[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Room 1408 (Gabriel Yared)

Varese / 2007

CD

Bewertung:


    01. “10 Haunted Hotels” (03:04)
    02. The Dolphin Hotel (01:45)
    03. Room 1408 (07:45)
    04. The Doppelganger (02:10)
    05. Katie's Theme (02:48)
    06. Ship in a Painting (01:39)
    07. Bleeding Walls (04:59)
    08. Out on a Ledge (05:25)
    09. Mike’s Fugue (02:43)
    10. Inside the Vent (04:11)
    11. Olin in the Minibar (05:50)
    12. Sinking Ship (03:11)
    13. Waking up in LA (01:56)
    14. Back to 1408 (01:50)
    15. “Don’t You Love Me Anymore?” (02:21)
    16. Fire! (04:43)

    TT: 56 min

Ein neuer Score zu einem neuen Horrorfilm - in diesen Zeiten kaum Anlass für eine gesteigerte Spannung zum Erscheinungstermin. Zu viele mittelmäßig begabte Komponisten haben in den letzten Jahren zu viele unterdurchschnittliche Streifen nach sich wiederholenden Maßgaben der Regisseure unterlegt. Auf diese Art und Weise wäre auch die Musik zum Film “1408” mit John Cusack und Samuel L. Jackson untergegangen, ließe nicht eine originelle Wahl des Komponisten aufhorchen. Gabriel Yared, eher für intellektuelle und vergeistigte Dramenscores bekannt, sollte das Werk von Mikael Hafström untermalen - ein Anlass, doch mal wieder genauer hinzuhören.

In den ersten Momenten der Musik lassen sich gewisse Parallelen zu Yareds früheren Scores ziehen. Eine düstere, streicherlastige Ouvertüre wirft die Schatten auf die Ereignisse voraus, sie lässt zweifelsohne den Anspruch einer strukturierten sinfonischen Arbeit erkennen. Die Streicher sind geteilt, es gesellen sich Läufe vom Holz und der Violine hinzu und vereinzelte motivische Kleinstpartikel tauchen in den Celli auf. Deutlich wird aber bereits, dass Yared gezwungen ist, stark atmosphärisch und effektbetont zu arbeiten. Ein halliges Klavier suggeriert Unwägbarkeit, im Hintergrund erscheinen doch brodelnde Klangeffekte aus dem Synthesizer und ein starkes Solo, welches dem Stück eine kompositorische Kontur gegeben hätte, bleibt aus.
Überraschend präsent bleibt im weiteren Verlauf der Synthesizer. In einem von Yared selbst konzipierten und zusammen mit Kirsty Whalley umgesetzten Klangdesign zeigt er sich ebenfalls auf dem Grat zwischen intellektuellem Anspruch und dem Scheitern diesem an Genrekonventionen. Die aggressiven synthetischen Rhythmen und geräuschartigen Konstrukte, wie sie etwa in “The Doppelganger” auftauchen, wirken sehr bewusst platziert und im Zusammenspiel mit dem sinfonischen Apparat entworfen. Einige rhythmische Figuren in “Room 1408” deuten auf eine konzeptionelle Nähe zur Musique Conrète hin, ohne jedoch über Ansätze hinaus zu kommen. Zu häufig werden orchestrale und synthetische Töne als Ersatz für die Soundeffektspur gebraucht, um dem Horror genug Leben einzuhauchen. Mit dem Anschwellen der Effektspuren geht auch ein allzu bekanntes Aufbäumen des Orchesters einher, welches im dissonanten und ungeordneten Klanggewitter zu sehr Standard ist um Aufmerksamkeit zu erregen. Sicherlich besitzt Yared im sinfonischen einige Sicherheit, wie locker auskomponierte epische Momente wie “Ship in a Painting” zeigen, doch kann er sie hier nicht gewinnbringend einsetzen.

Thematisch bleiben die funktionalen Teile der Musik völlig gesichtslos, in den Atempausen kommen jedoch kurze Motive zu Gehör. “Katie’s Theme” ist eine lose Folge von Klaviertönen, die eher klanglich eine aufhellende Signatur darstellt, als dass sie durch besondere melodische Einprägsamkeit auffällt. “Olin In The Minibar” zeigt ein wenig Cello-Solo und der letzte Track “Fire” wirkt insgesamt etwas versöhnlicher, es kommen die Klaviermomente und auch schön arrangierte Streicherstellen zu Gehör. Zum Ende lässt es Yared nochmal pompös werden, viel Finesse ist aber auch hier nicht dabei.

So bleibt am Ende das etwas ernüchternde Fazit, dass die in Masse produzierten Horrorfilme doch ihre eigenen Gesetze haben. Musikalisch lassen sie derart wenig Raum, dass sich auch Yared - für ihn untypisch - in stereotypische Klangschemata zwängt und so am Ende doch nicht mehr hinauskommt als ein weiterer verzichtbarer Horror-Score.

Jan Titel / 17.08.07

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.