04:13)

    TT: 50 min

John Williams bedient in der Filmmusikbranche nahezu alle Genres. Neben den auch über die Fan-Kreise hinaus berühmten Werke wie “Star Wars” oder “Jurassic Park” erwies sich der Amerikaner besonders in den neunziger Jahren als begnadeter Komponist für Dramen, die eine deutlich zurück genommene Tonsprache erforderten. Nennenswert sind hier vor allem die Musiken zu “JFK”, “Schindlers Liste” und “Sieben Jahre in Tibet”. Die besondere Klasse jener Musiken macht neben der tiefgehenden und dramaturgisch sicheren Umsetzung die Fähigkeit Williams’ aus, sein sinfonisches Konzept den besonderen geographischen, kulturellen, religiösen oder ethnischen Gegebenheiten anzupassen. Feinsinnige Harfensoli in der irischen Kindheitserinnerung “Die Asche Meiner Mutter”, die Cello-Einlagen von Yo Yo Ma für “Seven Years In Tibet” oder aktuell das ethnische Kolorit für „Die Geisha“ zeugen von einer hervorragenden Durchdringung des Stoffs.

Ein ebenfalls sehr zu empfehlendes Beispiel für Williams’ Können auf diesem Gebiet ist die hier vorliegende Musik zu “Rosewood” von 1997. Der Film, eine recht kleine Produktion unter Regisseur John Singleton, spielt in den zwanziger Jahren in den Südstaaten der USA, wo der Ort Rosewood zum Schauplatz rassistischer Übergriffe wird. Vorurteile schüren eine Atmosphäre der Gewalt, der sich neben einigen Schwarzen (u.a. Don Cheadle und Ving Rhames) auch ein weißer Ladenbetreiber (Jon Voight) entgegenstellt.
Williams’ Musik ist eine hauptsächlich von Soli lebende, melancholisch bis unbequeme Orchestermusik, die gekonnt mit Mundharmonika, Gitarren, Percussions und synthetischen Elementen angereichert ist. Grundlage ist zumeist eine Streicherbesetzung, die mit dunklen Klangfarben (Celli und Bratschen) und kleinen Reibungen eine angespannte Stimmung erzeugt. Ähnlichkeiten ergeben sich hier vor allem zu “Sleepers”. Dies garniert Williams mit Klavier, Trompete und Holzbläsern aus dem Orchesterapparat. Ähnlich wie bei vielen Musiken Herrmanns setzt er jedoch selten die komplette Besetzung ein, vielmehr kombiniert er immer wieder neu die kleinen Bestzungen des Orchesters mit Gitarren, Harmonika und Schlagwerk. Dabei gelingen ihm interessante Klangkonstrukte, vor allem bedient er sich ähnlich wie bei “JFK” recht vordergründig des Synthesizers, der bestimmte Passagen aggressiv überhöht ("The Hounds Of Summer").
Melodisch arbeitet Williams vor allem mit kleinen Strukturen, kurze Motive werden vor allem in der Orchestration ständig verändert und selten als Thema auskomponiert. Dennoch lässt sich auch hier der Einfluss der Blues-Melodik feststellen, zum Beispiel im “Anschleifen” der Töne - sehr schön zu hören in der Streicherlinie im ersten Track “Rosewood”.

Sehr interessant ist aber noch ein weiterer Grundbaustein der Musik, die von Williams komponierten Gospelstücke für Chor und Solistin. “Look Down Lord”, “Light My Way” und “The Freedom Train” sind komplexe Chorsätze von klagendem bis anklagenden Gestus. Williams setzt hier markante Signale, die sehr wirkungsvoll die Wut ebenso wie die Trauer zum Ausdruck bringen. Eindrucksvoll ist auch die Verbindung Orchester/Solostimme in “The Town Burns”.

Letzten Endes bleibt für “Rosewood” nur eine eindeutige Empfehlung. Der Score ist technisch gut gearbeitet und stilsicher orchestriert. Dennoch bleibt er in der Williams-Discographie ein kleines Stück hinter anderen Musiken zurück. Er ist ein Tick weniger brisant als “JFK”, etwas weniger sensibel als “Schindlers Liste” und gegenüber “Sieben Jahre in Tibet” nicht ganz so abwechslungsreich. Für eine Williams-Kollektion, die über die Grundbausteine hinausgeht, ist Rosewood aber einer der ersten Kandidaten.

Jan Zwilling / 03.03.07

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